Neben Daniel Jositsch (SP) kämpfen Hans-Ueli Vogt (SVP), Ruedi Noser (FDP), Bastien Girod (Grüne) und Martin Bäumle (GLP) am 18. Oktober um die Gunst der Wähler. Nationalrätin Maja Ingold (EVP) will im «Stöckli» politisieren, nicht nur diskutieren

Limmattaler Zeitung: Frau Ingold, weshalb wollen Sie in den Ständerat?

Maja Ingold: Weil ich im Ständerat konstruktiv arbeiten, nach Lösungen suchen und Sachpolitik betreiben kann. Parteiengeplänkel und Gesinnungsdemonstrationen, wie sie im Nationalrat vorkommen, liegen mir nicht. Ich möchte, dass das, was ich vertrete, Folgen hat.

Wie wollen Sie neben politischen Schwergewichten wie Daniel Jositsch, Ruedi Noser oder Martin Bäumle, die ebenfalls für den Ständerat kandidieren, herausstechen?

Ich möchte dadurch auffallen, dass ich die soziale Mitte vertrete. Das tut keine andere Partei. Ich wäge ab zwischen den Interessen der Wirtschaft, des Werkplatzes Schweiz und den Aufgaben eines starken Sozialstaates.

Möchten Sie nicht einfach nur Ihren Sitz im Nationalrat sichern? 2011 mussten Sie lange um ihre Wiederwahl zittern.

Ja, das stimmt. Die neuen Mitte-Parteien GLP und BDP sind für uns nach wie vor ein grosses Risiko. Mir geht es aber vor allem darum, der sozialen Mitte und der EVP als kleine Partei eine Stimme zu geben. Und ohne Kandidatur ist das nicht möglich.

Am Anfang Ihrer Amtszeit sagten Sie, dass Sie die kommunale Sicht in Bern einbringen möchten. Ist Ihnen das gelungen?

Es ist schwierig, das Parlament daran zu erinnern, dass es die kommunale Ebene neben der kantonalen und nationalen auch noch gibt. Ich setze mich etwa stark für die Sozialwerke AHV und IV ein. Denn ändert man dort etwas, wirkt sich das immer direkt auf die Gemeinden aus.

In Winterthur hatten Sie ein Sozialhilfemodell eingeführt, das Modellcharakter hat. Heute herrscht in diesem Bereich eine regelrechte Misere. Wie erklären Sie sich das?

Schaut man genau hin, explodieren nicht die Anzahl Fälle, sondern die Kosten. Es gibt viele langjährige Fälle, die nicht einfach verschwinden, nur weil sie aus dem sozialen Sicherungssystem ausgegrenzt werden, also etwa weil es für sie keine IV-Rente gibt. Auch die Zusatzleistungen explodieren. Immer mehr Hochbetagte sind auf sie angewiesen, um ihre Lebenskosten zu finanzieren – vor allem in Heimen.

Wie lösen Sie das Problem?

Das Gesetz zur Pflegefinanzierung hat viele Fehler, das müsste man überarbeiten. Und man müsste bei der Arbeitslosenversicherung einen Pool für Langzeitarbeitslose bilden oder der Sozialhilfe eine neue Kernaufgabe geben: die Reintegration von Langzeitarbeitslosen.

Welche Themen würden Sie sich als Ständerätin als erstes auf die Agenda setzen?

Ich würde mich für ein Paket der Altersvorsorge einsetzen, das generationenverträglich ist.

Sollen die bilateralen Verträge weitergeführt werden?

Ja. Ich bin überzeugt, dass sie uns nützen. Bevor man sie kündigt, bräuchte es auf jeden Fall eine objektive Abschätzung der Risiken.