Früher sammelten Kinder ihre ersten sexuellen Erfahrungen beim Dökterlen. Heute werden sie in Handyfilmen mit Pornografie konfrontiert. Auch ausserhalb des Internets ist Sex allgegenwärtig. Braucht es in dieser übersexualisierten Welt noch ein Sexfilmfestival?

«Wir suchen an den Porny Days gerade die Antwort auf die Frage, weshalb heute so viele die sexuelle Befriedigung in der Anonymität des Internets suchen», sagt Dario Schoch. Der Filmproduzent hat zusammen mit der Filmwissenschaftlerin Rona Grünenfelder und der Künstlerin Talaya Schmid ein dreitägiges Programm auf die Beine gestellt. Gezeigt werden künstlerisch wertvolle Filme, die durchaus auch pornografischen Inhalts sind, aber auch Dokumentar- oder Kunstfilme. Als Veranstaltungsort dient das Sexkino Roland an der Langstrasse. Schmuddelig sei das nicht, sagt Schoch. Es gebe wohl kein Kino in der Stadt Zürich, das so häufig geputzt werde. «Jeden Morgen drei Stunden lang.» Im knapp hundertplätzigen Filmsaal flimmern am Freitag und Samstag zum Beispiel Stummfilme aus den 1910er- und 1920er-Jahren über die Leinwand. Man zeigte sie damals in französischen Bordellen den wartenden Freiern.

Daneben läuft in den Einzelkabinen im Roland der Normalbetrieb weiter. «Das zeigt dann auch die anderen 99 Prozent des Pornofilmschaffens», sagt die Presseverantwortliche Valerie Thurner.

Natürlich profitieren die Porny-Days-Macher davon, dass das Thema Sex fast automatisch zieht. Ihre Medienpräsenz ist bereits im Vorfeld hoch. Der Porny Brunch vom Sonntag ist ausserdem schon ausverkauft, und auch für die Opening Night am Freitag sind nur noch wenige Tickets zu haben.

Künstlerisch wertvolle Filme ankündigen und dann doch vom Sex-Sells-Phänomen profitieren: Scheinheilig sei das nicht, sagt Schoch. «Wir haben viele Filmemacher eingeladen. Das Publikum kann sich mit seiner Kritik direkt an sie wenden.» Kinoeintritte, Partytickets und gut 5000 Franken, die über Crowdfunding gesammelt wurden, finanzieren das Festival. Ohne die rund 30 Helfer, die unentgeltlich arbeiteten, würde die Rechnung jedoch nicht aufgehen, sagt Schoch. Denn es sei schwierig, mit einem Sexfilmfestival an öffentliche Gelder zu kommen. «Als ich einer Förderstelle unser Projekt informell vorgestellt habe, wurde mir lachend ‹viel Glück dabei› gewünscht.» Der Produzent versteht die Bedenken, ist aber dennoch zuversichtlich, dass die Kulturförderer die Qualität der Porny Days erkennen und mit Subventionen künftig ein längeres Festival möglich sein könnte.

Beauty-OP für die Schamlippen

Laut Schoch sollen die Porny Days inhaltlich einen «Anti-Höhepunkt zur schnellen Youporn-Befriedigung» bieten. Ausgedeutscht heisst das: Das Programm kommt einerseits lehrreich daher. Der Dokfilm «Sexy Baby» zum Beispiel zeigt die Auswirkung der in der Öffentlichkeit omnipräsenten Sexualität auf einen Teenager, eine Ex-Pornodarstellerin und eine 20-Jährige, die ihre Schamlippen einer Schönheits-OP unterziehen will.

Die Organisatoren wollen andererseits keine Lusttöter sein oder akademisch den Zeigefinger erheben. «Im Gegenteil», sagt Schoch. «Wir wollen ein lustvolles Festival bieten mit Filmen, die auch erregen.»