Zürich
Mädchenhaus Zürich: 147 Mädchen suchten Hilfe

147 Mädchen haben sich 2011 im Zürcher Mädchenhaus beraten lassen, 28 weniger als im Vorjahr. 55 Mädchen und junge Frauen fanden Schutz in der stationären Kriseninterventionsstelle, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht.

Merken
Drucken
Teilen
Vergewaltigung (Symbolbild)

Vergewaltigung (Symbolbild)

bz Basellandschaftliche Zeitung

72 Hilfesuchende wohnten im Kanton Zürich, 38 in der Stadt Zürich, 35 in andern Kantonen. Am meisten in Anspruch genommen wurde das Mädchenhaus von jungen Frauen im Alter zwischen 14 bis 17 Jahren.

Die Gründe für eine Beratung waren vielfältig: sie reichten von physischer oder psychischer Gewalt über Drohung, Vergewaltigung bis hin zu Freiheitsberaubung oder Zwangsverheiratung. Letzteres wurde in 17 Fällen genannt.

Die Täter stammten meistens aus dem engsten Familienumfeld des Opfers: So wurde in 38 Prozent der Fälle der Vater, in 33 Prozent die Mutter, in 9 Prozent der Bruder und in 6 Prozent der Stiefvater genannt.

Von den 55 Mädchen, die stationär Zuflucht im Mädchenhaus gesucht hatten, kehrten 29 in ihre Herkunftsfamilie zurück. Sieben Opfer wechselten nach dem Aufenthalt in eine begleitete Wohnform, sechs Opfer fanden bei Verwandten, Bekannten oder einem Elternteil Unterschlupf.

Rückkehr aus Schulgefühl

Auffällig im vergangenen Jahr gewesen sei die grosse Ambivalenz der jungen Frauen nach dem Eintritt ins Mädchenhaus, heisst es im Jahresbericht. Geäussert habe sich dies in Form von Schuldgefühlen, Heimweh und der Angst, die Beziehung zur Familie zu verlieren.

Einige Klientinnen hätten sich deshalb entschieden, bereits nach kurzem Aufenthalt nach Hause zurückzukehren. Die Aufenthaltsdauer bewegte sich zwischen einem und 14 Tagen. 58 Jugendliche musste das Mädchenhaus wegen Platznot abweisen.

Das Mädchenhaus Zürich bietet Beratung und Wohnraum für junge Frauen zwischen 14 und 20 Jahren, die von sexueller, psychischer oder physischer Gewalt betroffen sind.

Neben den Opfern können sich auch Fach- oder Vertrauenspersonen beraten lassen. Um den bedrohten jungen Frauen den bestmöglichen Schutz zu bieten, befindet sich die stationäre Kriseninterventionsstelle an einem geheimen Standort.