Scharf links stehen die Nachbarn des Limmat Verlags im Zürcher Industriequartier. Die GSoA hat hier ihr Büro, ebenso die sozialistische Zeitschrift "Widerspruch", und auch die Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung ist im selben Haus untergebracht.

Ein Dokumentenband von jungen Historikern zur Geschichte der Arbeiterbewegung spielte auch eine zentrale Rolle bei der Gründung des Limmat Verlags im März 1975. Nachdem eine Publikation bei zwei Verlagen gescheitert war, sagte sich das Autorenkollektiv: Dann machen wir es halt selber.

Der Verkaufserfolg des Bandes motivierte die Initianten zum Weitermachen. Mit Sachbüchern zu historischen und gesellschaftlichen Themen füllte der neu gegründete Limmat Verlag eine Nische, wie Jürg Zimmerli, Gründungsmitglied und heutiger Co-Leiter, erklärt.

Der rebellische junge Verlag, der pointierte Texte von Adolf Muschg, Jürg Frischknecht oder Niklaus Meienberg verlegte, wurde von den etablierten Zürcher Buchhandlungen noch lange geschnitten. "Eine Buchhandlung an der Bahnhofstrasse weigerte sich sogar einmal, auf Anfrage einer Kundin ein Buch von uns zu bestellen", erzählt Zimmerli heute lachend.

Schrittweise Öffnung

Zunächst war der Limmat Verlag strikt genossenschaftlich organisiert, die Arbeit unbezahlt. Anfang der 80er Jahre transformierte sich der Hobbyverlag nach internen Auseinandersetzungen in ein professionelles Unternehmen. So konnte die Produktion gesteigert werden.

Schon früh kam auch Belletristik ins Programm. Das erste Buch war Emil Zopfis Roman "Jede Minute kostet 33 Franken". Der Limmat Verlag war zunächst der engagierten Literatur verpflichtet. Doch die Autoren entwickelten sich, und so erfuhr auch das Verlagsprofil eine Öffnung, politisch wie formal.

So kam auch die Lyrik ins Programm, etwa mit dem Tessiner Alberto Nessi. Das bis heute meistverkaufte Buch des Limmat Verlags ist ironischerweise eines, hinter dem die Verleger ideell nicht wirklich stehen konnten, nämlich die 1982 auf deutsch erschienenen Erinnerungen der Walliser Hebamme Adeline Favre, die sich explizit gegen Empfängnisverhütung und Abtreibung aussprach.

Doch gerade auf solche "Spitzentitel" ist der Verlag, der heute von einer kleinen "Freundes-Aktiengesellschaft" getragen wird, dringend angewiesen, denn die wenigsten Bücher vermögen sich durch den Verkaufserlös zu finanzieren. Daher spielen in Zimmerlis Kalkulationen Zuschüsse, etwa von Stiftungen und staatlichen Institutionen, eine wichtige Rolle.

"Noch fixer, noch flexibler, noch effizienter werden"

Von der Politik erwartet Zimmerli indessen keine nennenswerte Hilfe. "Mit der Aufgabe der Preisbindung hat das Übel angefangen", sagt er. Die Aufgabe der Euro-Franken-Bindung verschärfe nun den Preisdruck massiv. Die Verlagsförderung des Bundes, die gegenwärtig diskutiert wird, werde viel zu gering ausfallen, um etwas zu ändern.

Wie reagiert der Limmat Verlag, der heute fünf Personen beschäftigt, also selbst auf die Preiskrise? "Wir müssen halt noch fixer, noch flexibler und noch effizienter werden", sagt Zimmerli. Und vor allem gelte es, beim Kalkulieren von Buchprojekten immer vorsichtig zu bleiben.

Wäre Zimmerli heute noch einmal für eine Verlagsneugründung zu haben? "Sehr schwierig...", antwortet er langsam. Es brauche grosse Netzwerke und viel Erfahrung, die man nicht von heute auf morgen gewinne.

Auch die Nachfolge, die er gegenwärtig sucht, muss dies vorweisen können, und dazu ein hochgradiges Engagement. Gratis wird sie indessen nicht ganz arbeiten müssen.