Opfikon

«Kühe liefern 30% mehr Milch» — ein Showroom zeigt was mit 5G-Technologie alles möglich wäre

Der 5G-Präsentationsraum am Hauptsitz von Sunrise in Opfikon.

Der 5G-Präsentationsraum am Hauptsitz von Sunrise in Opfikon.

Ein Showroom in Opfikon zeigt zurzeit, was mit 5G-Technologie alles möglich sein kann. Auch Industrie und Landwirtschaft profitieren.

Der superschnelle Mobilfunkstandard 5G ist umstritten. Strahlengegner bekämpfen die neue Technologie an allen Fronten. Die Mobilfunkanbieter treiben den Ausbau ihres Netzes unterdessen ungebrochen voran  – und versuchen den Nutzern die Vorteile des Hochgeschwindigkeitsinternets schmackhaft zu machen. Die Firma Sunrise hat an ihrem Hauptsitz im Opfiker Glattpark extra einen Showroom eingerichtet, wo mögliche Anwendungsgebiete von 5G-Mobilfunk demonstriert werden.

So will der Mobilfunkanbieter sein schnelles mobiles Datennetz unter anderem in der Landwirtschaft beliebt machen. «Smart Farming» heisst das auf Neudeutsch. Bei Agroscope im thurgauischen Tänikon wird der 5G-Einsatz zurzeit in der Milchwirtschaft getestet. So sind in den Kuhställen hochauflösende 360-Grad-Kameras im Einsatz. Der Landwirt kann auf diese Art und Weise rund um die Uhr auf dem Handy oder dem Computer sehen, wie es seinen Tieren geht.

Doch noch viel wichtiger ist: Alle Kühe tragen ein Halsband, das mit Sensoren ausgerüstet ist. Durch die gesammelten Informationen kann der Bauer unter anderem die Milchproduktion seiner Kühe optimieren. «Dadurch lässt sich die Milchproduktion um bis zu 30 Prozent steigern», sagt Mediensprecher Rolf Ziebold.

Drohnen überwachen Qualität der Saat

Auch ausserhalb des Stalls kommt in Tänikon dank schneller Datenverbindung neue
Technologie zum Einsatz. Drohnen kreisen über den Feldern und liefern in Echtzeit Daten über die Qualität der Saat. «So können die Pflanzen viel gezielter gespritzt werden, und es ist nicht mehr nötig, das ganze Feld gleich intensiv zu besprühen», erklärt Roland Eisenhut, Mobilfunkspezialist bei Sunrise. Durch die Drohnen sei es möglich, den Einsatz von Herbiziden um 90 Prozent und denjenigen von Pestiziden um 80 Prozent zu senken. Neben den Drohnen wird auf dem Agroscope-Betrieb auch ein Roboter getestet, der zusätzlich zur Kontrolle der Pflanzen auch gleich das Spritzen übernimmt. Nicht nur in der Landwirtschaft, auch in der Industrie will der Mobilfunkanbieter mit seinem 5G-Netz Fuss fassen. In Biel hat das Unternehmen beim Maschinenhersteller GF Machining Solutions in der gesamten Fabrikhalle für den 5G-Zugang gesorgt. Dies ermöglicht zum Beispiel die Instandhaltung und Wartung der Anlage in Echtzeit. So lassen sich ungeplante Ausfallzeiten verhindern und die Maschinenlaufzeiten verlängern.

Ein intelligentes Fussballstadion

In Basel ist Sunrise derzeit dabei, den St.-Jakob-Park zu einem Smart-Stadion zu machen. So gibt es in der gesamten Fussballarena 5G-Abdeckung, und zahlreiche ultrahochauflösende Kameras wurden verbaut. Die Zuschauer sollen so irgendwann in den Genuss von individuellen Sofortwiederholungen kommen. Auch virtuelle Stadionbesuche durch das Tragen einer 3D-Brille sollen möglich werden. «Bei Fernsehübertragungen von Fussballspielen könnte das 5G-Netz den Einsatz von Satellitenübertragungswagen hinfällig machen», erklärt Ziebold.
Natürlich will Sunrise auch die einfachen Nutzer an Bord holen. So ermöglicht es das 5G-Netz, Videos in 4K auf dem Handy abzuspielen. Diese Auflösung ist viermal besser als der aktuelle HD-Standard. Auch Videospiele werden auf dem Handy schon bald in dieser Qualität möglich sein.

In abgelegenen Gebieten kann das 5G-Netz zudem für die Internetverbindung zu Hause genutzt werden. «Es ist aber nicht die Idee, dass das 5G-Netz das Glasfaserinternet ablöst», so Ziebold. In dicht besiedelten Gebieten wäre das Mobilfunknetz dafür gar nicht genug leistungsfähig. 5G sei aber nicht nur dazu da, um in Zukunft Netflix-Videos in 8K-Auflösung auf dem Handy zu schauen. «Die Datennutzung der Menschen verdoppelt sich alle 12 bis 18 Monate, und laufend kommen neue Anwendungen hinzu», sagt Ziebold. Um den Bedarf zu decken, komme man um 5G nicht herum. Die Strahlengegner sind anderer Meinung.

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