Die Werke renommierter Künstler wie Mondrian oder Tinguely wurden auf die stählerne Oberfläche projiziert, dazwischen erschienen traditionelle Schweizer Sujets. Und der Hafenkran wurde zum «Hafenkäse», indem ein echter Schweizer Käse auf dem Kunstobjekt abgebildet wurde- der aber anschliessend von Ferdinand Hodlers «Holzhacker» zerteilt wurde. Zuständig für diese Licht-Kunst waren die Mitglieder des Kollektivs «Projektil»
«Wir wollten die Kritiker des Projekts ansprechen, die finden, der Hafenkran sei keine Kunst» sagt Roman Beranek vom Künstlerkollektiv auf Anfrage. Die Künstler haben sich in die Diskussion um «Kunst oder nicht-Kunst» einbringen und aus dem Hafenkran ein Objekt machen wollen, das auch Kritiker des Hafenkran-Projekts als Kunst ansehen können. Dazu habe sich das Kollektiv überlegt, was nach Ansicht dieser Hafenkran-Kritiker gute Kunst sein könnte. Sie kamen zum Schluss: Das müssen renommierte, klassische Künstler sein. Solche projizierten sie- neben traditionellen Schweizer Sujets- auf den Hafenkran. Und auch für Leute, die den Hafenkran ganz weg haben wollen, hat sich das Kollektiv eine Lösung überlegt: Sie liessen den Kran für einige Minuten verschwinden, indem sie seinen Hintergrund auf das Objekt projizierten. Somit machten sie die «Verschandelung» der Altstadt immerhin wieder ein bisschen gut.

Angekündigt haben die Künstler ihre Aktion nicht gross. Auch Bewilligung sei keine eingeholt worden. „Ein paar Leute haben es vom Lindenhof aus oder beim Vorbeigehen beobachtet", sagt Beranek. Sonst seien vor allen Dingen Freunde der Künstler vorbeigekommen.

Die Aktion wurde in verschiedenen Medien besprochen. In den Kommentarspalten habe es gemischte Reaktionen gegeben: Manche fanden, doch, das sei jetzt richtige Kunst. Andere seien immer noch unzufrieden gewesen und haben sich gefragt, was diese Aktion den Steuerzahler nun wohl wieder gekostet habe, erzählt Beranek.

Die Beleuchtung des Hafenkrans ist nur eine von vielen Aktionen des Künstlerkollektivs. Sie mischen Technologie, Kunst und Innovation und finden so neue Wege, mit Hilfe von Kunst Aussagen zu machen. Dazu nutzen die Kunsthandwerker Programmierung, Animation und filmische Elemente mit Hilfe einer speziellen Technik, dem «Videomapping». Damit lassen sich Animationen passgenau und präzise auf die Oberfläche anpassen, auf der sie abgebildet werden sollen. Diese Technik ermöglicht eine hohe Genauigkeit beim Spiel mit optischen Effekten. Die Technik ist in der Schweiz noch weitgehend unbekannt, die Künstler von «Projektil» gehören zu den Pionieren dieses speziellen Kunsthandwerks.


Mehr Bilder und Aktionen unter http://www.projektil.ch/

(fwa)