Zürich
Kunstbiennale Manifesta kommt 2016 nach Zürich

Die Stadt Zürich hat den Zuschlag für die Durchführung der europäischen Kunstbiennale Manifesta im Jahr 2016 erhalten. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) zeigte sich am Mittwoch hoch erfreut.

Matthias Scharrer
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Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (links) mit Manifesta-Direktorin Hedwig Fijen im Stadthaus Zürich.

Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (links) mit Manifesta-Direktorin Hedwig Fijen im Stadthaus Zürich.

Zuletzt fand sie im belgischen Genk in einer alten Kohlemine statt, nächstes Jahr ist mit der Eremitage von St. Petersburg ein geschichtsträchtiges Museum ihre Austragungsstätte - und 2016 kommt die internationale Kunstbiennale Manifesta nach Zürich. Stadtpräsidentin Corine Mauch strahlte, als sie gestern die Standortwahl der in Amsterdam ansässigen Manifesta-Organisation bekannt gab: «Der Entscheid ist aus unserer Sicht sensationell.»

Kollektives Experiment

Die 1996 gegründete Manifesta findet alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Stadt statt. «Wir wollen die kulturelle Topografie Europas untersuchen», erklärte Manifesta-Direktorin Hedwig Fijen. Die Manifesta sei weder elitär noch orientiere sie sich am Kunstmarkt. «Sie ist ein kollektives Experiment», so Fijen weiter.

Wie dieses Experiment in Zürich gestaltet werde, solle sich in Workshops und Diskussionen in den nächsten zwei Jahren herauskristallisieren. Künstler aller Sparten, von bildender Kunst über Musik, Architektur, Theater bis hin zu Performances, seien eingeladen, sich zu beteiligen. Die Manifesta sei ein Prozess, bei dem sich nicht nur Künstler, sondern alle gesellschaftlichen Gruppierungen einbringen können. «Es ist wichtig, dass wir nicht wie ein internationales Ufo hereinfliegen», sagte Fijen. «Wir müssen herausfinden, was die Erwartungen der Leute in Zürich sind.»

Corine Mauchs glucksendes Lachen

Neben Zürich seien noch die nordirischen Städte Belfast und Derry sowie eine weitere Stadt, mit der Fijen Stillschweigen vereinbart hat, in der Endauswahl gewesen. Für die Wahl Zürichs sei ausschlaggebend gewesen, dass der ganze Stadtraum zur Verfügung stehe. Damit lasse sich ein Kontrast zur Manifesta 2014 in der St. Petersburger Eremitage schaffen.

Zudem sei Zürich kulturgeschichtlich interessant, da die Stadt immer wieder Künstlern und Revolutionären von Richard Wagner bis hin zu Lenin Asyl gewährt habe. «Wenn Sie Lenin nicht beherbergt hätten, hätte es den Kommunismus vielleicht nie gegeben», sagte die Holländerin - was Stadtpräsidentin Mauch ein glucksendes Lachen entlockte. Die Manifesta 2016 werfe einen kritischen Blick auf Zürichs Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, versprach Fijen. «Wir wollen die DNA dieser Stadt untersuchen.» Dazu zähle auch der Dadaismus, den Kriegsflüchtlinge 1916 in Zürich erfanden.

Zürichs Kulturdirektor Peter Haerle nannte das Kollektiv-Experiment Manifesta ein «Risiko mit unbekanntem Ausgang.» Ein auswärtiger Kurator werde im Laufe des nächsten Jahres gewählt. «Der fremde Blick auf die Stadt ist wichtig», so Haerle. Die Manifesta mache den gesamten Grossraum Zürich zum Experimentierfeld. Erste Ideen gingen dahin, in den Boomquartieren Zürich West und Zürich Nord sowie im Stadtzentrum im Bereich Kasernenareal, Theaterhaus Gessnerallee und Haus Konstruktiv Schwerpunkte zu setzen. «Wie sich das konkret umsetzen lässt, werden wir sehen», so Haerle.

Budget: Fünf Millionen Franken

Das von der International Manifesta Foundation vorgegebene Budget beläuft sich auf fünf Millionen Franken. Die Stadt Zürich trägt dazu laut Haerle maximal zwei Millionen bei. Zudem habe man beim Kanton Zürich um einen Beitrag von 1,5 Millionen aus dem Lotteriefonds angefragt. Von privater Seite würden 1,1 Millionen erwartet, wobei Migros bereits 800 000 Franken zugesagt habe. Auch beim Bund klopfe die Stadt Zürich um finanzielle Unterstützung an.

Für die Finanzierung der Manifesta werde in Zürich ein Verein gegründet. Neben Haerle hätten bereits Hedy Graber vom Migros-Kulturprozent, alt Stadtrat Martin Vollenwyder sowie der Anwalt und Kunstexperte Alexander Jolles zugesagt, sich in dem Verein zu engagieren. Mauch erwartet von Juli bis Oktober 2016 rund 100 000 Manifesta-Besucher.