Sommeraktion

Kunst lockt in Altstetten und Albisrieden

«Fuel Sculpture» von Matias Faldbakken auf dem Vulkanplatz in Zürich Altstetten. mts

«Fuel Sculpture» von Matias Faldbakken auf dem Vulkanplatz in Zürich Altstetten. mts

Die Stadt Zürich lässt die Aussenquartiere Altstetten und Albisrieden zur Bühne für Kunst im öffentlichen Raum werden. Eine Begehung.

Ausgerüstet mit dem Quartierplan zur Aktion «Art Altstetten Albisrieden» mache ich mich auf den Weg. Erste Station ist der neue Vulkanplatz an der Tramstation Bahnhof Altstetten Nord. Was ist hier AAA-Kunst? Vielleicht die Sitzbänke mit den abgerundeten Betonlehnen? Oder der Betonbrunnen? Die stehen wohl schon länger da. Also muss es die Ansammlung von Plastikkanistern in der Mitte des Platzes sein. Die Kanister sind mit farbigen Schläuchen verbunden, das sticht aus der grauen Umgebung mit den grünen Bauminseln hervor. Auffällig sind auch die mit Beton gefüllten Trichter auf den Kanistern. Gabs da einen Chemieunfall? Das Ensemble löst Assoziationen aus, führt ein Eigenleben auf dem Platz, hat auf den ersten Blick keinen Bezug zur Umgebung, und die Umgebung kümmert sich auch nicht um es: Die Leute auf den Bänken mampfen belegte Brote und glotzen auf ihre Handys.

Das Kanister-Ensemble heisst «Fuel Sculpture» (Benzin Skulptur) und stammt vom Norweger Matias Faldbakken. Christoph Doswald, Kurator der von der Stadt Zürich veranstalteten Ausstellung AAA, hat es ausgewählt, weil hier früher mal die Autofirma Vulkan stand, erfahre ich wenig später an der Pressekonferenz zur AAA. Die Infotafel zum Werk auf dem Vulkanplatz fehlt noch. Die Ausstellung beginnt ja auch offiziell erst am 13. Juni.

Beim Friedhof Eichbühl bemerke ich das nächste AAA-Werk. Das heisst, eigentlich schon vorher: Der südliche Vorplatz des Bahnhofs Altstetten ist mit einem violetten Strichmuster bemalt, das sich als Visualisierung der täglichen Pendlerströme lesen lässt. Doch ganz im Pendlertrott, habe ich die Striche zunächst gar nicht der AAA zugeordnet. Pascal Häusermann hat sie gezeichnet.

Augenfälliger ist der artifizielle Charakter des Plexiglashäuschens oberhalb des Friedhofs Eichbühl. «Baraque de Chantier» (Baubaracke) heisst das von Olaf Nicolai geschaffene Werk. Ich öffne die Tür. Drinnen summen Bremsen. Zwei Plexiglashocker laden zum Sitzen. Der Steinhügel, auf dem das Häuschen steht, erinnert an einen Grabhügel. Der Blick schweift über Grasland und die weiter unten liegende Stadt. Ein Ort der Einkehr, des Sinnierens über Vergänglichkeit und Ewigkeit, Tod und Leben, Natur und Zivilisation. Ein Ort der Kontraste, der genau dadurch eine starke Wirkung ausübt.

Der Zauber dauert nur kurz an

Ein paar Schritte weiter, vor der Abdankungshalle, fallen zwei schwarz glänzende längliche Teile am Boden auf, die auf Reis gebettet sind – und umgeben von den Betonplatten des Hallenvorplatzes. Verkohlte Baumstämme, Überbleibsel vom Lagerfeuer der Steinzeitmenschen? «Reishäuser» heisst das Werk von Wolfgang Laib. Auch hier wirkt der Kontrast zwischen Objekt und Umgebung, die Gegenwart des Unerwarteten in einer Stadt, die ohnehin schon an jeder zweiten Ecke mit einer Skulptur aufwartet. Die beständige Kunst ist längst Teil der gewohnten Umgebung geworden. Doch angeregt durch die noch ungewohnten AAA-Werke, erscheint mir plötzlich die ganze Stadt wieder einmal als skulpturales Gebilde: Die Brückenbögen, die Holzpaletten entlang der Bahngleise, die aufgereihten Lieferwagen beim Migros Herdern – alles wird zum Spiel aus Farben, Formen und Oberflächen. Aber nur für ein paar Minuten. Dann ist der Zauber vorbei.

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