Männermesse
«Man’s World» – Es wird kein Klischee ausgelassen

Ein Streifzug durch die gestern in Zürich eröffnete erste Männermesse.

Matthias Scharrer
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Vom Formel-1-Simulator übers Jeepfahren bis hin zu Glücksspielen, Erotikfotografie und Whisky-Bar: An der Männermesse wird kein Klischee ausgelassen.

Vom Formel-1-Simulator übers Jeepfahren bis hin zu Glücksspielen, Erotikfotografie und Whisky-Bar: An der Männermesse wird kein Klischee ausgelassen.

Alex Spichale

Schlange stehen im kalten Wind. Coole Sprüche von harten Jungs. Jungs mit Bärten, Jungs mit Lederjacken, Graumelierte, Jugendliche.

Als ich den Türsteher vor den Zürcher Maag-Hallen passiere, glotzen mich riesige Teleobjektive eines Fotoapparate-Stands an. Volles Rohr. Willkommen in der «Man’s World» – der gestern eröffneten ersten Zürcher Männermesse.

Was soll der Mann von heute wollen? Retro-Koffer, gediegene Anzüge, einen Ducati-Töff, suggerieren die ersten Messestände.

Und stets eine Bar in Sichtweite. Besucher rattern im Minijeep durch die Maag-Halle. Aus den Lautsprechern kommt 70er-Jahre-Rock. Creedence Clearwater Revival. Fette E-Bikes und fette Autos warten auf Käufer.

Am Casino-Tisch wird gezockt. Ein junger Mann sitzt im Formel-1-Simulator, einem Rennboliden ohne Räder mit drei Bildschirmen.

Männermesse 2016
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Alex Spichale

Der 32-Jährige kurvt virtuell durch Monte Carlo. Steigt dann aus dem Boliden. Gibt ein Interview. Matthias Bucher heisst er, arbeitet in einem Büro im Prime Tower gleich nebenan. Deshalb sei er an die «Man’s World» gekommen.

Und weil die Männermesse eine gute Idee sei. «Sie entspricht dem Zeitgeist», sagt Bucher und lässt seinen Blick über die Gin-Bar und den Jeep-Stand in der Nähe schweifen. Zeitgeist? «Back to nature», sagt Bucher.

«So chli Wildnis.» Mann wolle sich wieder selbst entdecken, ob der ganzen Digitalisierung etwas Echtes erleben. «Der Mann entdeckt das Kind in sich wieder», sagt Bucher und zeigt auf den weisshaarigen Rentner, der im Rumpf-Rennauto nebenan durch Monte Carlo kurvt.

Kriegsspiele im Freien

Am Stand nebenan hängen Maschinengewehre an der Wand, für Paintball-Kriegsspiele im Freien – natürlich nicht mit scharfer Munition, versichert der welsche Verkäufer. Letztes Jahr habe seine Firma 12 000 Kunden um Lausanne gehabt.

Jetzt suche sie einen Standort im Raum Zürich. «Aber es ist nicht so einfach», sagt der Welsche und zeigt Fotos vom Lausanner Revier: Wassergräben, durch die ein Jeep kurvt, Betonkulissen für den Häuserkampf. Adriano Celentano singt «Azzurro».

Ein paar Schritte weiter könnte ich mir jetzt eine zerschlissene Jeansjacke kaufen – oder vielleicht doch lieber den Flugsimulator ausprobieren?

Er gehört dem Flug-Erlebnis-Restaurant Runway 34, das in einem Hangar in Glattbrugg auch eine alte sowjetische Militärmaschine beheimatet. «Start me up», röhrt Mick Jagger.

Zeit für ein Bier und eine Zigarette. Draussen vor der Tür gäbe es auf einem Design-Holzfeuergrill gebratene Burger, Rindfleisch mit Whisky und Aktivkohle gemischt – für die schwarze Farbe, wie der Grillmeister verrät.

«Du könntest das Fleisch auch mit Sepia schwärzen, aber naja.» Er grinst. Wäre wohl irgendwie nicht männlich genug.

Nach einem letzten Streifzug, vorbei an Whisky-Ständen, Büchern mit erotischer Fotografie, einem Barbier-Stand, an dem sich ein Mann gerade seinen Bart stutzen lässt, genehmige ich mir noch eine Runde durch Monte Carlo im Formel-1-Simulator.

Ich gebe Vollgas und rase mehrmals in die Bande. Totalschaden.

Den Kommentar zum Artikel lesen Sie hier.

Die «Man’s World» in den Maag-Hallen beim Bahnhof Zürich Hardbrücke dauert noch bis Samstag (Fr 12–23h, Sa 10–-21h).