Der Zürichsee und andere Alpenrandseen gehörten einst zur Kernregion des Lachses. Nun soll der Fisch, der in der Schweiz als ausgestorben gilt, wieder in Schweizer Gewässern angesiedelt werden. Zu diesem Zweck hat der Bund ein Programm initiiert, das vorsieht, gezüchtete Junglachse an geeigneten Stellen im Gewässer einzusetzen. So sollen sich selbsterhaltende Lachspopulationen entstehen.

Bis 2030 soll die erste Hürde genommen werden. Ziel ist, dass bis dahin im Raum Basel vermehrt Lachse den Rhein hochschwimmen und sich fortpflanzen, wie die «NZZ» berichtete. Danach soll die Ansiedlung schrittweise in anderen Gewässern fortgesetzt werden, dereinst auch im Zürichsee.

Wie lange es dauert, bis der Lachs hiesigen Fischern wieder an die Angel geht, ist noch schwer abzuschätzen. Einen fixen Zeitplan für die Ansiedlung gibt es nicht, und das Vorhaben ist mit vielen Unsicherheiten behaftet.

Fischer sind eher kritisch

Am Zürichsee spaltet der Lachs die Gemüter. Eigentlich wäre der Verkauf der beliebten Delikatesse ein lukratives Geschäft für Berufsfischer am Zürichsee. Trotzdem findet das Wiederansiedlungsprogramm des Bundes erstaunlich wenig Unterstützung unter diesen. Grundsätzlich hat zwar niemand etwas dagegen, dass der Fisch, der in der Schweiz als ausgestorben gilt, dereinst wieder zu den heimischen Fischarten gehört. Angesichts des Aufwands für die Umsetzung des Lachsprogramms rechnen Fischer am Zürichsee aber nicht damit, dass sie in naher Zukunft Lachse in grossem Stil fangen können – geschweige denn der Lachs ihr Überleben garantieren kann. Und nicht alle halten das Lachsprogramm für die sinnvollste Investition in Biodiversität und gesunde Gewässer.

«Wir würden gerne wieder Lachse fangen», sagt Adrian Gerny, Betreiber einer Fischerei in Wollishofen und Präsident des Berufsfischerverbandes für den Zürichsee und den Walensee. Das Produkt sei gefragt und könne den Fischern helfen, ihren Umsatz zu steigern. «Das Interesse an regionalem Lachs wird gross sein.» Doch der Tag, an dem der Lachsbestand im Zürichsee über einzelne Exemplare hinausgehe, sei noch «sehr, sehr weit weg».

Fischer Fritz Hulliger aus Stäfa hält die Wiederansiedlung für ein zweischneidiges Schwert. Im Prinzip sei er für Vielfalt. «Eigentlich wäre mir lieber, wenn wir schauen würden, dass die Fische, die wir haben, gut gedeihen.»

Die Umweltschutzorganisation WWF Schweiz misst der Wiederansiedlung des Lachses indes eine herausragende Bedeutung zu. Vom Lachs würden zahlreiche andere Fischarten und das Gewässersystem als Ganzes profitieren, sagt Ruedi Bösiger, Leiter der aquatischen Biodiversität beim WWF. Er betrachte den Lachs gar als «die Leitart» für das ganze Gewässersystem. Denn der Fisch sei ein Indikator für Gewässergesundheit und intakte Lebensräume.