Pensionskassen-Sanierung
Löhne der BVK-Versicherten bleiben verschont

Der Deckungsgrad der Pensionskasse des Kantons Zürich (BVK) liegt erstmals seit 2007 wieder über 90 Prozent. Das Sanierungsprogramm fällt deshalb für die Versicherten weniger einschneidend aus als befürchtet.

Matthias Scharrer
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Die 77587 noch nicht pensionierten Versicherten der Pensionskasse des Kantons Zürich (BVK) können aufatmen: Sie müssen vorerst keine Lohnprozente zur Sanierung der krisengeschüttelten BVK beitragen. Der Deckungsgrad der Pensionskasse beträgt nämlich erstmals seit 2007 mehr als 90 Prozent, wie die BVK am Montag mitteilte.

Läge er zwischen 80 und 90 Prozent, wäre seitens der Versicherten ein Sanierungsbeitrag von 1,5 Prozent des versicherten Lohnes fällig. So sieht es das Sanierungsprogramm vor, das seit 1. Januar 2013 in Kraft ist. Einem durchschnittlichen Angestellten bleibt damit eine Sanierungsabgabe in der Grössenordnung von 750 Franken pro Jahr erspart, wie BVK-Chef Thomas Schönbächler auf Anfrage sagte.

Ganz ungeschoren kommen die Versicherten aber nicht davon: Ihre Pensionskassen-Sparguthaben werden bei einem Deckungsgrad zwischen 90 und 100 Prozent gemäss Sanierungsprogramm nur mit 1 Prozent statt der vom Bundesrat festgelegten 1,5 Prozent verzinst. Das trifft vor allem die älteren Versicherten mit ihren höheren Sparguthaben. Aus Sicht der Pensionskasse schlägt es laut Schönbächler stärker zu Buche wie die Lohnabgaben der Versicherten, die beim Unterschreiten der 90-Prozent-Schwelle zusätzlich fällig würden.

Von Arbeitgeberseite ist nun ein Sanierungsbeitrag von 2,5 Prozent der versicherten Löhne zu leisten. Bei einem BVK-Deckungsgrad von 80 bis 90 Prozent wären es 3,75 Prozent. Die nun geltenden Sanierungsbeiträge bleiben bis Mitte 2014 unverändert. Dann wird der Deckungsgrad von Ende 2013 massgeblich.

Der nun per 1. Januar 2013 provisorisch festgelegte Deckungsgrad der BVK liegt bei 90,9 Prozent. Darin inbegriffen sind die 2 Milliarden Franken, die der Kanton als Einmaleinlage zur Sanierung der BVK beiträgt – unabhängig davon, wie die Stimmberechtigten am 3. März über deren Verbuchung entscheiden. Ohne die Milliarden des Kantons hätte die BVK nun einen Deckungsgrad von 87,5 Prozent. Das sind gut vier Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor.

Als Gründe dafür nannte Schönbächler die verbesserte Lage auf den Kapitalmärkten und die konsequente Umsetzung der BVK-Anlagestrategie. Diese brachte der kantonalen Pensionskasse im vergangenen Jahr eine Rendite von 8 Prozent, was 1,65 Milliarden Franken entspricht. Branchenüblich waren im gleichen Zeitraum 6,3 Prozent Rendite, wie der Schweizerische Pensionskassenverband kürzlich mitteilte.

«Noch zwei solche Jahre, und der Deckungsgrad von 100 Prozent wäre erreicht», sagte Schönbächler. Er warnte jedoch vor übertriebener Euphorie. Um die BVK wie geplant bis 2020 zu sanieren, sei längerfristig eine jährliche Rendite von durchschnittlich 3,6 Prozent «absolut realistisch». Zum Vergleich: In den letzten drei Jahren lag die BVK-Rendite im Schnitt bei 4,8 Prozent, in den letzten fünf Jahren bei 2,5 Prozent.

Noch unklar ist auch, ob und wie viel Geld die BVK im Zusammenhang mit der Affäre um ihre korrupten früheren Anlagechef zurückbekommt. «Wir haben bei einer grossen Anzahl Fälle Verjährungsverzicht eingeholt», sagte Roger Keller, Sprecher der kantonalen Finanzdirektion.