Theater
«Le Prix de l’Or»: Afrikanisches Gold fordert hohen Tribut

In der Produktion «Le Prix de l’Or» spielen westafrikanische mit europäischen Künstlern zusammen.

Daniel Diriwächter
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Ensemble Le prix de l'Or
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 Im Back Stage Studio im Kreis 4 wird die fröhliche Willkommens-Szene geprobt.
 In der Produktion spielen westafrikanische mit europäischen Künstlern zusammen...
 ... Meistens wird französisch gesprochen.
 Die Geschichte möchte den Rohstoffhandel thematisieren. Dieser fordert einen hohen Preis.

Ensemble Le prix de l'Or

Daniel Diriwächter

Sie diskutieren, sie singen, sie lachen – und sie tanzen: Als der Geschäftsmann Gabriel Oehri ein westafrikanisches Dorf besucht, heissen ihn die Einheimischen sofort willkommen. Die Freude ist ansteckend, dennoch liegt ein Schatten über der Idylle: Oehri entdeckt, dass die Kompensationsgeschäfte einer Goldmine den Dorfbewohnern nicht den versprochenen Reichtum brachten. Im Gegenteil: Am Gold hängt viel Unglück.

Oehri ist einer der Hauptfiguren im Stück «Le Prix de l›Or» der Zürcher Kuckuck-Produktion, einer schweizerischburkinischen Koproduktion, mit Schauspielerinnen und Schauspieler aus der Schweiz und Burkina Faso. Die Geschichte will den globalen Rohstoffhandel beleuchten, der einen hohen Preis fordert. «Das Thema ist keine leichte Kost, umso wichtiger ist das Lachen. Es ermöglicht dem Publikum, das bei uns zwischen 14 und 104 Jahren jung sein kann, sich auf das Thema einzulassen. Hinzu kommt eine leicht überspitzte Inszenierung», sagt Dramaturgin Brigitta Paulina Javurek, die das Stück zusammen mit Thierry Hervé Oueda, Autor aus Burkina Faso, schrieb. Starker Tobak – amüsant erzählt, lautet denn auch ihre Devise. Deshalb setzt sie auf komödiantische Elemente, damit das ernste Thema bühnentauglich wird.

«Le Prix de L Or feiert am Dienstag Premiere. Es wird noch bis zum 6. Juli im Rahmen von «Pas de Problèmes!» im Kulturmarkt gezeigt. www.pasdeprobleme.org

Festival dank Theater

Volkstheater zwischen Zürich und dem westafrikanischen Land ist Javurek eine Herzensangelegenheit. «Seit Jahren verfolgen Roger Nydegger, der Regisseur, und ich solche Projekte, die aber zunächst nur in Burkina Faso realisiert wurden, bis wir immer wieder gefragt wurden, wann wir denn endlich einmal in Zürich inszenieren.» 2013 realisierten sie dann die erste gemeinsame Produktion in Zürich. Doch das Stück alleine sollte nicht ausreichen: Mit den Vorbereitungen sprudelten die Ideen. Die Theaterfreaks wollten auch abseits der Bühne auf westafrikanische Kulturen hinweisen. Es markierte die Geburtsstunde des Vereins «Pas de Problèmes!» und dessen afroschweizerischen Kulturfestival. Die erste Ausgabe fand noch in der Ziegelhütte in Schwamendingen statt. 2015 zog man in den Kulturmarkt, wo das Festival diese Woche begonnen hat.

Im Mittelpunkt stehen die Aufführungen von «Le Prix de l’Or». Das internationale Ensemble kommt gut miteinander zurecht, gesprochen wird meist Französisch. «Die Künstlerinnen und Künstler bringen enorm viel Kreativität und Interesse mit ein. Das ist Kulturaustausch zum Besten und bereichernd zugleich», sagt Javurek. Im Ensemble sind ausschliesslich professionelle Talente vertreten. Zu ihnen gehört Monique Sawadoga aus Burkina Faso, die bereits zum zweiten Mal dabei ist. «Die Bühne und das Kino sind meine Welt», sagt sie bestimmt. Schon als kleines Mädchen war es für sie unvorstellbar, in einem Büro zu arbeiten. Zumal Sawadoga die Problematik des Stücks auch im realen Leben erfahren hat: «Ich habe Familienmitglieder, die in einer Goldmine arbeiten. Wir sind bei uns vom Rohstoffhandel alle auf eine Art und Weise betroffen.»

Das Stück: «Le Prix de l›Or»

Gabriel Oehri, der für die Kompensationsgeschäfte einer Goldmine zuständig ist, trifft auf Ange Kabore, eine moderne westafrikanische Geschäftsfrau, die zwischen Europa und ihrem Heimatland pendelt. Der Goldrausch, der das Land im Griff hat, breitet sich immer weiter aus. Die Entwurzelung, der Verlust des angestammten Bodens und die Missachtung ethnischer Befindlichkeiten bringen das Gleichgewicht in der Bevölkerung und in den politischen Behörden in eine bedrohliche Schieflage. (DDi)

Das Attentat

Dem Team aus Burkina Faso, dessen Hauptstadt Ouagadougou als kultureller Schmelztiegel der Region gilt, wird der zweimonatige Aufenthalt in Zürich vergütet. «Nebst ihrem Salär als Kulturschaffende müssen wir auch schauen, dass sie gute Gastfamilien haben und sich in Zürich zurechtfinden. Hotels können wir uns nicht leisten», so Javurek. Die Proben begannen Anfang Mai und finden seither fünfmal wöchentlich statt. «Bislang bin ich sehr zufrieden mit dem Ensemble, sie legen sich alle ins Zeug», sagt Nydegger.

Burkina Faso galt bis vor zwei Jahren als politisch stabiles Land in einer unsicheren Region. Seither ereignen sich aber öfter islamistisch motivierte Gewalttaten in der Grenzregion im Norden. Der Terror erreichte im Januar 2016 die Hauptstadt, als das Schweizer Ensemble nach Ouagadougou reiste. Die geplante Tournee wurde jäh unterbrochen, als islamistische Terroristen zahlreiche Geiseln in einem Restaurant sowie und einem Hotel nahmen. Bei der Attacke starben 29 Menschen, darunter auch zwei Schweizer. «Es ereignete sich ganz in der Nähe und ich hörte zuerst ein eigenartiges Knattern», erinnert sich Javurek.

Erst allmählich realisierte sie, dass es Maschinengewehre waren. Drei Tage durften sie und ihre Mitstreiter die Unterkunft nicht verlassen. «Es war heftig und jeder von uns reagierte verschieden, aber uns war klar, dass wir unser Vorhaben fortsetzen», so die Autorin. Nicht zuletzt wegen der Psychohygiene spielte die Gruppe einige Tage später noch zwei Vorstellungen. «Es war wichtig, dass wir zur Normalität zurückkehrten.»

Dem schliesst sich auch Schauspieler Christoph Rath an, der seit drei Jahren dem Ensemble angehört. «Für mich ist meine Teilnahme auch deshalb wertvoll, weil ich so die Möglichkeit bekomme, überhaupt in Westafrika zu spielen», sagt er. Das Aufeinandertreffen der Kulturen sei spannend. «Schlussendlich sind wir aber auf der Bühne alle gleich.» Seine Spielfreude, wie auch die seines Ensembles, ist ungebrochen – im Oktober will man Burkina Faso besuchen und das heimische Publikum in den Bann ziehen.