Niederweningen
Lageanalyse: Die Bevölkerung soll Verspätungen der S15 notieren

Die Verspätung der S15 – teils gar deren Ausfall – sorgt seit Ende 2015 immer wieder für Unmut. Obwohl sich die Situation verbessert hat, bleibt die Bevölkerung unzufrieden. Wie prekär die Lage wirklich ist, will die Gemeinde nun herausfinden.

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Seit dem Fahrplanwechsel Ende 2015 kam es häufiger zu Verspätungen bei der S15. Diese sollten sich bisher gebessert haben. Der Gemeinderat möchte dennoch herausfinden, wie prekär die Lage ist - und bittet die Bevölkerung um Hilfe. (Symbolbild)

Seit dem Fahrplanwechsel Ende 2015 kam es häufiger zu Verspätungen bei der S15. Diese sollten sich bisher gebessert haben. Der Gemeinderat möchte dennoch herausfinden, wie prekär die Lage ist - und bittet die Bevölkerung um Hilfe. (Symbolbild)

Keystone

Die S15 fährt von Rapperswil über Zürich nach Niederweningen, wendet dort und fährt dann die gleiche Strecke zurück. Kommt die S15 verspätet an der Endstation an, verzögert sich folglich auch die nächste Abfahrt. Ist eine solche Unpünktlichkeit bereits vorher absehbar, fährt der Zug gar nicht erst bis nach Niederweningen, sondern hält beispielsweise in Steinmaur, um von dort wieder Richtung Zürich weiterzufahren.

In diesem Fall müssen die Passagiere Richtung Niederweningen in Steinmaur aussteigen und auf den nächsten Zug warten. Zu solchen unerfreulichen Situationen kam es vor allem nach dem Fahrplanwechsel Ende 2015 vermehrt. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die S15 nur acht Minuten Zeit hat, um in Niederweningen zu wenden, und die Strecke durchs Wehntal einspurig ist.

Vertreter der SBB, des ZVV sowie der Regionalen Verkehrskonferenz Unterland definierten daraufhin gemeinsam Massnahmen, um die Verspätungen zu minimieren. Eine davon war, zu gewissen Zeiten Springlokführer einzusetzen. Dadurch muss der Lokführer am Endbahnhof nicht die gesamte Strecke des Zuges zurückgehen, bevor der Zug weiterfahren kann; ein zweiter Lokführer ist bereits im Führerstand am Ende des Zuges. Diese Massnahme verkürzt die Wartezeit.

SBB stellen Fortschritt fest

Die SBB stellen einen klaren Fortschritt fest: «Im Laufe des Jahres 2016 sind deutliche Verbesserungen bezüglich der Pünktlichkeit eingetreten. Auch die aktuelle Pünktlichkeit ist in Ordnung und das Ziel wird eingehalten. Das detaillierte Reporting findet halbjährlich im Hinblick auf die Regionale Verkehrskonferenz Unterland statt», teilt Daniele Pallecchi von der Medienstelle der SBB auf Anfrage mit. «Die Pünktlichkeit der S15 ist im Vergleich zu anderen S-Bahnen im Zürcher Verkehrsgebiet nicht auffällig», heisst es weiter.

Doch dies ist dem Gemeinderat in Niederweningen nicht genug, denn es gibt nach wie vor häufig negatives Feedback aus der Bevölkerung: «Ich bin von Leuten auf die Verspätungen angesprochen worden. Und da die Verwaltung nahe beim Bahnhof ist, hören wir auch von dort aus vielfach entsprechende Durchsagen», berichtet die Niederweninger Gemeinderätin Andrea Weber.

Es sei zurzeit vor allem ein subjektiver Eindruck, dass die S15 noch immer häufig verspätet sei. Mit dem online veröffentlichten Aufruf an die Einwohnerschaft vom 1. August, selbst die Verspätungen zu notieren, will die Gemeinde einerseits zeigen, dass sie das Problem ernst nimmt, andererseits aber auch die Pünktlichkeit überprüfen. Die Gemeindepräsidentin ist ausserdem der Meinung, dass die Statistik der SBB, auf die sich der ZVV bezieht, ein falsches Bild zeichnet: «Dort wird nur ein Zug erfasst. Wenn er aber in beide Richtungen ausfällt, sind das zwei Züge», sagt Weber.

Wie häufig die Verspätungen im Moment sind, das wisse sie nicht genau. Deswegen sei die Bevölkerung um das Reporting gebeten worden. Durch das präzise Sammeln der Verspätungen seitens der Bevölkerung will die Gemeinde herausfinden, ob es sich um die individuelle Wahrnehmung einzelner Personen handelt oder ob es ein gravierendes Problem ist. «Wir lassen die Aktion nun zwei bis drei Wochen laufen, dann gibt es weitere Informationen», sagt Weber. Was sie sich vor allem wünscht, ist eine bessere Kommunikation: «Wenn das Personal im Zug per Durchsage rechtzeitig informieren würde, dass dieser nicht weiterfährt, kann man als Passagier rechtzeitig darauf reagieren.»

Die neusten Daten der SBB sind positiv: «Im Monat Juli waren alle S-Bahn-Linien gemäss Zielvereinbarung mit dem ZVV pünktlich», weiss Pallecchi. Ob dies mit der Erhebung der Bevölkerung in Niederweningen übereinstimmt, wird sich zeigen.