Musical
«Ladys, jetzt mal richtig sexy, bitte!»

33 junge Frauen und zwei junge Männer tanzten gestern zum «Grease»-Casting an. Wie viele davon mit auf Tournee mit dem Musical gehen werden, ist aber noch unklar.

Matthias Scharrer
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33 junge Frauen und zwei junge Männer tanzten zum «Grease»-Casting an
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Die Jury schaut interessiert zu
Hände hoch!
Tanzlehrerin Jill Gorrie gibt Anweisungen
Aufwärmen im Foyer

33 junge Frauen und zwei junge Männer tanzten zum «Grease»-Casting an

Limmattaler Zeitung

So eine Chance bietet sich jungen Musical-Darstellern selten: Ein halbes Jahr lang wird die Truppe um Regisseur David Gilmore mit «Grease» schon bald durch die Schweiz, Deutschland und Österreich touren. Schweizer Stationen sind Basel (Dezember bis Januar) und Zürich (Mai). Am Londoner West End läuft Gilmores «Grease»-Inszenierung seit 17 Jahren ununterbrochen. Nun ist er auf der Suche nach neuen Darstellern für seine deutschsprachige Version des Erfolgsmusicals. Castings finden in Wien, Zürich, Berlin und Köln statt. Gestern war Zürich dran.

Im Theater 11 in Zürich-Oerlikon haben sich 33 junge Frauen und zwei junge Männer eingefunden. Die New Yorker Tanzlehrerin Jill Gorrie bringt ihnen eine kurze Tanzsequenz bei. «Ladys, jetzt mal richtig sexy, bitte», ruft sie. Es wird stickig-heiss im Tanzraum. Eine Tänzerin verliert ihre aufgeklebte Erkennungsnummer, als sie sich vor dem grossen Spiegel an der Wand in Pose wirft.

«Das Tanzen kann ich Euch beibringen. Aber nicht das Lächeln», sagt Gorrie. «Ihr braucht Teenager-Energie. American Teenage Energy.» Der Musical-Klassiker aus den 1970er-Jahren handelt schliesslich von einer High-School-Romanze aus dem Amerika der 1950er-Jahre.

«Besser als in Berlin»

Nach einem gelungenen Testlauf ruft Gorrie zufrieden: «Okay, ihr seid besser als die in Berlin.» Dann gilt es ernst: Vortanzen vor dem Regisseur. David Gilmore - graumelierte Haare, hellblaues Hemd, Jeans, schwarze Schuhe und ein wacher, freundlicher Blick hinter dicken Brillengläsern - nimmt am Pult Platz.

Die Kandidatinnen und Kandidaten gehen nochmals schnell die Bewegungsabläufe durch. Klatschen in die Hände. Tuscheln. Nervosität macht sich breit im Raum. Gilmore lässt in Vierergruppen vortanzen. Eine nach der anderen. Mehr als ein «gut gemacht» als Feedback gibts selten. Der Regisseur lässt sich nicht in die Karten blicken. Einmal mahnt er: «Girls, seid präzis. Das gilt für alle.»

«Die Kandidatinnen und Kandidaten sind zumeist angehende Profis, junge Tänzerinnen, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben», erzählt Bettina Schöbel, die für die Produktion zuständig ist. Eine von ihnen ist Sarah Kappeler. Die 23-Jährige aus Uster hat an der Musical Theater Academy in London gelernt und zuletzt im Basler Scala-Theater beim Musical «Rent» mitgespielt. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, arbeitet sie auch als Assistentin in einem Kindergarten. «Man lebt für die Kunst», sagt sie im Gang vor dem Casting-Raum. «Bei ‹Grease› mitzuspielen, wäre das Grösste und Professionellste, was ich bisher künstlerisch gemacht habe.»

«Fit wie Sportler»

Der Regisseur scheint interessiert. Nachdem er ihren kraftvollen Gesang gehört hat, lässt er sie auch noch vorsprechen. Doch ob sie aufgenommen wird, bleibt vorerst offen. Nach und nach verlassen die Kandidatinnen und Kandidaten das Musical-Theater gegenüber dem Hallenstadion. Gilmore nimmt sich noch kurz Zeit für Journalistenfragen. «Wir suchen etwa 20 Leute, die singen, spielen und tanzen können, jung, attraktiv und vital sind», erklärt er. «Sie müssen fit wie Sportler sein. Wir spielen acht Shows pro Woche.»

In der Schweiz gebe es offenbar nicht so viele, die sich von diesem Profil angesprochen fühlen. «In Zürich hatten wir 35 Leute. In Berlin wären es 300, in London 3000.» Wie viele von den 35 aus Zürich mit auf Tournee gehen werden, könne er nicht sagen. «Aber es wäre schön, in Zürich ein paar Einheimische dabei zu haben.»