Herr Rasumowsky, auf Ihrer Messe dürfen Männer auf Bagger steigen, Modellautos steuern und Spirituosen degustieren. Braucht es diesen Spielplatz für grosse Jungs wirklich?

Daniel Rasumowsky: Nein, die Männermesse braucht es nicht. Aber Männer lieben halt Dinge, die es nicht braucht. Das jedenfalls ist mein Fazit nach einem Jahr Vorbereitung und vielen Gesprächen.

Wie hat denn Ihr Umfeld reagiert, als Sie mit der Idee einer Man’s World kamen?

Manche fragten sich, ob die Idee funktioniert. Die meisten jedoch – weit über 90 Prozent – reagierten begeistert.

Keine Vorurteile im Stile: Das haben wir nicht nötig, das ist was für Machos?

Überhaupt nicht. Das liegt vielleicht auch an mir und unserem Team. Wir sind sicher keine Machos, haben einfach Spass an der Idee und spielen bewusst mit diesen Männerklischees.

Wie etwa auf dem Werbeplakat der Messe?

Genau. Ein anderes Beispiel dafür, dass nicht alles ganz so ernst gemeint ist, bietet die ‹Ladies’ Lounge›, wo Besucherinnen kostenlos Manicure bekommen und Champagner trinken können – auf einer Terrasse mit Blick über die Man’s World.

Wenn eine Frau genug hat, kann sie ihren Mann ausrufen lassen, wie man das von der Müsliburg im ‹Glatt› her kennt. Ein Gag, den die meisten verstehen und lustig finden werden, davon bin ich überzeugt.

Sie rechnen demnach mit Besucherinnen?

Wir erwarten über die drei Tage verteilt etwa 10 000 Besucher, davon rund einen Drittel weibliche.

Sind Erotik und Sex ein Thema an der Messe?

Nein, wir sind überzeugt, dass es für den Erfolg keine halb nackten Girls braucht. Ebenso haben wir auf Themen wie Politik, Religion und Gewalt verzichtet.

Wichtig war uns zudem, dass die Produkte und Angebote für den Durchschnittsverdiener erschwinglich sind. Wir wollten keine Luxusmesse. Statt Ferrari präsentiert sich Jeep.

Wie sind Sie denn auf die Idee der Man’s World gekommen?

Meine Agenturpartner und ich haben uns mal an einem Mittagessen darüber unterhalten, dass die Zürcher Bahnhofstrasse praktisch nur auf Frauen ausgerichtet ist. Das macht wirtschaftlich zwar Sinn, ist aber für Männer überhaupt nicht spannend.

Und dann wollten Sie Gegensteuer geben?

Die Rolle des Mannes in der Gesellschaft hat sich gewandelt, seine Bedürfnisse und Affinitäten ebenfalls.

Es gibt viele tolle Männer-Marken und -Produkte, die jedoch nur wenigen bekannt sind. Wir wollen eine Plattform bieten, welche diese Brands mit der Zielgruppe zusammenbringt, unabhängig von Alter, politischer Einstellung oder gar sexueller Ausrichtung.

Ist eine Messe der richtige Ort dafür?

Messe ist für uns eigentlich ein Unwort, ich bin überhaupt kein Messegänger. Deshalb wollten wir weder klassische Standbauten noch Aussteller, die bloss Promo-Flyer verteilen.

Die Besucher sollen etwas erleben, sollen degustieren oder sich messen können. Und die ehemaligen Industriehallen auf dem Maag-Areal sind für solche Erlebniswelten wie geschaffen.

War es schwierig, potenzielle Aussteller von Ihrer Idee zu überzeugen?

Trotz Begeisterung waren anfangs viele zurückhaltend – bis wir ausgewählte Partner wie Tag Heuer im Boot hatten.

Auf einmal waren alle andern voll dabei. Am Ende mussten wir vielen Interessenten absagen. Die Flächen sind längst vermietet, bereits rund 3000 Tickets verkauft.

Wie erklären Sie sich diese Begeisterung?

Ich glaube, dass der Zeitpunkt ideal ist. Männer haben heute andere Bedürfnisse und definieren sich nicht bloss über ihren Job und ihr Auto.

Kleidung, Accessoires und andere auf Männer fokussierte Konsumgüter sind im Kommen. Das war vor 20 Jahren anders.

Damals wäre eine solche Messe wohl noch nicht denkbar gewesen. Ebenso wenig funktioniert sie in einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen nicht gleichgestellt sind.

Ist die Ausstellung ein gesellschaftspolitisches Statement?

Nein, wir verfolgen kein politisches Ziel. In erster Linie möchten wir eine gute Zeit, Inspiration und Zeit zum Entdecken bieten.

Wird sich dieses Projekt für Sie auszahlen?

Wir gehen davon aus, dass wir im ersten Jahr drauflegen müssen. Es ist ein Investment, das sich langfristig auszahlen soll.

Sie denken bereits an eine Fortsetzung?

Ja, schon im nächsten Jahr wollen wir die Messe wiederholen. Denkbar ist auch eine Man’s World an anderen Standorten.

Was wird von der Zürcher Premiere bleiben?

Wir wollen die Man’s World das ganze Jahr über aktivieren, indem wir online mit der Zielgruppe in Verbindung bleiben und verschiedene Events organisieren – zum Beispiel mit einem Töff-Testtag mit anschliessendem Grillfest.

Potenzial sehen wir auch für Online-Anbieter, die wir mit der männlichen Zielgruppe zusammenbringen können.

Während der Planung haben sich viele Ideen ergeben, die wir nicht alle realisieren konnten. Das ist gar nicht schlecht, schliesslich wollen wir ja noch wachsen.

Der 32-jährige Mitorganisator der Man’s World hat Jura studiert und nach kurzer Arbeitstätigkeit in der strategischen Unternehmensberatung in die Unternehmenskommunikation gewechselt. 2011 gründete er in Zürich mit zwei Partnern die heutige Kommunikationsagentur Jeff. Zur Realisierung der ersten Männermesse Europas gründete Jeff letzten Juni die Man’s World Schweiz AG

Daniel Rasumowsky

Der 32-jährige Mitorganisator der Man’s World hat Jura studiert und nach kurzer Arbeitstätigkeit in der strategischen Unternehmensberatung in die Unternehmenskommunikation gewechselt. 2011 gründete er in Zürich mit zwei Partnern die heutige Kommunikationsagentur Jeff. Zur Realisierung der ersten Männermesse Europas gründete Jeff letzten Juni die Man’s World Schweiz AG

Fliegen mit der Super-Connie und Pokern in der Churchill-Bar

Eine zeitgemässe Interpretation der Höhle, das letzte Refugium des Mannes – so nennt das Editorial des Messebüchleins die Mission der Man’s World.

Und wie vieles auf diesem 2000 Quadratmeter grossen Spielplatz versehen die Macher auch diese einleitenden Worte bewusst mit einem Schuss Übertreibung und Ironie.


Durchaus ernst ist aber der Hinweis zu verstehen, dass «echte Kerle mit dem öV zur Man’s World kommen», weil A: im Eintrittspreis inbegriffen, B: wenig Parkplätze und C: von Bier (etwa aus der ersten automatischen Bierbraumaschine der Schweiz) über Gin bis Wein und Whisky reichlich Alkoholisches zu degustieren ist.

Das soll aber niemanden davon abhalten, an einem Seil befestigt auf über sechs Meter Höhe über die Erlebniswelten zu sausen. Oder seine Geschicklichkeit beim Biereinschenken mit einem 23-Tonnen-Bagger zu testen.


Die Pilotencrew der legendären Super Constellation lockt Besucher in den Super-Connie-Simulator. Wer lieber auf dem Boden bleibt, kann mit ferngesteuerten Modellautos über eine Offroad-Piste rasen oder im roten Doppelpfeil der SBB in der Churchill Bar verweilen und pokern.

Um den stilbewussten Mann kümmern sich unter anderem ein Barbershop sowie Anbieter von Uhren und Massanzügen.

Maag-Hallen, Zürich, 4.–6. Februar. Do/Fr (4./5. Febr.) 12–23 Uhr, Sa (6. Febr.) 10–21 Uhr. Mittagsticket 20 Fr., Tagesticket 34 Fr., VIP-Ticket 98 Fr. Erhältlich im Vorverkauf auf der Website www.mansworld.com. An der Kasse kostet das Tagesticket 38 Fr.