Am 22. August 2012 ist es auf dem Flughafen Zürich nach 16 Uhr beinahe zu einem Crash gekommen. Wie bereits in mehreren anderen Fällen kamen sich beim Pistenkreuz zwei Maschinen gefährlich nahe; diese Stelle gilt als möglicher Gefahrenherd, da wegen dieser Kreuzung zweier Pisten der Flugbetrieb komplexer und störungsanfälliger wird.

Im vorliegenden Fall, zu dem die Unfalluntersuchungsstelle Sust nun ihren Schlussbericht veröffentlicht hat, kam es aber nicht im normalen Flugbetrieb zur Beinahe-Kollision. Involviert war vielmehr aus ausserordentlicher Flug, sein sogenannter «Spezialflug»: Ein Pilot eines einmotorigen Privatflugzeuges war mit einem Fluglehrer auf einem Übungsflug. Er flog, wie am Tag zuvor mit der Flugsicherung vorbesprochen und vereinbart, mehrmals verschiedene Pisten des internationalen Zürcher Flughafens an, um darauf aufzusetzen und gleich wieder durchzustarten.

Gegen 16.15 Uhr setzte der Pilot zu einem solchen «Touch-and-Go» auf die Piste 16 in Richtung Süden an. Gleichzeitig startete eine Maschine der Fluggesellschaft Darwin mit Destination Genua auf der Piste 28 in Richtung Osten.

Es war eine Fehleinschätzung

Der zuständige Flugverkehrsleiter hatte die beiden Manöver bewilligt. Dieser Skyguide-Mitarbeiter habe die Situation falsch eingeschätzt, heisst es im nun vorliegenden Sust-Bericht. Er sei offenbar davon ausgegangen, dass sich das Kleinflugzeug an einer anderen Stelle befinde. «Ihm erschien die Situation als unkritisch.»
Die drohende Kollision konnte gerade noch abgewendet werden. Das Kleinflugzeug wurde schliesslich vom Flugverkehrsleiter angewiesen, als Ausweichmanöver eine enge Rechtskurve zu fliegen. Der Pilot der Linienmaschine, automatisch gewarnt, hob steiler als üblich in die Lüfte. Im Zeitpunkt der grössten Annäherung waren die Maschinen horizontal noch 205 Meter voneinander entfernt bei einem Höhenunterschied von etwa 25 Metern.

Als Ursache für die Fehleinschätzung gilt laut Sust auch eine mangelhafte Risikoeinschätzung der Flugsicherung. «Es fand ein aufwendiger Trainingsflug zu einem Zeitpunkt statt, als das Verkehrsaufkommen zunehmend und von mittlerer Komplexität war.» Im Unfallbericht hält die Sust auch fest, dass auf vielen Flughäfen, die mit Zürich vergleichbar seien, Schulflüge untersagt seien. Soweit soll es trotz des schweren Vorfalls nicht kommen: Als Sicherheitsempfehlung rät die Untersuchungsstelle, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt gemeinsam mit der Flugsicherung und dem Flughafen «Rahmenbedingungen zur sicheren Abwicklung von Spezialflügen festlegen oder wo nötig anpassen» soll.