Das Nebeneinander von Klubs und Anwohnern sorgt an den Ausgehmeilen Zürichs immer wieder für Konflikte. Nun fordert das überparteiliche Jungpolitiker-Komitee «Pro Nachtleben Zürich» von der Stadt ein Umdenken, was den Umgang mit Ausgangslokalen betrifft. Gestern übergaben Vertreter der Jungparteien von links bis rechts eine Petition mit 2000 Unterschriften an Polizeivorstand Richard Wolff (AL), um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Auslöser für ihre Petition war ein Entscheid des Baurekursgerichts von 2015, wonach Betriebe mit Öffnungszeiten über Mitternacht hinaus eine Baubewilligung benötigen. So erhielten Anwohner die Möglichkeit, gegen solche Nachtlokal-Bewilligungen zu rekurrieren. «Damit wurde eine Büchse der Pandora geöffnet», sagt Marcel Bührig (junge Grüne), Vize-Präsident des Komitees.

Die Kritik der Jungpolitiker dreht sich vor allem um drei Punkte. Erstens soll sich die Stadt zur Pflege eines lebendigen Nachtlebens bekennen und etwa bei Lärmklagen auch die Interessen der Lokalbetreiber und Ausgehenden berücksichtigen. «Es kann nicht sein, dass ein Klub wie die Härterei schliessen muss, weil sich ihm ein einzelner zugezogener Anwohner mit Lärmklagen entgegenstellt», so Bührig. Er schlägt vor, eine städtische Anlaufstelle für Anwohner, Bar- und Klubbesitzer zu schaffen, die bei Konflikten vermittelt.

Regulierung als Abschreckung

Zweitens findet das Komitee, die zunehmende Regulierung des Gastgewerbes mit Bewilligungspflichten «für jeden neuen Aschenbecher» schrecke viele potenzielle Lokalgründer ab. «Das schadet der Vielfalt des Nachtlebens. Irgendwann gibt es nur noch Schickimicki-Bars, die es sich leisten können, die teuren Brandschutz- und Lärmauflagen zu erfüllen», warnt Bührig. Gerade alternative und kleinere Bars, die zu besuchen sich auch Jugendliche mit beschränkten finanziellen Mitteln leisten könnten, seien durch die umfassenden Regulierungen bedroht. Daher seien schlankere Bewilligungsauflagen für Klubs und Bars zu schaffen, fordert das Komitee «Pro Nachtleben».

In dieselbe Richtung zielt auch der dritte Kritikpunkt: Ausgang dürfe heute fast nur noch in Bars und Klubs stattfinden, monieren die Petitionäre. «Wenn Jugendliche sich den Klub-Eintritt von 40 Franken sparen und einfach draussen auf einem Platz ein Bier trinken wollen, dauert es wenige Minuten, bis Beamte der SIP oder der Polizei sie wegschicken», so Bührig. Generell habe sich dieses Phänomen seit der Einführung von der SIP (Sicherheit Intervention Prävention) im Jahr 2000 verschärft. Er und seine Mitstreiter verlangen daher, dass das Nachtleben auch ausserhalb privatwirtschaftlicher Betriebe toleriert wird.

Keine sinnvolle Lösung sieht das Komitee «Pro Nachtleben» in den Massnahmen, die Stadtrat Wolff im Langstrassenquartier zur Beruhigung der Konflikte zwischen Klubbesitzern und Anwohnern getroffen hat. Zwar begrüsse man es, dass mobile Toiletten installiert und 24-Stunden-Shops aufgefordert wurden, auf den Verkauf von Getränken in Glasflaschen zu verzichten, sagt Bührig: «Dass aber die Polizeipräsenz an der Piazza Cella erhöht wurde, bringt kaum weniger Lärm und Abfall. Repression ist kontraproduktiv.»

Stadt setzt auf Vermittlung

Für die Kritik der Jungpolitiker hat die Stadt Zürich nur bedingt Verständnis. Der Stadtrat versuche, ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Anwohner und jenen der Klub- und Barbesitzer herzustellen, sagt Mathias Ninck, Pressesprecher des Polizeidepartements. Das Nachtleben bringe Lärm und Schmutz in die Quartiere, was Neuzuzüger und langjährige Anwohner ärgere, sagt er: «Indem wir diesen Ärger ernst nehmen und beide Parteien an einen Tisch bringen, schützen wir letztlich die in der Kritik stehenden Ausgehlokale.»

Den Vorwurf der Überreglementierung lässt Ninck nicht gelten. So entspricht etwa die von den Petitionären angesprochene Bewilligungspflicht für Aschenbecher der Gesetzgebung, wie er sagt: «Wenn jemand einen Aschenbecher im Freien aufstellt und öffentlichen Grund benutzt, braucht er dafür eine Bewilligung wie jeder andere auch.» Die neue Praxis, die längere Öffnungszeiten von Nachtlokalen an eine Baubewilligung bindet, hat gemäss Ninck seit vergangenem Sommer zu rund zwei Dutzend Gesuchen geführt. Rekurse seien jedoch kaum eingegangen.

Dass sich Jugendliche ausserhalb von Bars und Klubs «verscheucht» fühlen, sei nicht das Ziel der Stadt, betont der Mediensprecher. «Wenn sich aber Anwohner melden und sich darüber beschweren, dass Jugendliche vor ihrem Haus Lärm machten, muss die Polizei reagieren», so Ninck.