Zürich

Lehrer sollen zwei Stunden pro Woche weniger Arbeiten

Um die Lehrkräfte zu entlasten, soll nun eine Reduktion der wöchentlichen Lektionen diskutiert werden.

Um die Lehrkräfte zu entlasten, soll nun eine Reduktion der wöchentlichen Lektionen diskutiert werden.

Die Arbeitslast im Schulbereich ist hoch. Nun steht fest, wie die Zürcher Bildungsdirektion für Entlastung sorgen will. Kosten darf diese aber nichts, deshalb müssen andere Opfer gebracht werden.

Die Umsetzung des neuen Zürcher Volksschulgesetzes bereitet – das bestreitet heute kaum noch jemand – zahlreiche Probleme. «Ein Plan ist eben noch kein Haus», erklärte Bildungsdirektorin Regine Aeppli am Freitag vor den Medien. «Wenn dieses dann steht, entdeckt man da und dort Mängel, die behoben werden müssen.»

Zu diesem Zweck hat sie vor Jahresfrist die Projektgruppe «Belastung – Entlastung im Schulfeld» einberufen. An diesem runden Tisch nahmen die Verbände der Lehrerschaft, der Schulleiter und der Schulverwaltungen ebenso Platz wie solche der Schulsynode und der Pädogogischen Hochschule.

Die Gruppe sollte Entlastungsmassnahmen erarbeiten – mit der einzigen Auflage, dass diese keine Kosten verursachen dürfen.

«Wunder dauern etwas länger»

Der Schlussbericht wurde Mitte Juli der Bildungsdirektion übergeben und enthält bildungspolitischen Zündstoff. Dies gilt vor allem für die zentrale Forderung, die Schullektionen um zwei pro Woche zu reduzieren. «Dieser Verzicht ist schmerzhaft, aus Sicht der beteiligten Partner aber unumgänglich», erklärte Projektleiter Beat Bucher.

Im Bericht wird festgehalten, dass die zeitliche Belastung insbesondere der Klassenlehrer in den letzten Jahren deutlich zugenommen habe. Wie Jürg Maag, Präsident der Lehrpersonenkonferenz, ausführte, sind die Klassen heterogener geworden, die Lehrer müssen mehr Erziehungsarbeit leisten und sich öfter um Kontakte zu den Eltern kümmern.

Man habe sich deshalb für das kleinere von zwei Übeln entschieden: «Die grosse Belastung greift die Unterrichtsqualität stärker an als eine Reduktion der Lektionen.»

Dieser Abbau ist zwar nur eine aus einer ganzen Palette von Massnahmen (siehe Kasten), doch dürfte er am meisten zu reden geben. Dies sieht auch Aeppli so. Und sie ist klar der Meinung, dass eine Reduktion der Unterrichtsqualität nicht akzeptabel sei.

Müsste der Kanton jedoch zusätzliches Personal für diese zwei Wochenstunden einstellen, würde dies 80Millionen Franken pro Jahr kosten. Ein solcher Kostenzuwachs sei momentan unrealistisch. «Wir wissen alle: Wunder dauern etwas länger.»

Nicht alles ist administrativ

Aeppli lobte die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten – es sei eine gute Gesprächskultur geschaffen worden, die man nun beihalten müsse. Die Bildungsdirektion sei bereit, die vorgeschlagenen Massnahmen anzupacken.

Der Abbau von Schulstunden oder die Reduktion der Anzahl Zeugnisse bedürfe aber einer breiten gesellschaftlichen und vor allem politischen Diskussion. Anderes könne rascher umgesetzt werden. So etwa die Reduktion der Anzahl Lehrpersonen pro Klasse, die Vereinfachung der Personalbeurteilung oder ein Abbau des immer wieder beklagten administrativen Aufwands.

Gerade bei diesem Thema kam die Projektgruppe allerdings zu überraschenden Resultaten. So musste sie feststellen, dass viele Lehrpersonen das Korrigieren von Prüfungen oder das Führen von Elterngesprächen als «administrativen Aufwand» betrachten. Mit dieser Sichtweise ist Aeppli nicht einverstanden: «Solche Arbeiten gehören seit jeher zum Kerngeschäft des Lehrerberufs.»

Ausserdem wird im Bericht festgehalten, dass für viele Formulare und zeitraubende Evaluationen gar nicht die Bildungsdirektion verantwortlich gemacht werden könne: Der Löwenanteil dieser Aufgaben stammt aus der Küche der Gemeinden und Schulleitungen.

Stabilität schaffen

Die Bildungsdirektorin liess durchblicken, dass sie die Aufgaben zwar anpacken wolle. Gleichzeitig sei es ihr aber auch ein grosses Anliegen, nach zahlreichen Reformen endlich wieder mehr Stabilität ins Umfeld der Schule zu bringen. «Die Umsetzung der Entlastungsmassnahmen darf deshalb nicht zu einer zusätzlichen Belastung führen.»

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