Urdorf

Limmattal Wings fliegen jetzt in Dielsdorf über das Eis: sie haben eine neue Heimat gefunden

Gute Laune und gute Resultate: Der HC Limmattal Wings steht derzeit in der Gruppe 2 der 4. Liga noch ohne Niederlage da.

Gute Laune und gute Resultate: Der HC Limmattal Wings steht derzeit in der Gruppe 2 der 4. Liga noch ohne Niederlage da.

Die 4.-Liga-Eishockeyaner haben nach dem abrupten Ende in Urdorf eine neue sportliche Heimat gefunden.

Zugegeben: Die Plausch-Eishockeyaner der Limmattal Wings als «bunter Haufen» zu bezeichnen, ist ein wenig despektierlich. Aber es entspricht halt ziemlich genau der Wahrheit. Wer seit Jahrzehnten eine Mannschaft stellt – früher noch als EHC Dietikon –, obwohl er weder eine eigene Eisfläche noch ein Vereinslokal hat und zudem keine Nachwuchsmannschaft unterhält, wer Spieler im Kader hat, die altersmässig jenseits der 50er-Grenze liegen und dennoch mit Herzblut bei der Sache sind, der gehört zweifellos in die genannte Kategorie.
Von Rückschlägen lassen sich Coach Mike Weiss und seine Truppe nicht entmutigen – im Gegenteil! 2015 stiegen sie aus der 3. Liga ab, seither spielen sie halt in der 4. Liga, kein Problem. Jahrelang genossen sie auf der Eisbahn Tägerhard in Wettingen Gastrecht, doch als dort die Umbauarbeiten begannen, kamen die Wings in Urdorf auf der Weihermatt unter. Aber dort wollte man sie nach der vergangenen Saison nicht mehr. «Man habe keinen Platz mehr für uns, wurde uns beschieden», so Lorenz Bertschmann.

Bemerkenswert: Bertsch-mann sass bis im vergangenen Frühling als Sportchef im Vorstand des EHC Urdorf. Nach der dortigen Neusortierung des Vorstands – unter anderem übernahm Daniel Bucher das Präsidentenamt von Thomas Leimgruber (die Limmattaler Zeitung berichtete) – zog sich Bertschmann aus dem Vorstand der «Stiere» zurück – und siehe da, die Limmattal Wings mussten in Urdorf die Taschen packen. Besteht da ein Zusammenhang mit der Personalie Bertschmann? Der Angesprochene, der als junger Eishockeyaner in den 1980er-Jahren im 1.-LigaKader des EHC Urdorf stand, sagt es diplomatisch: «Wir haben nach wie vor ein gutes Verhältnis zu Urdorf.»

Schön und gut, aber wo sollten die Limmattal Wings künftig ihre Trainings und Spiele abhalten? Die Lösung war relativ schnell gefunden. Weil Bertschmann und Co. gute Beziehungen zu Günter Waritsch unterhalten, dem Herr über die Eisvermietung auf der Dielsdorfer Anlage Erlen, kamen die Limmattaler (Bertschmann: «Wir haben unseren Vereinssitz immer noch in Dietikon») im Nachbarbezirk unter. Coach Mike Weiss: «Wir strebten eigentlich eine Annäherung zwischen unserem Klub und dem EHCU an. Aber jetzt ist die Situation eben so, wie sie ist.»

Das Eis in Wettingen wäre jetzt zu teuer

Mitte November wird die Erneuerung des Wettinger Tägerhards abgeschlossen sein. Kehren die Dietiker dann wieder ins Aargauer Limmattal zurück? «Nein, das können wir uns nicht leisten», sagt Bertschmann. Ein Beispiel: Ein Spiel in Dielsdorf auszutragen, koste den Verein laut Bertschmann 300 Franken. Ein Spiel in Wettingen würde über das Doppelte kosten. Es gehe jedoch nicht nur um den finanziellen Aspekt. «Uns gefällt es in Dielsdorf, wir fühlen uns hier wohl und akzeptiert», lobt Bertschmann.

Sportlich backen die Limmattaler kleine Brötchen. In der fünften Saison nach dem Abstieg in die 4. Liga stehen sie in ihrer Meisterschaftsgruppe noch ohne Niederlage da: 5:4-Sieg nach Verlängerung gegen Luzern II und 11:5-Sieg gegen Seetal II. «Einen Aufstieg streben wir dennoch nicht an. Wir wollen eine schöne, lässige Saison spielen und am Ende in den ersten drei Positionen rangiert sein», sagt Klub-Präsident und Coach Weiss. Einen kleinen Dämpfer gabs am vergangenen Wochenende im Cup. Gegen das 2.-Liga-Team des HC Seetal setzt es eine 2:12-Niederlage ab. «Nach 30 Minuten lagen wir nur mit 2:3 zurück. Doch dann haben uns die Kräfte verlassen», rapportiert Bertschmann, «wir hatten nur zehn Spieler dabei.» Spass habe das Ganze dennoch gemacht. Eben: ein bunter Haufen.
An diesem Wochenende können die tapferen Eishockeyaner ihre Beine hochlegen. Der nächste Ernstkampf folgt am Sonntag, 10. November, mit dem Heimspiel in Dielsdorf gegen den EHC Uri.

Erinnerungen an grosse Revierderbys in Urdorf

Entstanden waren die Limmattal Wings vor 12 Jahren aus einer Fusion der Vereine Dietikon, Birmensdorf und Kleindöttingen. Sie leben seit vielen Jahren von denselben Akteuren. Leute wie Weiss, Hruby oder auch der 53-jährige Bertschmann halten immer noch die Knochen hin. «Es geht nicht anders, wir müssen eben spielen», sagt Bertschmann schmunzelnd.
In früheren Jahren lieferten sich die Wings noch erbitterte 3.-Liga-Revierderbys gegen Urdorf. Ein denkwürdiges fand auf der Weihermatt Anfang Dezember 2012 statt. Bei sage und schreibe 12 Grad minus gewann Urdorf nach spektakulären 60 Minuten mit 9:4.
Sieben Jahre vorher gabs auch einiges zu sehen. Damals hiessen die Wings noch EHC Dietikon und hatten einen Keeper namens Thomas Leimgruber zwischen den Pfosten. Weil die «Stiere» monierten, Leimgrubers Schoner seien nicht regelkonform, stürmte dieser wutentbrannt ins Speakerhäuschen und liess seinen Ärger am verdatterten Hermann «The Voice» Ritsch aus. Der Rest ist Geschichte: Thomas Leimgruber übernahm später das Präsidentenamt bei seinem Stammverein EHC Urdorf.

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