Zwangsheirat
Mädchenhaus mit spürbar grösserem Andrang in den Sommerferien

Die Sommerferien sind nicht für alle die schönste Zeit im Jahr. Immer wieder wenden sich junge Frauen aus ausländischen Familien an die Beratungsstelle der Mädchenhauses in Zürich, weil sie sich vor der Reise in die alte Heimat fürchten.

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(Symbolbild)

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Keystone

Dass die Sommerferien nicht für alle die schönste Zeit im Jahr sind, bekommt auch das Mädchenhaus in Zürich - das einzige schweizweit - zu spüren. Immer wieder wenden sich junge Frauen aus ausländischen Familien an die Beratungsstelle, weil sie sich vor der Reise in die alte Heimat fürchten.

«Sie haben Angst, dass sie dort bleiben müssen oder verheiratet werden», sagt Karin Aeberhard, Co-Leiterin des Mädchenhauses, zur Nachrichtenagentur sda. Einzelne könne man aufnehmen. Vielen helfe aber auch schon eine Beratung.

Man weise die Mädchen auf Möglichkeiten hin, sich zumindest ein wenig abzusichern. So sollten sie etwa bei einer Vertrauensperson in der Schweiz eine Passkopie hinterlegen, und sie können mit ihr vereinbaren, die Polizei zu informieren, wenn eine gewisse Zeit lang keine Nachricht vom gefährdeten Mädchen kommt.

Die neue Schweizer Gesetzgebung sei zwar «ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Aeberhard. Sie bringe aber immerhin eine «gewisse Erleichterung». Die Eltern seien vorsichtiger, die Heiraten können in der Schweiz annulliert werden - falls das Mädchen nach der Eheschliessung in die Schweiz zurück komme.

Vor diesen Sommerferien seien eher weniger Anfragen bezüglich drohender Verheiratung eingegangen, sagt Aeberhard. Eine junge Frau habe man deswegen soeben aufgenommen. In den letzten Jahren waren es jeweils durchschnittlich rund zwei Aufnahmen und bis zu zehn Beratungen.

Es sei für eine junge Frau ein sehr grosser Schritt, sich gegen die Familie zu stellen oder diese gar zu verlassen, sagte Aeberhard. Häufig sei der Druck enorm - den Jugendlichen werde zum Beispiel vorgehalten, Schande über die Familie zu bringen.

Ein einziges Mädchenhaus in der Schweiz

Das einzige Mädchenhaus in der Schweiz, eine anerkannte Opferstelle im Kanton Zürich, bietet Mädchen und jungen Frauen zwischen 14 und 20 Jahren Beratungen und/oder Unterschlupf, wenn sie Gewalt jeglicher Art ausgesetzt sind.

Es stehen sieben Plätze zur Verfügung. Im vergangenen Jahr lag die Auslastung bei knapp 76 Prozent, wie der Jahresbericht 2012 ausweist. Insgesamt 43 Jugendliche wurden aufgenommen. Sie verbrachten einige Tage bis mehrere Monate im Mädchenhaus.

Die Nachfrage für weitere Mädchenhäuser wäre vorhanden, sagt die Co-Leiterin. In Biel BE sei eine Einrichtung im Aufbau. «Visionen» für eine Vergrösserung habe man durchaus, aber dafür fehle das Geld.