Zwischennutzung
Lothar Schillings Indoor-Flohmarkt steht vor dem Aus

Der Flohmarkt-Macher Lothar Schilling sucht eine neue Bleibe. Die Eigentümer bauen das denkmalgeschützte Gebäude an der Badenerstrasse 415 ab 2014 um.

Matthias Scharrer
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Lothar Schilling hat in den Hallen der ehemaligen Citroën-Garage ein kleines Universum des Handels mit Secondhandwaren aufgebaut.

Lothar Schilling hat in den Hallen der ehemaligen Citroën-Garage ein kleines Universum des Handels mit Secondhandwaren aufgebaut.

In den Hallen der ehemaligen Citroën-Garage an der Badenerstrasse 415 in Zürich ist ein kleines Universum entstanden: Lothar Schilling hat hier in den letzten zwei Jahren Zürichs ersten Indoor-Flohmarkt aufgebaut. Genau genommen ist es eine Mischung aus Flohmarkt und Brockenhaus. Rund 15 Secondhand-Händler haben sich mit fixen Ständen eingemietet. Im Aussenbereich findet zudem jeweils samstags ein Flohmarkt mit rund 20 kleineren Ständen statt.

Ende Jahr ist Schluss damit.

Wohnturm auf geschütztem Rundbau geplant

Die in den 1950er-Jahren erbaute frühere Citroën-Garage an der Badenerstrasse 415 in Zürich ist ein markanter Bau: Die Halle mit dem Rundbau, der als Auffahrrampe diente, steht unter Denkmalschutz. Nun plant die Schlotterbeck-Areal AG dort 108 Eigentumswohnungen sowie Gewerberäume. Der Rundbau soll zu einem 40 Meter hohen Wohnturm aufgestockt werden. Am hinteren Gebäudeende ist ein 25 Meter hoher Wohnturm geplant. Baubeginn ist im Herbst 2014.

Die ehemalige Citroën-Garage wird um zwei Wohntürme aufgestockt.

Die ehemalige Citroën-Garage wird um zwei Wohntürme aufgestockt.

Zwar war von Anfang an klar, dass sie von begrenzter Dauer sein würde. Die Bauherren wollten damit auch Besetzungen vorbeugen. Etwas wehmütig stimmt der Abschied Schilling dennoch: «Kaum hat man etwas Schönes aufgebaut, muss man wieder gehen.»

«Lebenslange Leidenschaft»

Für den 55-jährigen Münchner, der seit 22 Jahren in der Schweiz lebt, ist dies aber nichts Neues: In den letzten zehn Jahren hatte er immer wieder Läden in Zwischennutzungen. Der Handel mit Secondhandwaren sei für ihn eine «lebenslange Leidenschaft», sagt er. «Es ist immer auch eine kleine Schatzsuche.»

Mit zwölf Jahren fing er auf Flohmärkten an. Nach einigen Jahren in der Filmbranche seiner Heimatstadt und vier Jahren in Asien kam er in die Schweiz – «aus Gründen der Liebe». Bald darauf eröffnete Schilling im Zürcher Niederdorf seinen ersten Antiquitätenladen. Dem Handel mit Dingen, die andere Leute nicht mehr brauchen, blieb er seither treu.

Nach dem Ausverkauf seines jetzigen kleinen Universums, der bis Ende Jahr dauert, will Schilling sich zunächst einmal eine Auszeit gönnen. Doch die Hoffnung, ein neues Gelände für ein Nachfolgeprojekt zu finden, hat er nicht aufgegeben – obwohl in Zürich Räume für Zwischennutzungen immer rarer werden.