Bülach

Lehrer wollte mit Kind onanieren – aber das Kind war ein Kantonspolizist

Der Prozess am Bezirksgericht Bülach findet nächste Woche statt.

Der Prozess am Bezirksgericht Bülach findet nächste Woche statt.

Ein 47-jähriger Primarlehrer muss sich wegen versuchter sexueller Handlungen mit Kindern vor dem Bezirksgericht verantworten.

Alles begann auf der Chatplattform Purplemoon, einem Treffpunkt für Lesben, Schwule und Bisexuelle. Dort lernte der Beschuldigte den 13-jährigen User «Lars» kennen. Die beiden chatteten danach über Skype. Was der Primarlehrer nicht wusste: «Lars» war ein verdeckter Ermittler der Kantonspolizei Bern.

Der Beschuldigte fragte «Lars» im Chat mehrmals, ob er mit ihm zusammen «wixen» würde. Dazu machte er den Vorschlag, dabei gleichzeitig zum Orgasmus zu kommen. Der vermeintlich 13-Jährige willigte ein, sodass sie dies an verschiedenen Tagen wiederholten. In der Anklageschrift heisst es: «Der Beschuldigte handelte bei seinem Vorgehen im Bewusstsein, dass Lars 13 Jahre alt ist.» Heisst: Das Kind hat sich zu dieser Zeit noch im Schutzalter befunden.

Der Primarlehrer führte bei Skype ähnliche Unterhaltungen mit zwei weiteren, mutmasslich minderjährigen Usern. Dabei handelte es sich aber nicht um verdeckte Ermittler der Polizei, wie es bei «Lars» der Fall gewesen ist. Da die Identität der beiden anderen Knaben nicht nachgewiesen werden kann, geht die Staatsanwaltschaft zugunsten des Beschuldigten davon aus, dass ältere Leute hinter diesen Profilen stecken könnten. Trotzdem habe er sich der mehrfach versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern sowie der mehrfach versuchten Pornografie strafbar gemacht. Die Staatsanwaltschaft fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 8 Monaten sowie eine Busse von 3600 Franken. Der Lehrer dürfte sich aber vor allem vor der Anordnung eines Berufs- und Tätigkeitsverbots fürchten. Spricht das Gericht ein solches aus, wird dem Beschuldigten während mehrerer Jahre jede berufliche und organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, untersagt.

Ähnlicher Fall in St. Gallen

Auf der Website der Schule ist der Beschuldigte nicht mehr unter den Lehrpersonen aufgeführt. Der Prozess findet nächste Woche in Bülach statt.

Im Januar sorgte schon ein St. Galler Kantonsrat für Aufsehen. Gegen diesen Politiker, ausgebildeten Lehrer und Unternehmer wurde Strafbefehl erlassen und eine Busse ausgesprochen. Er wurde wegen versuchter sexueller Handlungen mit Kindern sowie illegaler Pornografie verurteilt. Der Fall hat viele Gemeinsamkeiten mit jenem, der bald am Bezirksgericht Bülach verhandelt wird. So hatte der nun zurückgetretene Kantonsrat laut eigenen Aussagen Kontakt zu minderjährigen Frauen im Netz. Dabei habe er intime Bilder verschickt. Einer der drei Kontakte habe sich schliesslich als verdeckter Ermittler der Polizei zu erkennen gegeben.

Wie kann es so weit kommen? Thomas Knecht, forensischer Psychiater am Psychiatrischen Zentrum Appenzell Ausserrhoden in Herisau, sagte gegenüber dem St. Galler Tagblatt: «Erstens muss ein starker Trieb vorhanden sein. Zweitens spielt das Internet eine grosse Rolle; solche Täter fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden oft unangreifbar. Und drittens muss eine Risikobereitschaft vorhanden sein.»

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