Bezirksgericht Zürich
Limmattaler Aussendienstmitarbeiter verkauft literweise K.-o.-Tropfen

Ein Limmattaler Aussendienstmitarbeiter führte innerhalb eines Jahres 50 Liter Gamma-Butyrolacton (GBL) in die Schweiz ein und setzte einen grossen Teil gewinnbringend ab. Die Flüssigkeit ist eine der Substanzen, die als K.-o.-Tropfen eingesetzt werden. Hinzu kam der illegale Verkauf von Viagra und Ketaminen. Dank umfassenden Geständnissen kam der Kokainkonsument mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten davon.

Attila Szenogrady
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K.o-Tropfen oder GHB in Röhrchen. (Archiv)

K.o-Tropfen oder GHB in Röhrchen. (Archiv)

Keystone

Der heute 44-jährige Beschuldigte ist verantwortlich für den grössten bisher aufgeflogenen Fall von K.-o.-Tropfen-Verkauf im Limmattal. Als die Drogenfahnder den Aussendienstmitarbeiter im Januar 2015 festnahmen, stellten sie an seinem Wohnort gleich mehrere Kanister mit je rund 15 Litern der sogenannten «Vergewaltigungsdroge» GBL sicher. Hinzu kamen rund 1000 Potenzpillen der Marke Viagra und rund 150 Ampullen der Psychodroge Ketamin. Die Polizei beschlagnahmte ebenfalls zwei Gramm Kokain, die der deutsche Staatsangehörige allerdings nur für den Eigenkonsum verwendete.

Der erwischte Limmattaler legte gestern am Bezirksgericht Zürich schnell ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte er zwischen Januar 2014 bis zu seiner Verhaftung auf einer polnischen Internetseite rund 50 Liter GBL bestellt, gekauft und danach über Deutschland mit seinem Auto in die Schweiz eingeführt. Anschliessend füllte er einen Teil der K.-o.-Tropfen in Fläschchen von je 100 Millilitern ab und verkaufte sie zum Preis von 100 Franken pro Stück gewinnbringend weiter.

Der Handel lief gut an, da er mit dem Verkauf von rund 35 Litern der der Substanz einen satten Gewinn von insgesamt 33 000 Franken erzielte.

Der Täter betätigte sich aber nicht nur als GBL-Dealer, sondern verstiess auch gegen das Heilmittelgesetz, indem er rund 3500 Potenzmittel der Marke Viagra importierte und für rund 17 500 Franken illegal in der Schwulenszene absetzte. Hinzu kam der Verkauf von
15 Ampullen der Psychodroge Ketamin für rund 300 Franken.

«Ich bin wegen falschen Freunden ins kriminelle Fahrwasser geraten», sagte der geständige Beschuldigte vor dem Richter in Zürich aus. Heute bereue er aber alles, versicherte er. «Der Ärger, den ich hatte, rechnet sich gar nicht», blickte er im Rahmen eines abgekürzten Gerichtsverfahrens zurück. Was bedeutete, dass sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung bereits vor dem Prozess auf einen Urteilsvorschlag geeinigt hatten.

Teure Nebenfolgen

Das Gericht segnete zum Schluss das Verdikt ab und verurteilte den Beschuldigten wegen gewerbsmässigen Drogenhandels, Vergehen gegen das Heilmittelgesetz sowie Drogenkonsum zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten und zu einer Busse von 5000 Franken. Verbunden mit weiteren teuren Nebenfolgen: So soll er aus dem unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil dem Kanton eine Ersatzforderung von rund 20 000 Franken bezahlen. Hinzu gesellen sich die Beschlagnahme von 1500 Franken sowie die Auferlegung der Verfahrens- und Gerichtskosten von rund 3000 Franken. Die 15 Liter eingezogenen K.-o.-Tropfen und die Potenzpillen sollen von der Lagerbehörde vernichtet werden.

Das Gericht sprach von einem angemessenen Entscheid, da der Beschuldigte heute einer legalen Arbeit nachgehe. Ausserdem sei er geständig und einsichtig. Deshalb ging es von einer günstigen Prognose aus und legte die Probezeit auf zwei Jahre fest.