Zürich
Links-Rechts-Graben: Ein Grundstück führt erneut zu Parteienstreit

Die Villa Winkelwiese befindet sich wieder im Besitz der Stadt, was Anlass zu neuen Streitigkeiten gibt: Die Frage, wie es mit dem Grundstück weitergehen soll, spaltet die Parteien erneut – wegen den gleichen Gründen wie vor acht Jahren.

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Seit 2008 brodelte es, weil die Stadt die Winkelwiese dem Millionär Frank Binder im Baurecht abgeben wollte.
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Die Ueberbauung mit der Hausnummer 10 an der Winkelwiese in Zuerich am Donnerstag, 25. September 2008.
Anwohner protestierten auch mit Plakaten.
Anwohner protestierten auch mit Plakaten.
villa winkelwiese

Seit 2008 brodelte es, weil die Stadt die Winkelwiese dem Millionär Frank Binder im Baurecht abgeben wollte.

Keystone

Am Mittwoch informierte die Stadt Zürich darüber, dass die Villa Winkelwiese, deren Bau auf das Jahr 1932 datiert ist, in ihren Besitz zurückgelangt ist. Der Baurechtsnehmer Frank Binder, der das Grundstück als Höchstbietender erworben und einen Neubau beabsichtigt hatte, zieht ins Ausland und hinterlässt die Stadt in einem Dilemma, an dem sich die Parteien bereits 2008 die Zähne ausgebissen hatten.

Denn nun wird der Streitpunkt, wie es mit der am Rande des Niederdorfs gelegenen Villa weitergehen soll, erneut diskutiert und bricht alte politische Gräben wieder auf. Die Parteien halten an denselben Argumenten fest wie schon vor acht Jahren: Linke wollen Genossenschaftswohnungen, die Rechte fordert Privatisierung.

Die Grünen, die sich 2008 unter anderen gegen das Villenprojekt gewehrt hatten, zeigen sich erleichtert darüber, dass das geplante Neubauprojekt Binders nicht zustande gekommen ist. Fraktionspräsidentin Karin Rykart erinnert im "Regionaljournal Zürich Schaffhausen" an den denkmalgeschützten Garten ums Haus herum: "Dieser sehr schöne Garten wäre zum Teil verschwunden." Nun müsse noch einmal überprüft werden, ob ein so starker Eingriff wirklich wünschenswert sei.

Privatisierung lockt starke Steuerzahler an

Auch ein öffentlicher Park zusammen mit der dort angrenzenden Quartierbevölkerung ist für die Linke denkbar, davon wollen die Bürgerlichen allerdings nichts wissen und pochen stattdessen auf die Vorteile einer Privatisierung, welche starke Steuerzahler in die Stadt locken würde. So äussert sich der Präsident der städtischen FDP Severin Pflüger: Die Villa eigne sich nicht für ein genossenschaftliches Bauprojekt. Mit einem Verkauf hingegen werde die Stadtkasse gefüllt und man könne so andere öffentliche Aufgaben erfüllen.

Auch SVP-Präsident Mauro Tuena will eine Privatisierung. "Das Volk hat zu diesem Modell schon einmal Ja gesagt", erklärt er gegenüber dem "Tagesanzeiger". Der Stadt würde durch Binders Absprung hohe Einnahmen entgehen.

Klar ist für den zuständigen Stadtrat Daniel Leupi bisher nur eines: Den holprigen Prozess mit Einsprachen und Fristverschiebungen, der vor acht Jahren begann, will er nicht noch einmal erleben: "Ich werde keinen Prozess einleiten, in dem wieder ein Meistbietender das ganze Areal für sich beanspruchen kann", sagt er im "Regionaljournal". Nun müsse erst einmal die Lage analysiert werden, bevor über das weitere Vorgehen diskutiert werden könne.