Ziel der Initiative sei es, die Einführung der zweiten Fremdsprache besser zu staffeln und diese mit hoher Lektionendichte erst auf der Oberstufe einzuführen, hiess es an der Medienkonferenz. Welche Fremdsprache an der Primarschule unterrichtet werden soll, lässt die Initiative offen. Ob Französisch oder Englisch gestrichen würde, müsste der Regierungsrat entscheiden.

Aufgegleist hat die Fremdspracheninitiative eine Gruppierung von Lehrern um den ehemaligen SVP-Kantonsrat und Bildungsrat Hanspeter Amstutz. Unterstützt wird das Begehren von den bildungspolitisch konservativen Gruppierungen Zürcher Kantonale Mittelstufe (ZKM), Forum Kindgerechte Schule und der Gruppe Schule mit Zukunft.

Letztere hat 2006 im Kanton Zürich eine Abstimmung über das Frühfranzösisch erzwungen. Damals sprachen sich 60 Prozent der Stimmenden für Französisch an der Primarschule aus. Heute wird an den Zürcher Primarschulen Englisch ab der zweiten Klasse und Französisch ab der fünften Klasse unterrichtet.

Das Komitee hofft, dass es bis zum Start der Unterschriftensammlung den Kreis der Unterstützer erweitern kann. "Wir sind bemüht, auch den Zürcher Lehrerverband (ZLV) mit ins Boot zu holen", sagte Werner Wunderli von der Gruppe Schule mit Zukunft. Auch mit Parteien werde das Gespräch gesucht.

"Reine Zeitverschwendung"

Nach Ansicht des Initiativkomitees gelingt frühes Sprachenlernen nur unter ganz spezifischen Voraussetzungen. Und diese könne die Primarschule bei einem noch vertretbaren Aufwand nicht bieten, sagte Kurt Willi vom ZKM.

Zwei Lektionen Fremdsprachenunterricht auf Primarstufe seien "reine Zeitverschwendung". Weniger sprachbegabte Schülerinnen und Schüler kämen auf keinen grünen Zweig. "Sie verlieren die Freude am Sprachenlernen und sind schon vor dem Übertritt in die Oberstufe frustriert."

Bestärkt fühlt sich das Initiativkomitee auch durch eine Umfrage des ZLV. Bei dieser hätten sich rund 80 Prozent der rund 1200 Lehrkräfte für nur eine Fremdsprache in der Primarschule ausgesprochen, sagte Willi.

Erfolg wird überschätzt

Untersuchungen zeigten, dass der frühe Fremdsprachenunterricht, wie er heute stattfindet, nur sehr bescheidene Resultate bringe. Der Erfolg stehe in keinem Verhältnis zum geleisteten pädagogischen und finanziellen Aufwand, sagte Amstutz.

Seiner Ansicht nach muss der Bildungsauftrag der Primarschule genau unter die Lupe genommen werden. Die Rahmenbedingungen stimmten heute nicht mehr. Mit Fremdsprachenunterricht in Naturkunde und Geografie werde höchstens erreicht, dass der differenzierte Sachunterricht erheblich an Substanz verliere und die Deutschförderung zu kurz komme.

Mehr Stress bei den SchülernIn ihrer Meinung bestärkt wurden die Initianten durch den Kinder-, Jugend- und Schularzt Hannes Geiges aus Rüti. "Je früher desto besser" gelte beim Fremdsprachenunterricht in der Primarschule nicht, stellte dieser an der Medienkonferenz fest.

"Lektionen von zwei mal 40 Minuten bringen nichts Positives, sondern Minderwertigkeitsgefühle, Frustration und Überforderung bei jenen, die weniger sprachbegabt sind", betonte Geiges. Dass die psychischen Probleme und der Stress bei Schülern zugenommen haben, ist seiner Meinung nach auch eine Folge des Fremdsprachenunterrichts.

Eine ähnliche Initiative, wie sie nun im Kanton Zürich geplant ist, kommt im Kanton Nidwalden zur Abstimmung. Dort entscheiden die Stimmberechtigten am 8. März darüber, ob die Primarschüler neben Englisch weiterhin Französisch lernen sollen.