Weinbau

Künftig soll nur noch eine Instanz die Weine kontrollieren

Mit dem neuen Kontrollsystem müssen die Weinproduzenten künftig eine Grundgebühr bezahlen. Walter Schwager

Mit dem neuen Kontrollsystem müssen die Weinproduzenten künftig eine Grundgebühr bezahlen. Walter Schwager

Die Zentralisierung der Weinkontrolle stösst bei Beat Kamm, Präsident der Deutschschweizer Selbstkelterer, auf Kritik – er befürchtet Doppelspurigkeiten. Denn künftig müsste jeder Produzenten eine jährliche Grundgebühr zahlen.

«Ich sehe schlicht die Verbesserung nicht», sagt Beat Kamm, Präsident der Deutschschweizer Selbstkelterer. Er meint damit die vom Bund ab 2018 geplante Vereinheitlichung und Zentralisierung der Weinkontrolle in der Schweiz. Nach der Vorstellung des Bundesamtes für Landwirtschaft soll künftig nur noch eine Instanz sämtliche Kontrollen in der Weinbranche durchführen: Die Stiftung Schweizer Weinhandelskontrolle (SWK). Und zwar gleichgültig, ob es sich dabei um einen Weinproduzenten oder -händler handelt.

Als Händler gilt jemand laut Bundesgesetz, wenn er mehr als 2000 Liter Wein von ausserhalb seines eigenen Betriebs ein- und dann weiterverkauft. Ein Produzent darf bis 2000 Liter Schweizer Wein zukaufen und damit handeln, sofern die Verschnittregelungen der Weinklassen eingehalten werden. Ein Verschnitt meint das Mischen verschiedener Weine.

Der Bund sieht nun vor, dass die SWK künftig nicht nur die Händler, sondern auch die Produzenten kontrolliert. Im Kanton Zürich übernimmt die Kontrolle der Produzenten bislang der Kantonschemiker. Er ist eigentlich für die Überprüfung der Vorschriften im Bereich der Lebensmittelhygiene zuständig. Und weil auch ein Weingut diese Vorschriften einhalten muss, wird es vom Kantonschemiker wie ein Restaurant kontrolliert.

Die Besonderheit im Kanton Zürich ist nun, dass dieser Chemiker zugleich auch prüft, ob in den Kellern die Vorschriften rund um den Wein eingehalten werden. Dabei sanktioniert er auch etwaige Verstösse.

Neue Schnittstelle schaffen

«Unser System hat den grossen Vorteil, dass eine Person alle Kontrollen in einem Aufwisch durchführt», sagt Kamm. Daher sei sein Verband gegen die geplante Vereinheitlichung, die das jetzige System nur verkompliziere und teurer mache. Denn wenn die SWK einen Verstoss feststellen würde, müsste sie ohnehin den Kantonschemiker einschalten.

Dadurch, so befürchtet Kamm, würden bloss eine neue Schnittstelle und Doppelspurigkeiten geschaffen. Zudem werde das neue Kontrollsystem zu höheren Kosten führen, sagt Kamm. Denn künftig müssten die Produzenten jedes Jahr eine Grundgebühr zahlen – egal, ob kontrolliert werde oder nicht. In einem Jahr mit einer Kontrolle hätte dies laut Kamm eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Kosten zur Folge. «Das ist nicht tragbar.»

«Wir werden uns wehren, damit die SWK dieses Mandat nicht erhält», kündigt Kamm an. Aufgrund von Verstössen in der Vergangenheit wie etwa Weinpanscherei haben als Händler tätige Grosskellereien die Schaffung der SWK selber angeregt.

Gleichwertige Kontrolle in Zürich

Für Kamm ist es völlig unverständlich, weshalb nun die SWK nicht nur die Händler, sondern neu auch die Produzenten kontrollieren soll. Und dies nicht etwa deshalb, weil die Weinproduzenten die vielen Kontrollen scheuen oder etwas gegen die SWK hätten – die Zürcher Produzenten werden schlicht schon selber kontrolliert. «Ich stelle aber fest, dass in Bern bislang kaum wahrgenommen wird, dass wir hier bereits eine gleichwertige Kontrolle haben», sagt Kamm.

Und dass die Deutschschweiz in Bern weiterhin nicht gehört wird, befürchtet Kamm, denn: «Im Weinbau ist nicht die West-, sondern die Deutschschweiz in der Minderheit.»

«Mehrere Hüte auf»

Ohne die Verordnung mit der 2000-Liter-Regelung abzuändern, kann der Bund die beabsichtigte Vereinheitlichung bei der Buch- und Kellerkontrolle allerdings nicht umsetzen. Und sollten die Zürcher Winzer in Bern nicht gehört werden, werde man schlimmstenfalls die Revision dieser Verordnung zu verhindern versuchen, sagt Kamm.

Gestern hörte das Bundesamt für Landwirtschaft die Branchenvertreter an. Daran hätten auch Vertreter der Deutschschweiz teilgenommen, sagt Kamm. Diese hätten aber «mehrere Hüte auf», weil sie sowohl die Produzenten als auch die Händler vertreten müssten. «Uns wäre schon gedient, wenn sie die Frage stellen würden, weshalb ein gut funktionierendes System geändert werden soll», sagt Kamm.

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