Bildungsstätte
Kulturpark Zürich-West: Die Zukunft der Paulus-Akademie ist ungewiss

Der Neubau der Paulus-Akademie ist gefährdet, weil die Besitzerin des Baulandes, die W.Schmid + Co AG, einen Rückzieher gemacht hat. Die Gründe dafür sind unklar.

Patrick Gut
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Eine Visualisierung der Paulus-Akademie im Kulturpark Zürich-West.

Eine Visualisierung der Paulus-Akademie im Kulturpark Zürich-West.

kulturpark.ch

Die katholische Bildungsstätte Paulus-Akademie hatte ihre Zukunft in einem Neubau in Zürich-West geplant. Nun will der Vertragspartner plötzlich nicht mehr.

Dass die Gebäude der Paulus-Akademie in Zürich Witikon den Anforderungen nicht mehr genügen, ist seit spätestens 2001 bekannt. Eine optimale Lösung hat man vor ein paar Jahren im Kulturpark gefunden, der in Zürich- West entsteht. Kurz vor dem Einzug der Paulus-Akademie am neuen Ort – das Einweihungsfest war auf den 19. November geplant – ist die ganze Sache nun aber «ernsthaft gefährdet», wie der Synodalrat der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich in einer Mitteilung schreibt. Der Vertragspartner der katholischen Kirche hat es sich offenbar anders überlegt.

Beim Kulturpark handelt es sich um ein Projekt der Hamasil-Stiftung, die vom Holzwaren-Unternehmer und Millionär Martin Seiz präsidiert wird. Seit Sommer 2013 baut die katholische Kirche des Kantons Zürich einen Teil des Gebäudekomplexes an der Pfingstweidstrasse zwischen Hardbrücke und Schiffbau. Für das Gebäude und das Bauland investiert die Kirche 17 Millionen Franken. Im Saal für 200 Personen sowie Seminar- und Sitzungsräumen soll sich unter anderem die Paulus-Akademie einmieten.

Land nicht übertragen

Die W. Schmid + Co AG ist die aktuelle Besitzerin des Baulandes. Mit ihr hat die katholische Kirche einen Kaufvertrag abgeschlossen. Obschon seit bald zwei Jahren gebaut wird, ist das Bauland noch nicht auf dem Grundbuchamt an die katholische Kirche übertragen worden.

Geht es nach Martin Seiz, der als Verwaltungsrat auch die W. Schmid + Co AG kontrolliert, wird es gar nicht dazu kommen. Laut Medienmitteilung des Synodalrats will die Firma den Kaufvertrag nämlich nicht erfüllen. Das gehe aus einem Schreiben hervor, das die Kirche am Anfang der Woche erhalten habe. Die W. Schmid + Co AG verlangt darin einen Baustopp, mit der Begründung, die katholische Kirche baue auf fremdem Grund und Boden.

Gründe für Rückzieher unklar

In der Mitteilung des Synodalrats heisst es, Martin Seiz habe sich nun kurz vor dem Abschluss der Bauarbeiten und der Eröffnung des Kulturparks mit der katholischen Körperschaft überworfen. Worin das Zerwürfnis besteht, kann Synodalratspräsident Benno Schnüriger auf Anfrage nicht sagen. «Es gab keinen offensichtlichen Grund», sagt Schnüriger. Die katholische Kirche habe sich an die Verträge gehalten.

Eigentlich hätte die Übertragung des Grundstücks längst über die Bühne gehen sollen. Anfang Jahr sei man langsam unruhig geworden und habe auf den Eintrag im Grundbuch gedrängt. «Am Verhalten von Herrn Seiz haben wir irgendwie gespürt, dass er nicht mehr vorbehaltlos hinter der Sache steht», sagt Schnüriger rückblickend.

Trotz der allem Anschein nach vertrackten Situation will die katholische Kirche am abgeschlossenen Kaufvertrag festhalten. Die Synode habe den Auftrag zum Bau erteilt, und das könne nicht so ohne weiteres rückgängig gemacht werden. Die katholische Kirche zieht sogar eine Klage in Betracht. Martin Seiz war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.