Kriminalität

Kupferdiebe suchen die SBB heim und stehlen 3 Tonnen Kabel

Eine Rolle mit Kupferdraht (Symbolbild)

Eine Rolle mit Kupferdraht (Symbolbild)

Kupfer ist bei Diebesbanden begehrt. Sie montieren kilometerlange Kabel entlang von Bahnlinien ab und stehlen das Metall tonnenweise von Baustellen und Werkhöfen. So auch wieder kürzlich an der S-Bahn-Strecke zwischen Schwerzenbach und Dübendorf.

Die Diebesbande, die kürzlich an der S-Bahn-Strecke zwischen Schwerzenbach und Dübendorf am Werk war, hat keinen Aufwand gescheut. Von hohe Fahrleitungsmasten stahl sie 2,6 Kilometer Kabel im Wert von rund 20 000 Franken. Gewicht: rund drei Tonnen. «Ein aussergewöhnlicher Fall», urteilte der Mediendienst der Kantonspolizei Zürich.

Wenige Tage zuvor hatte die Kantonspolizei von einem Fahndungserfolg berichtet. In Dübendorf waren den Ordnungshütern acht mutmassliche Kupferdiebe ins Netz gegangen. Die Bulgaren trugen einen Kassenbeleg über den Verkauf von mehreren 100 Kilogramm Kupfer an einen Altmetallhändler auf sich. Es stellte sich heraus, dass die Männer auf der SBB-Strecke Hüntwangen–Rafz das Kupferseil zwischen den Fahrleitungsmasten gestohlen hatten – auf einer Länge von mehr als einem Kilometer. Der Sachschaden belief sich auf mehrere 10 000 Franken. Alles in allem soll die Bande 2,8 Tonnen Kupfer weiterverkauft haben. Der Preis pro Tonne Kupfer beträgt derzeit rund 5900 Franken.

Tatsache ist, dass die SBB immer wieder Opfer von Kupferdiebstählen werden. Diebe demontieren nicht nur Erdungskabel wie in Dübendorf und Hüntwangen. Teilweise stehlen auch auf Baustellen.

Millionenschaden

SBB-Sprecher Daniele Pallecchi spricht von rund 25 Diebstählen pro Jahr. In der zweiten Hälfte 2013 hätten sich die Ereignisse aber gehäuft, sodass die SBB für das letzte Jahr 50 Fälle von Kupferdiebstahl verzeichnen. Die Schadensumme samt Instandstellung beziffern die SBB auf rund eine Million Franken.

Für das erste Quartal 2014 stellt Pallecchi eine deutliche Entspannung der Lage fest. «Um Diebstählen vorzubeugen, deponieren wir Kupfer wenn immer möglich nicht auf Baustellen», sagt er. «Wir bringen es erst vor Ort, wenn es gebraucht wird.» Neben dieser Massnahme habe es sich bewährt, Baustellen zu überwachen. Zudem würden Mitarbeiter der Firma Securitrans vermehrt entlang der Strecke patrouillieren. Gestohlene Erdungsleitungen werden laut Pallecchi von den SBB umgehend ersetzt.

Ein Blick auf die Zahlen der Kantonspolizei zeigt, dass nicht nur die SBB von Kupferdieben heimgesucht werden. 117 Diebstähle wurden 2013 im ganzen Kanton Zürich gemeldet. Der Wert des gestohlenen Materials belief sich auf rund 600 000 Franken.

Zu den Geprellten zählt etwa das Bauunternehmen Implenia. Schweizweit verzeichnet die Firma jährlich rund 50 Diebstähle ab Baustellen. Ein Teil davon betreffe Kupfer. Laut Mediensprecher Roger Teuscher lagert die Firma das Material wenn irgendmöglich in abschliessbaren Depots.

In einer anderen grossen Zürcher Baufirma, die nicht namentlich genannt sein will, gingen die Diebe vor einem halben Jahr besonders dreist vor. Sie brachen in den geschlossenen und videoüberwachten Werkhof ein und transportierten das Kupfer gleich mit Lieferwagen der bestohlenen Firma ab. Die Autos wurden später in der Nähe von Basel gefunden. Das Kupfer aber blieb verschwunden.

Im letzten Jahr ist es der Polizei gelungen, 14 mutmassliche Täter dingfest zu machen. Sie geht in der Regel von bandenmässigem Vorgehen aus. Nur teilweise wird das Diebesgut – wie im Fall der verhafteten Bulgaren – bereits in der Schweiz an einen Altmetallhändler verschachert. Häufig dürfte das Material ins Herkunftsland der Diebe gelangen.

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