Bahnunfall
Lok wegen Unterhaltsmängeln im Zürcher Bahnhof entgleist

Mängel bei Unterhaltsarbeiten haben am 18. September 2013 zur Entgleisung einer Lokomotive geführt. Die Lok war bei einer Rangierfahrt auf Höhe des Dienstgebäudes Langstrasse aus den Gleisen gesprungen. Verletzt wurde niemand.

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Die Lokomotive war gemäss neuesten Erkenntnissen aufgrund von Mängeln an der befahrenen Weiche entgleist.

Die Lokomotive war gemäss neuesten Erkenntnissen aufgrund von Mängeln an der befahrenen Weiche entgleist.

polizeinews.ch

Der Unfall passierte beim Bereitstellen des Eurocity-Zus nach München. Bei der Rangierfahrt bemerkte der 58-jährige Lokführer plötzlich ein starkes Rumpeln. Kurz darauf entgleiste die Lok mit allen vier Achsen, wie es in dem am Mittwoch veröffentlichten Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntesuchungsstelle SUST heisst.

Die Lokomotive kam 38 Meter nach der Weiche auf der Höhe des Dienstgebäudes Langstrasse im Schotter zum Stillstand. Bei dem Unfall entstand Sachschaden sowohl an der Bahnanlage als auch an der Lokomotive. Der Lokführer und der Rangierleiter, der sich im ersten Wagen aufgehalten hatte, blieben unverletzt.

Die Auswertung der elektronischen Geschwindigkeitsmessanlage ergab, dass der Lokführer mit einer Geschwindigkeit von 28 km/h gefahren war und sich somit an die vorgeschriebene Rangiergeschwindigkeit von 30 km/h gehalten hatte.

Hingegen ergaben die Untersuchungen der SUST Mängel an der Weiche. Die Schrauben einer Rippenplatte waren so locker, dass sie von Hand herausgedreht werden konnten. Zudem war wegen eines verschlissenen Zungenprofils die Spurführung nicht mehr gewährleistet. Ein Rad der Lokomotive konnte soweit aufklettern bis der Spurkranz an der Schienenoberkante angelangt war und das Rad dort abzurollen begann.

Mängel bereits früher festgestelltDie Mängel an der Weiche waren bereits im Juli 2012 festgestellt worden. Weil die Befestigung der Rippenplatten ungenügend waren, wurden zwei provisorische Spurhalterungen angebracht. Normalerweise werde jedoch eine Schraubenlochsanierungsaktion durchgeführt, schreibt die SUST. Eine solche Aktion habe es jedoch nicht gegeben.

Es habe somit ein grosses Entgleisungsrisiko bestanden, heisst es im Schlussbericht. Die Weiche befinde sich zudem im Bereich der Einengung der Langstrassenbrücke. Entgleisungen in diesem sensiblen Bereich führten zu grossen betrieblichen Einschränkungen.

Aber auch an der Lokomotive war nicht alles ordnungsgemäss. So war etwa die Spurenkranzschmieranlage nicht funktionsfähig. Eine schlecht oder nicht funktionierende Schmieranlage darf laut SUST zwar nicht zu einer Entgleisung führen.

Hingegen entstehe bei einem gut geschmierten Spurenkranz weniger Reibung zwischen Spurkranz und Schienenflanke. Ein erhöhter Reibungskoeffizient könne das Aufklettern eines Rades auf der Schiene in Kurven oder auf einer Weiche begünstigen.

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