Während viele Schweizer Ferienhotels den Euro-Kurs für das Fernbleiben ausländischer Gäste verantwortlich machen, fehlen den Nobelhotels in der Zürcher Innenstadt vor allem Private-Banking-Kunden. Die teilweise langjährige wohlhabende Klientel besuchte in Zürich ihre Banken – die früher auch gleich die Zimmerreservationen vornahmen.

Der Präsident der Zürcher Hoteliers und Direktor des Traditionshauses «Storchen», Jörg Arnold, vermisst dieses Jahr die Gesichter einiger Stammgäste: «Wir liegen bei den Logiernächten im Moment etwa zehn Prozent unter dem Vorjahr.» Verantwortlich dafür macht er hauptsächlich die Verunsicherung in der Finanzbranche: «Ich vermute, dass viele dieser Gäste ihre Konten in Zürich aufgelöst haben.»

Das «Storchen» gehört zu den gehobenen Vier-Sterne-Hotels, also knapp unterhalb des Topsegments. Auch die indirekten Auswirkungen der Finanzkrise und des Drucks aus dem Ausland in Steuerfragen seien spürbar: «Im Kreis 1 sind etwa 6000 Arbeitsplätze verloren gegangen, zudem sind Spesenbudgets gekürzt worden.» Laut Arnold wirkt sich dies vor allem auf die Umsätze in der Gastronomie aus.

Kaum noch Amerikaner

Manfred Hörger, Direktor des Fünf-Sterne-Hauses Savoy Baur en Ville am Paradeplatz stellt denselben Effekt fest wie Arnold; ein Ausbleiben von Bankkunden. Allerdings verzeichnet das «Savoy» punkto Logiernächte derzeit keinen Rückgang gegenüber 2011, abgesehen von einem fünfprozentigen Minus im Mai. «Wir haben 85 Prozent Stammgäste», so Hörger, «und anstelle von bisherigen Private-Banking-Kunden haben wir nun einen leicht veränderten Gästemix.» Derzeit ist sein Hotel bei Touristen aus dem arabischen Raum sehr beliebt, unter anderem wegen des Fastenmonats Ramadan, der offenbar unterschiedliche Auswirkungen hat: Die einen Hotels verzeichnen zu Ramadan eine Zunahme arabischer Gäste, andere eine Abnahme.

Vor allem amerikanische Gäste sieht man gemäss Storchen-Direktor Arnold kaum noch in Zürcher Hotels. Sie würden bei ihrer Rückkehr aus einem Land wie der Schweiz an der Passkontrolle regelrecht schikaniert, vor allem Passagiere, die Business- Class fliegen.

Manfred Hörger vom «Savoy» sieht aber eine Vielzahl weiterer Faktoren für die punktuelle Abnahme von Logiernächten. Seine langjährige Erfahrung habe gezeigt, dass in amerikanischen Wahljahren weniger Geschäftsreisen unternommen würden: «Es herrscht eine gewisse Verunsicherung, bis bekannt ist, wer gewonnen hat.» Ebenfalls einen Einfluss haben laut Hörger die Olympischen Spiele in London: Wer nicht unbedingt innerhalb von oder nach Europa reisen müsse, warte bis nach den Spielen.

Sowohl im Hotel Storchen als auch im Savoy Baur en Ville hat der starke Franken offenbar geringen Einfluss auf die Gästezahlen. Jörg Arnold sagt sogar: «Der Eurokurs ist das kleinste Problem.» Und Manfred Hörger rechnet vor, dass die Zürcher Luxushotels im Vergleich zu London oder Paris noch immer «günstig» seien.

Weniger Städtereisende

Im «Marriott» vis-à-vis dem Platzspitz fällt der Rückgang der Reisetätigkeit von Private-Banking-Kunden kaum ins Gewicht, wie die Leiterin Verkauf und Marketing, Anna Wimann, sagt: «Wir haben ein anderes Kundensegment. Einen Rückgang spüren wir am meisten bei Privatreisenden.» So verzeichnet das «Marriott» dieses Jahr weniger Städtereisende aus Europa, bei den Businessreisenden sind die Logiernächte aber stabil. «Insgesamt sind unsere Erwartungen erfüllt», so Wimann.