Reaktionen
Magdalena Martullo-Blocher in den Nationalrat: Das sagen Zürcher Politiker

Blocher-Tochter Magdalena Martullo soll für die SVP Graubünden in den Nationalrat. Bei Zürcher Parlamentariern in Bern sorgt das für verschiedene Reaktionen. Darunter sind leichte Empörung, Grinsen und Anerkennung.

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Politik aus dem Elfenbeinturm - das ist nicht nur SVP-Übervater Christoph Blocher ein Graus, auch seine Tochter Magdalena Martullo-Blocher tritt für mehr Praxis-Orientierung der Schweizer Parlamentarier ein.

Und an dieser mangele es der Politik gehörig, wie die Chefin der EMS-Chemie gestern in Chur bei der Pressekonferenz betonte.

Deswegen will sie nun das Heft selbst in die Hand nehmen und kandidiert für den Kanton Graubünden für den Nationalrat. Dies, obwohl die 45-Jährige in Feldmeilen im Kanton Zürich wohnt.

Das scheint aber kein Hinderungsgrund zu sein. Immerhin besitze sie seit einiger Zeit ein Ferienhaus in der Lenzerheide und verbringe viel Zeit hier, streicht Andrea Davaz, Vizepräsident der SVP Graubünden, heraus. Und auch sonst ist Martullo-Blocher im Kanton als Chefin des Konzern, welcher als grösster Steuerzahler fungiert, eine wichtige Person.

Was sagen Zürcher Politiker zur Kandidatur der Blocher-Tochter?

«Blocher will sich ein Denkmal setzen», sagt Nationalrat Daniel Vischer, Grüne Zürich.

«Blocher will sich ein Denkmal setzen», sagt Nationalrat Daniel Vischer, Grüne Zürich.

Tele Züri

Daniel Vischer, Nationalrat der Grünen Zürich, hat eine dezidierte Meinung: «Es ist offensichtlich, dass hier nicht nur jemand versucht, sich ein eigenes Denkmal zu setzen, sondern auch seine Nachkommenschaft zu regeln», gibt er gegenüber dem Fernsehsender «Tele Züri» zu Protokoll.

Reaktionen auf Nationalratskandidatur

Reaktionen auf Nationalratskandidatur

Tele Züri

SP-Nationalrätin Chantal Galladé aus Winterthur gesteht der SVP zwar das Recht zu, selbst zu bestimmen, wen sie als Kandidat fürs Parlament in Bern portiert. Trotzdem sagt sie: «Meine erste Reaktion war ein leichtes Grinsen mit dem Gedanken "Ah, haben wir in der Schweiz nun auch schon eine Monarchie"».

«Ein zweifacher strategischer Coup», sagt FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann aus Zürich.

«Ein zweifacher strategischer Coup», sagt FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann aus Zürich.

Tele Züri

Etwas differenzierter sieht es ihr Ratskollege Hans-Peter Portmann von der FDP: «Die SVP landet in zweierlei Hinsicht einen strategischen Coup: Einerseits hat sie das Erbe von Christoph Blocher mit der Kandidatur von Roger Köppel und Magdalena Martullo-Blocher auf zwei Schultern verteilt.» So werde die SVP in der Prägung von Christoph Blocher auch nach dessen Abgang weiter bestehen und all jene gestraft, die auf das Gegenteil hofften. Und andererseits sei die Kandidatur in Graubünden auch als Angriff für die Erzfeindin BDP, der Partei von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, zu verstehen. (rhe)