Das erste, was der Besucher des Kulturama schon von Aussen durchs Schaufenster erblickt, sind zwei Skelette: Eines stammt von einem Braunbären, eines von einem grossen südamerikanischen Vogel namens Nandu. Auf dem Vorplatz lädt eine Sitzbank in Knochenform zum Verweilen ein.

Knochen sind auch im Inneren des Museums allgegenwärtig. Doch das «Museum des Menschen» in Zürich, das dieses Wochenende sein 40-jähriges Bestehen feiert, ist alles andere als eine knochentrockene Sammlung von Objekten aus grauer Vorzeit. Im Gegenteil: Auf lebendige und anfassbare Art zeigt es auf, wie sich der Mensch und seine tierischen Vorläufer im Laufe der Jahrmillionen entwickelt haben – und wie die Entwicklung weitergeht.

Museumsdirektorin Claudia Rütsche legt Wert darauf, dass der Museumsbesuch auch Spass machen soll: «Mein Ziel ist nicht, dass die Besucher in Ehrfurcht vor den Ausstellungsstücken erstarren. Es geht darum, Erlebnisse zu vermitteln.» Da darf durchaus mal ein menschliches Skelett in Eiskunstlauf-Pose stehen – oder ein Dinosaurierskelett mit Bauarbeiterhelm.

Rütsches Einsatz fürs Kulturama begann schon mit 13 Jahren: Sie nahm als Schülerin an einer Ausgrabung mit Museumsgründer Paul Muggler teil. «Mit Hammer und Meissel suchten wir im Jura nach Fossilien», erinnert sie sich. Ihre Faszination für Fossilien und Knochen als Zeichen der langen Geschichte des Lebens war entfacht.

Auch deshalb sagt Rütsche: «Ich bin ein Skelett-Fan.» Nach der Matur studierte sie Geschichte, Paläontologie und urgeschichtliche Archäologie – und arbeitete in allen möglichen Funktionen fürs Kulturama.

Anfangs belächelt

Dessen Gründer, ursprünglich Maschinenbauingenieur und Unternehmer, hatte das Museum 1978 im Alter von 60 Jahren aus privater Initiative eröffnet. Anfangs sei der Quereinsteiger Muggler von vielen etablierten Museumsmachern belächelt worden, sagt Rütsche. Doch beim Publikum stiess dass Kulturama auf Anklang. Heute zählt es mit jährlich über 25 000 Eintritten zu den Top Ten unter den Stadtzürcher Museen.

Mugglers Sammlung, die er bei über 800 Ausgrabungen sowie im Austausch und Handel mit anderen aufbaute, bildet noch immer den Grundstock des Museums. Rütsche, die 1996 Mugglers Nachfolgerin wurde, setzt ihren Schwerpunkt auf die Vermittlung der Sammlung. Bildschirme verwendet die 47-Jährige dabei möglichst sparsam. Dafür gibt es vor allem im Museumsteil «Erlebnispfad» viel anzufassen, auszupacken, auseinanderzunehmen.

Die neue Museumsdirektorin hatte sich während des Studiums intensiv mit der Geschichte der Museen in der Schweiz befasst. Für sie ist klar: Die im Bildungsbürgertum verwurzelten Museen müssen sich weiter öffnen, um Zukunft zu haben.
«Museen sind eine Schnittstelle zwischen formaler Bildung und Freizeit», sagt Rütsche. «Sie haben ein riesiges Potenzial, das noch nicht überall ausgeschöpft wird.» Dazu müsse man an die Lebenswelten der Besucherinnen und Besucher andocken. «Der Besucher soll nicht in einer passiven Rolle sein, sondern anfassen dürfen, Fragen stellen.»

Der Titel der Jubiläumsausstellung im Kulturama lautet denn auch: «Wieviel Urzeit steckt in dir?» Darauf angesprochen, sagt Rütsche, der Mensch sei gar nicht soweit weg von der Urzeit, was seinen Körperbau und sein Verhalten betreffe. «Auch das entdeckende Staunen, die Neugier verbindet uns mit der Urzeit.»

Zum 40-Jahr-Jubiläum ist das Kulturama (Englischviertelstrasse 9, 8032 Zürich) über Pfingsten von Samstag bis Montag gratis geöffnet (jeweils 13 bis 17 Uhr). Das Festprogramm reicht von Spezialführungen übers Steinzeitschmuck-Basteln bis hin zum Steinzeit-Zvieri.