Üetliberg
Lichterlöschen: Auf dem Üetliberg wird es früher dunkel

Der Turmauf dem Zürcher Hausberg darf nach 22 Uhr nicht mehr beleuchtet werden. Zum Schutz der nachtaktiven Tiere.

Oliver Graf
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Am Tag ist der Üetliberg-Turm gut zu sehen: Ab 22 Uhr müssen die weissen LED-Leuchten an den Eckpfeilern aber aus sein.key

Am Tag ist der Üetliberg-Turm gut zu sehen: Ab 22 Uhr müssen die weissen LED-Leuchten an den Eckpfeilern aber aus sein.key

KEYSTONE

Der Zürcher Hausberg wirbt in Nebelzeiten mit dem Slogan «Üetliberg hell». Nun wird es auf dem 869 Meter über Meer gelegenen Hügel früher dunkel: Der Aussichtsturm darf ab 22 Uhr nicht mehr beleuchtet werden. Die neun Bodenleuchten, die auf einem Felsvorsprung Bäume anstrahlen, dürfen gar nicht mehr verwendet werden. Und wenn die Üetlibergbahn ihren Betrieb einstellt, müssen um 0.15 Uhr auch weitere Lichter gelöscht werden (etwa Zufahrt Hotel, Hotelfassade).

Diese «vorsorglichen Massnahmen» hat das Zürcher Baurekursgericht verfügt. Sie gelten ab sofort, einem Rekurs soll keine aufschiebende Wirkung zukommen. Das Gericht verweist darauf, dass «die Beleuchtung um das Hotel Uto Kulm und den Aussichtsturm auf dem Gipfel des Üetlibergs seit dem Jahr 2006 Gegenstand eines nachträglichen Baubewilligungsverfahrens bildet». Das Baurekursgericht erwartet «keinen baldigen Endentscheid» – denn nach verschiedenen Überarbeitungen des Gesuchs ist erst im April dieses Jahres die eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission mit einer neuen Beleuchtungs-Begutachtung beauftragt worden. Es kann also noch etwas dauern. Doch weiteres Zuwarten geht nicht an, glaubt das Baurekursgericht, das am 1. September und am 3. November zweimal unangekündigt einen nächtlichen Augenschein vorgenommen hat.

Die Bau- und Planungskommission der Standortgemeinde Stallikon hatte noch keinen Bedarf für Lichtbeschränkungen auf dem Üetliberg gesehen. Der Turm sei einerseits das Wahrzeichen des Hügels, er diene andererseits als Werbeträger. Dass er auch des Nachts zu sehen sei, liege deshalb sowohl im öffentlichen Interesse der Bevölkerung als auch im privaten Interesse der Hotel- und Restaurantbetreiberin. Zudem sei die Turm- und Baumbeleuchtung notwendig, um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten.

Das Baurekursgericht sieht es anders; es hat der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und dem WWF Zürich Recht gegeben. Es verweist darauf, dass die Lichtverschmutzung generell zugenommen habe, dass die Nachtdunkelheit abnehme. Dies sei gerade für nachtaktive Tiere eine Gefahr. Unnötige Lichtemissionen seien zu vermeiden, hat das Bundesgericht schon 2013 in einem Leitentscheid festgehalten.

Für unnötig befindet das Baurekursgericht unter anderem die späte Turmbeleuchtung. Die 45 grossen, runden LED-Leuchten, die in regelmässigen Abständen an den Eckmasten bis zu einer Höhe von 50 Metern montiert sind, «treten wie drei übergrosse, an der Spitze des Turms zusammenlaufende gerade Lichtgirlanden in Erscheinung, die auffällig in den Nachthimmel strahlen». Die kantonale Baudirektion habe deshalb 2011 zutreffend festgehalten, dass die Turmbeleuchtung bei Nacht aus der Ferne «das Bild einer Festtagsbeleuchtung» vermittle, hält das Gericht im Urteil fest. Da die Treppen dezent vom Turminneren her beleuchtet seien, könne ab 22 Uhr gefahrlos auf die Aussenbeleuchtung verzichtet werden. (og)