Zürich

Kulturangebot: Junge haben keine Zeit, Senioren kein Geld

Das Theaterspektakel gilt als Highlight im Zürcher Kulturkalender.

Das Theaterspektakel gilt als Highlight im Zürcher Kulturkalender.

Unter den Zürcher Kulturangeboten werden Kinos und Konzerte am häufigsten besucht. Dennoch haben es die Kinos in der Innenstadt schwer.

Drei viertel aller Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher gehen mindestens einmal pro Jahr ins Kino. Damit sind Kinos die meistbesuchten Kulturangebote in Zürich, knapp vor Konzerten. Theater besuchen 57 Prozent der Stadtbewohner mindestens einmal jährlich. Dies ergab eine Studie, die Statistik Stadt Zürich gestern veröffentlicht hat.

Doch obwohl sie sich insgesamt grösster Beliebtheit erfreuen, geht es Zürichs Kinos nicht nur gut. Laut der Studie gingen ihre Besucherzahlen zwischen dem Jahr 2000 und 2014 um gut 27 Prozent zurück. In absoluten Zahlen sanken sie von 2,7 Millionen im Jahr 2004 auf 2 Millionen zehn Jahre später.

Das Paradoxe daran: Gleichzeitig stieg die Zahl der Kino-Sitzplätze gemäss der Studie um 15 Prozent, jene der Kinovorführungen gar um 16 Prozent an. Über 64 000 Vorführungen gibt es jährlich in den 60 Kinosälen der Stadt Zürich. Und es werden weiter Kinos gebaut, zuletzt der «Houdini»-Komplex in der Kalkbreite-Siedlung, als nächstes das Kino Kosmos an der Europaallee, das 2017 aufgehen soll.

So eindeutig rückläufig wie von den Stadt-Statistikern dargestellt ist die Entwicklung der Kino-Besucherzahlen jedoch nicht: «Es gibt Schwankungen», sagt Thomas Berner. «2015 war eines der besten Jahre», so der Präsident des Zürcher Kinoverbandes (ZKV) weiter. 2,3 Millionen Kinobillette seien in der Stadt Zürich im letzten Jahr verkauft worden.

Was sich deutlich ändert, ist die Struktur der Kinos, wie Berner weiter sagt. Grössere Bauten mit mehreren Kinosälen sind in den letzten Jahren hinzugekommen. Als Beispiele nennt der ZKV-Präsident das Houdini und den Ausbau des Arena-Kinos im Sihlcity-Areal um acht Säle.
«Für die Kinos in der Innenstadt ist es hingegen schwer geworden», sagt Berner. Zumeist handelt es sich dabei um kleinere Kinos mit weniger Sälen. Einige mussten schliessen, nicht zuletzt wegen steigender Mieten. Als Beispiele aus den letzten Jahren nennt Berner das Nord-Süd, das Plaza und das ABC.

Auch der Filmkonsum zu Hause ändert sich, wie die Studie der Statistiker aufzeigt: Während bei den ab 65-Jährigen Filmgucken im Internet noch selten vorkommt, schauen sich gut 21 Prozent der 15- bis 24-Jährigen mehrmals pro Woche einen Film online an.

Unterschiede zwischen den Generationen zeigen sich auch bei der Filmwahl: Schweizer Filme sind bei Rentnern beliebter als bei den 15- bis 24-Jährigen. Letztere gehen zudem deutlich öfter ins Kino – und stehen mehr auf Blockbuster.

Was zeichnet das Ausgehverhalten der Kulturinteressierten in Zürich weiter aus? Laut Statistik besuchen die über 65-Jährigen klar am wenigsten Veranstaltungen. Junge Leute gehen mehr ins Kino, ältere eher an Konzerte.

Jüngeren fehlt Zeit, Älteren Geld

Allen Generationen gemeinsam ist laut Studie, dass sie gerne mehr kulturelle Aktivitäten unternähmen. Als Hinderungsgrund geben die 15- bis 64-Jährigen vorwiegend Zeitmangel an; bei den Älteren ist Geldmangel der meistgenannte Grund.

Insgesamt sind Zürichs Einwohnerinnen und Einwohner überdurchschnittlich happy mit dem kulturellen Angebot, das sie vorfinden: 94 Prozent der befragten Stadtzürcher bezeichneten sich als zufrieden damit; gesamtschweizerisch lag der entsprechende Wert bei 86 Prozent, wobei in den ländlichen Gebieten (83 Prozent) die Zufriedenheit etwas tiefer ist als in den städtischen (88 Prozent).

Die gestern publizierte Studie von Statistik Stadt Zürich beruht auf einer landesweiten Umfrage des Bundesamts für Statistik. Diese wurde unter dem Titel «Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur» 2014 erstmals durchgeführt und soll künftig alle fünf Jahre wiederholt werden. Schweizweit wurden 16 487, in der Stadt Zürich 936 Personen befragt.

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