Bezirksgericht Zürich
Limmattaler Pizzakurier als Millionenbetrüger verurteilt

Indem er preisgünstige Lastwagen verkaufte, die es nur auf Papier gab, brachte es ein Pizzakurier aus Oberengstringen zu Reichtum. Dieses und weitere Vergehen bringen den Hochstapler jetzt für drei Jahre Freiheitsstrafe.

Attila Szenogrady
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Der Angeklagte wäre besser im Pizza-Business geblieben. (Symbolbild)

Der Angeklagte wäre besser im Pizza-Business geblieben. (Symbolbild)

Keystone

Ein Limmattaler Pizzakurier hat mit dem Verkauf von erfundenen «Geisterlastwagen» rund eine Million Franken ertrogen. Zudem entwendete er mehrere Luxusfahrzeuge und erhielt nun dafür eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Sechs Monate davon muss er absitzen.

Der heute 31-jährige Pizzakurier aus Oberengstringen brachte es vor mehreren Jahren auch ohne Lottogewinn tatsächlich zum Millionär. Allerdings mit absolut widerrechtlichen Mitteln. Der Mazedonier, der am Mittwoch bescheiden mit Pullover und Jeanshosen vor Gericht erschien, gab sich früher als erfolgreicher Kaufmann und Inhaber einer Firma von Nutzfahrzeugen aus.

Alles erstunken und erlogen

Dabei bot der in der Schweiz aufgewachsene Mann ab Sommer 2007 auf dem Fahrzeugmarkt diverse preisgünstige Leasing-Lastwagen an. Die in Österreich beheimatete BTV-Leasing AG glaubte die Mär und überwies dem Beschuldigten für rund ein Dutzend LKWs innerhalb von einem halben Jahr in zwei Schritten über eine Million Franken. Dabei hatte sich der Beschuldigte als raffinierter Profibetrüger entpuppt. So hatte er die Käufer der frei erfundenen und nicht existenten «Geisterlastwagen» mittels Totalfälschungen über Bilanzen und mit getürkten Erfolgsrechnungen getäuscht. Ein Komplize hatte als geschickter Schauspieler die Geschädigten zusätzlich in die Irre geführt. So wurden die Kunden mit nicht vorhandenen Chassisnummern der fiktiven Fahrzeuge beliefert. Die betrogene Firma bemerkte zu spät, dass alles erstunken und erlogen war.

Auch Luxusfahrzeug entwendet

Wesentlich plumper ging der Betrüger im Sommer 2009 vor. Damals entwendete er aus mehreren Garagen aus dem Grossraum Zürich diverse Luxusfahrzeuge der Marken Porsche, Bentley und Mercedes Benz. Dabei wurden rund ein halbes Dutzend der Luxuskarossen für über eine halbe Million Franken von Mittätern nach Ungarn transportiert und sollten dort für Billigpreise verhökert werden. Dazu kam es nicht mehr, da die ungarischen Mittelsmänner im Burgenland rechtzeitig verhaftet werden konnten.

Hohe kriminelle Energie

Der im Januar 2010 festgenommene Oberengstringer verbrachte 274 Tage in Untersuchungshaft und musste sich am Mittwoch wegen gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfachen Betrugs, Urkundenfälschungen und weiteren Delikten vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Dank eines umfassenden Geständnisses und einer langen Verfahrensdauer kam er mit einer verhältnismässig milden und teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren davon. Sechs Monate davon soll er absitzen.

Der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli sprach angesichts des hohen Deliktsbetrages von insgesamt 1,67 Millionen Franken von einer hohen kriminellen Energie des Limmattaler Beschuldigten.

Der ebenfalls geständige Mittäter kam als Mitläufer mit einer bedingten Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 100 Franken wesentlich milder davon. Der hauptbeschuldigte Pizza-Kurier nahm das Verdikt erstaunlich gleichmütig entgegen. So droht ihm als Mazedonier bei Rechtskraft des Urteils die Ausschaffung aus der Schweiz. Zudem wurde er verpflichtet, einen Grossteil des Schadens zurückzuerstatten.