Die Lage in Sachen Lehrermangel entspannt sich zusehends. Dies zeigen die Zahlen, die das Volksschulamt (VSA) gestern veröffentlicht hat. Dennoch waren die letzten Monaten für Amtschef Martin Wendelspiess eine Zitterpartie. Besonders Stellen in den Bereichen Heilpädagogik und Sekundarschule seien sehr schwierig zu besetzen gewesen, sagt er rückblickend.

Dass besonders viele Sekundarlehrer fehlen, hat nicht nur mit Abgängen an den Schulen zu tun, sondern auch damit, dass von der pädagogischen Hochschule zu wenig Nachwuchslehrer auf den Markt kommen. Ein Blick in die massgeblichen Statistiken zeigt: Gerade bei den angehenden Seklehrern ist die Abschlussquote an der PH Zürich ausgesprochen tief. Von jenen, die zwischen Frühling 2003 und Herbst 2006 das Seklehrerstudium angefangen haben, haben nicht einmal 60 Prozent das Studium in der Mindeststudienzeit von 9 Semestern absolviert.

In absoluten Zahlen heisst das: 804 Einschreibungen stehen nur gerade 471 Abschlüssen gegenüber. 333 Studierende – oder 42 Prozent – haben das Studium gar nicht angetreten, sind auf halbem Weg stecken geblieben oder haben es ganz abgebrochen. Zum Vergleich: Bei den angehenden Primarlehrern beträgt die Abschlussquote der letzten fünf Jahre im Schnitt über 82 Prozent.

Arbeiten statt studieren

Der zuständige Prorektor, Hans-Jürg Keller, weiss um die grosse Diskrepanz bei den Seklehrern. Man dürfe die Zahlen aber nicht so interpretieren, dass vierzig Prozent der Studenten ihr Studium nicht zu Ende brächten. Rund die Hälfte dieser 40 Prozent seien Studierende, die ihr Studium einfach nicht in der Mindeststudienzeit absolvierten, aber dann mit einem oder mehreren Semestern Verspätung doch noch abschliessen würden. Gerade der Lehrermangel verursache längere Studienzeiten, sagt Keller. Da an Sekundarschulen ausgebildete Lehrer fehlen, springen immer mehr Studierende ein und übernehmen «zum Teil sehr grossen Pensen». Im Gegenzug müssen sie beim Studium Abstriche machen. Grundsätzlich findet es Keller gut, wenn Studierende schon Erfahrungen im Schulzimmer sammeln können. Er ist aber der Meinung, sie sollten erst nach dem Bachelorstudium Teilpensen übernehmen. Sonst würden sie sich schon in den ersten drei Jahren zwischen Beruf und Studium verzetteln.

20 Prozent brechen ab

Dennoch bleiben unter dem Strich noch 20 Prozent der Studierenden, die ihr Studium früher oder später ganz hinschmeissen. Und das gilt für angehende Primar- und Sekundarlehrer gleichermassen. Drei Viertel brechen freiwillig ab, und zwar meist schon innerhalb der ersten acht Monate. Die übrigen müssen die PH verlassen, weil sie die Anforderungen nicht erfüllen. Verglichen mit anderen pädagogischen Hochschulen sind diese 20 Prozent eine hohe Zahl. An der PH Thurgau in Kreuzlingen liegt der Anteil jener, die die Lehrerausbildung an den Nagel hängen, bei rund 15 Prozent. An der kleinen PH Schaffhausen sind es sogar nur 11 Prozent. Beide Zahlen gelten allerdings nur für Studiengänge der Vorschul- und Primarstufe.

Ungeeignete würden aussortiert

Für Keller ist die hohe Ausstiegsrate in Zürich ein Ausdruck der Konkurrenzsituation. Keine 100Meter von der PH entfernt befinden sich Universität und ETH, die, so Keller, «das vielfältigste Ausbildungsangebot schweizweit offerieren». VSA-Chef Wendelspiess glaubt zudem, dass die kleinen Hochschulen Studierende enger betreuen könnten. So sei es einfacher, Unzufriedenheiten zu spüren und aufzufangen, bevor jemand das Studium frustriert aufgibt. Um die Zahl der Aussteiger zu senken, setzt Prorektor Keller vor allem auf gute Information. So will er verhindern, dass sich Leute anmelden, die sich etwas Falsches unter dem Studium vorstellen. «Die Anforderungen will ich nicht senken», sagt er. Wendelspiess findet sogar, eine gewisse Aussteigerquote sei gut. Sie belege, dass trotz Lehrermangel die Ungeeigneten aussortiert würden.