Es rumort unter den Kulturschaffenden im Kanton Zürich. Ein Grund sind die geplanten Kürzungen der Gelder für die Kulturförderung. Im neuen Finanzplan schreibt die Regierung, dass der für «übrige Kulturförderung» vorgesehene Posten ab 2022 nur noch 19,4 statt wie bisher 22,7 Millionen Franken betragen soll. Das separat mit 80 Millionen subventionierte Opernhaus wie auch das Theater des Kantons Zürich sind davon nicht betroffen. Alle anderen Kulturschaffenden, die vom Kanton Beiträge erhalten, potenziell schon.

Angesichts des Kantonsbudgets von jährlich über 15 Milliarden Franken mag die Kürzung klein erscheinen. Doch der anfangs 2018 gegründete Dachverband Pro Kultur Kanton Zürich schlägt Alarm: «Die kulturelle Grundversorgung in den Städten und auf dem Land ist gefährdet», lässt sich Konrad Bitterli, Direktor des Kunst Museums Winterthur und Vorstandsmitglied von Pro Kultur Kanton Zürich, in einer Mitteilung zitieren. Und weiter: «Das betrifft Kunstmuseen und Theaterhäuser genauso wie örtliche Theatergruppen, Gesangs- oder Kulturvereine.»

Erneut steht Systemwechsel an

Der Dachverband rechnet damit, dass sich die geplante Kürzung auf knapp sechs Millionen Franken pro Jahr summieren könnte. Er leitet dies aus dem Vernehmlassungsentwurf zum neuen Lotterie- und Sportfondsgesetz ab. Dieser sehe vor, dass kleine und mittlere Investitionsbeiträge für Kulturinvestitionen neu nicht mehr aus dem allgemeinen Lotteriefonds finanziert werden, sondern aus dem Bereich für Kultur. So würden der Kultur zusätzlich zur Kürzung von 22,7 auf 19,4 Millionen Franken nochmals 2,5 Millionen gekappt.
Hinter diesen Rechnungen steht ein Umbau der kantonalen Kulturförderung. Seit 2016 wird diese aus dem Lotteriefonds finanziert und nicht mehr aus dem Staatshaushalt des Kantons Zürich. Die Mittel dafür wurden seinerzeit leicht aufgestockt. Das Finanzierungsmodell ist bis 2021 befristet.

Für die Zeit danach hat der Kantonsrat vor gut zwei Jahren einen Vorstoss aus den Reihen der FDP und der Grünen gutgeheissen. Er fordert die Schaffung eines Kulturfonds, dem die Hälfte der kantonalen Lottoerträge zuzuführen wäre. Wie der Regierungsrat diesen Auftrag umsetzen will, ist noch offen. Die Regierung hat sich die Frist, innert derer ihr Antrag vorliegen muss, bis Juni 2019 verlängern lassen. SP-Kantonsrat Andrew Katumba rechnet damit, dass die massgebliche Gesetzesvorlage zum neuen Lotterie- und Sportfondsgesetz noch diesen Herbst von der Regierung zuhanden des Kantonsrats verabschiedet wird. Zuvor kommt am 23. September die von Katumba mitlancierte Volksinitiative für ein Film- und Medienförderungsgesetz zur Volksabstimmung.

Der Co-Präsident des Vereins Zürich für den Film hat daher für kommenden Dienstag eine öffentliche Kulturdebatte im Opernhaus Zürich mitorganisiert. Kulturschaffende, Kantonsräte und die zuständige SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr werden sich daran beteiligen. Dabei soll es um Grundlegendes gehen: «Wir wollen den Wert und die Bedeutung der Kultur im 21. Jahrhundert diskutieren», sagt Katumba. Er wehrt sich dagegen, dass Kulturförderung völlig von den Lotteriefonds-Erträgen abhängen soll: «Der Lotteriefonds ist starken Schwankungen unterworfen. Kultur braucht aber Planungssicherheit.»

Auch Pro Kultur Kanton Zürich schwebt ein anderes Modell vor: «Wir verlangen einen Lotteriefondsanteil für die Kultur von 30 Prozent, was 23 Millionen entspricht, sowie denselben Betrag aus dem Staatshaushalt», schreibt der Dachverband. So kämen jährlich 46 Millionen zusammen.

«Gesellschaft braucht Kultur»

Anderer Meinung ist der Dietiker SVP-Kantonsrat Rochus Burtscher, der am Dienstag im Opernhaus mitdiskutieren wird. «Ich habe Mühe mit der Anspruchshaltung, die aus der Kultur kommt», sagt Burtscher. Dennoch ist für ihn klar: «Die Gesellschaft braucht Kultur.» Ein aus Lotterieerträgen gespeister Kulturfonds sei die bessere Lösung als Gelder aus dem Staatshaushalt. Dabei gelte es, genau zu prüfen, wie der vom Kantonsrat grundsätzlich befürwortete Kulturfonds im Detail ausgestaltet werde.

Für FDP-Kantonsrätin Barbara Franzen ist vor allem eines wichtig: «Dass man die Kulturförderung auf eine verlässliche Basis stellt.» Der vom Kantonsrat verlangte Kulturfonds brächte der Kulturfinanzierung eine gesicherte Grundlage, sagt sie.