Bezirksgericht Zürich
Macheten-Angriff in der Lambada-Bar: Nigerianer wird überraschend freigesprochen

Das Bezirksgericht Zürich hat am Donnerstag überraschend einen 30-jährigen Nigerianer freigesprochen, der mit einer Machete bewaffnet in eine Bar an der Langstrasse gestürmt sein soll. Nicht zu beweisen, fand das Gericht und entliess den Familienvater in die Freiheit.

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Der Familienvater wurde aus der Lambada-Bar an der Langstrasse geworfen und kam später mit einer Machete zurück, um sich zu rächen.

Der Familienvater wurde aus der Lambada-Bar an der Langstrasse geworfen und kam später mit einer Machete zurück, um sich zu rächen.

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Für den Staatsanwalt war die Sache klar: Im Dezember 2015 sei der Beschuldigte an einem Samstagvormittag aus der Lambada-Bar an der Langstrasse geworfen worden. Um sich an den Türstehern zu rächen, sei er - in betrunkenem Zustand - nach Hause gefahren, habe eine Machete geholt und sei dann mit erhobener Waffe in die Bar zurück.

Im Eingangsbereich der Bar sei er auf einen Türsteher losgegangen, der die Attacke nur dank gekreuzter Arme vor dem Gesicht habe abwehren können. "Man erkennt daran die Gewaltbereitschaft des Beschuldigten", sagte der Staatsanwaltschaft und forderte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten ohne Bewährung.

Siebenfach vorbestraft

Es wäre bereits die achte Vorstrafe für den 30-Jährigen geworden, der im Alter von 10 Jahren in die Schweiz kam und seit Jahren die Justiz beschäftigt. Raub, Raufhandel, Diebstahl und andere Delikte stehen in seinem Strafregisterauszug. Mit dieser Verurteilung wäre noch versuchte schwere Körperverletzung dazugekommen.

Das Gericht folgte jedoch überraschend der Anwältin. Sie hatte argumentiert, dass es für einen Macheten-Angriff keinerlei Beweise gebe. Es würden lediglich die Aussagen der Türsteher sowie die Aussage einer Zeugin vorliegen, die den Nigerianer mit einem "nicht näher definierten Gegenstand" sah.

Zudem seien die Türsteher, beides vorbestrafte, muskelbepackte Gorillas, auch nicht über jeden Zweifel erhaben. Diese hätten den Beschuldigten nämlich verprügelt. "Und sollte man nicht Schnittverletzungen an den Armen haben, wenn man einen Macheten-Angriff abwehrt?", fragte sie rhetorisch.

Busse wegen der Machete

Das Gericht entschied nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten". Es stehe Aussage gegen Aussage. Allerdings sei der Freispruch eine knappe Sache. "Was Sie uns da aufgetischt haben, überzeugt uns überhaupt nicht", sagte der Richter zum Beschuldigten.

Tatsächlich verstrickte er sich in zahlreiche Widersprüche. Mal hatte er die Machete dabei, mal nicht. Mal trug er sie im Hosenbein, mal in der Hülle. Mal erhielt er sie von einem Unbekannten in die Hand gedrückt, mal von einem Taxifahrer. "Aber nur weil einer lügt, heisst das nicht, dass der andere die Wahrheit sagt."

Weil der Mann seit dem Vorfall in der Lambada-Bar im vorgezogenen Strafvollzug sitzt, hat er eine frühere Strafe von acht Monaten hiermit bereits verbüsst und ist ein freier Mann. Er muss nur eine Busse von 100 Franken zahlen, weil er eine Machete bei sich trug, sowie ein Drittel der Gerichtskosten tragen.

"Nicht weil Sie schwarz sind"

Die Gerichtskosten werden ihm teilweise auferlegt, weil er trotz Freispruch für das ganze Strafverfahren verantwortlich ist. "Das Strafverfahren wurde nicht geführt, weil Sie schwarz sind, wie Sie der Staatsanwaltschaft vorgeworfen haben, sondern weil sie einmal mehr eine Riesendummheit gemacht haben", rügte ihn der Richter.

Ob sich der Freigesprochene nun tatsächlich von Bars fernhält und sich wie angekündigt auf Arbeit und Sport konzentriert, wird sich zeigen. Bereits im Jahr 2015 stand der Mann genau vor dem gleichen Richter und versprach auch damals, sich jetzt endlich zu bessern.