Die Masche des überzeugend auftretenden Berufsbetrügers war beeindruckend. Er trat jeweils als erfolgreicher Manager oder Immobilienmakler auf und nahm über eine Partnervermittlungsstelle Kontakte zu alleinstehenden Schweizer Frauen mittleren Alters auf. Offenbar kam der heute 50-jährige Dietiker trotz seines fülligen Aussehens bei der Frauenwelt gut an. Die Damen verliebten sich jeweils in den vermeintlich ledigen Traumprinzen und bemerkten zu spät, dass es dem in Wahrheit verheirateten «Casanova» nur um ihr Geld ging.


Heimlich Konten geplündert

Der Beschuldigte lebte schon bald mit seinen Partnerinnen zusammen und spionierte dabei ihre PIN-Codes aus, um eines Tages heimlich ihre Konten zu plündern. Die Anklageschrift schilderte, wie der Schweizer drei Frauen hinters Licht führte und um insgesamt 40 000 Franken brachte. Alleine das erste Opfer erleichterte er in wenigen Wochen um mehr als 20 000 Franken.

Besonders dreist war dabei, dass der arbeitslose Berufsbetrüger die Geschädigten mit ihrem eigenen Geld nicht nur zum Essen einlud, sondern auch mit Geschenken verwöhnte. Bevor die Frauen den Schwindel bemerkten, tauchte der Liebesschuft jeweils unter und suchte sich das nächste Opfer.

Der Beschuldigte war auch anderweitig tätig, indem er das Zürcher Sozialamt mit einem gefälschten Mietvertrag um 900 Franken für angebliche Obdachlosenhilfe brachte.

In einem anderen Fall drehte er als Immobilienbesitzer einer gutgläubigen Frau eine angebliche Wohnung in Wettingen an. Er kassierte von ihr eine Mietkaution für 3000 Franken und einen Mietanteil von 1000 Franken. Die Geschädigte bemerkte den Betrug erst, als sie vom Beschuldigten einen falschen Schlüssel erhielt und danach vergebens das Schloss der bereits belegten Wohnung zu öffnen versuchte. Sie wurde vielmehr im Treppenhaus von misstrauischen Nachbarn angesprochen, die sie für eine Einbrecherin hielten.

«Es tut mir alles leid»

Der Betrüger wurde am 28. Juni 2013 von der Polizei festgenommen und hat seither 195 Tage im Gefängnis verbracht. Vor den Schranken verkaufte sich der fast umfassend geständige Ex-Koch sehr gut. «Es tut mir alles leid», entschuldigte er sich bei den im Gerichtsaal anwesenden Opfern, die erst jetzt realisierten, dass ihr Ex-Partner verheiratet war. Er habe ein Lügengebäude aufgebaut und dieses aufrecht halten wollen, gab er als Tatmotiv an. «Ich habe den Frauen wehgetan», sah er ein.
Das Gericht kannte zum Schluss kein Pardon und ging deutlich über den Antrag der Staatsanwaltschaft von 18 Monaten Freiheitsentzug hinaus. Es setzte wegen Betrugs, gewerbsmässigen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage sowie Urkundenfälschung eine unbedingte Freiheitsstrafe von 25 Monaten fest. Der Antrag der Verteidigung auf Teilfreisprüche und eine milde Strafe fand beim Gericht kein Gehör. «Der Beschuldigte hat das Vertrauen der Opfer schamlos missbraucht», sagte der Gerichtsvorsitzende, der wegen Fluchtgefahr die Fortführung der Sicherheitshaft anordnete. Zudem wurde der Hochstapler verpflichtet, den Frauen den grössten Teil des Gelds zurückzuerstatten.