Bis zum vergangenen Freitag konnten über 50 Schulverbände, Parteien, Kommissionen und Ämter sowie alle Schulgemeinden im Kanton ihre Meinung zur Zürcher Umsetzung des Lehrplans 21 kundtun. Wie viele Rückmeldungen während der Vernehmlassung, die seit April läuft, eingegangen sind, hat die Bildungsdirektion noch nicht ausgezählt, wie dort zu erfahren ist. Auch könne man noch nichts zu deren Inhalt sagen. Ein Blick in die Stellungnahmen einiger Parteien und Lehrerverbände zeigt jedoch, dass sich die wenigsten gegen den Vorschlag der Bildungsdirektion stellen.

Die SVP sagt als einzige Partei grundsätzlich Nein. Ihr fehlt die demokratische Legitimation. Damit verweist sie auf die Volksinitiative «Lehrplan vors Volk», die fordert, dass Lehrplanänderungen künftig dem Regierungs- und Kantonsrat und damit schliesslich dem Volk vorzulegen sind. Wann über die Initiative abgestimmt wird, steht noch nicht fest. Es ist möglich, dass der Abstimmungstermin nach der Einführung des neuen Lehrplans angesetzt wird. Daher fordert die SVP in ihrer Stellungnahme die Sistierung der Einführung. «Dem Kanton darf der neue Lehrplan nicht aufoktroyiert werden», sagt SVP-Kantonsrätin Anita Borer (Uster). Die Vernehmlassung hält sie für eine Pro-forma-Übung.

Ebenfalls auf Konfrontationskurs geht der Verein «Schule mit Zukunft», der mit seinem Nein «ungeklärte Fragen ans Tageslicht bringen will», wie Vorstandsmitglied Hanspeter Amstutz, ehemaliger EVP-Kantonsrat (Fehraltorf), sagt. Der Lehrplan wolle zu viel, und die Lektionentafel, die definiert, welchen Fächern wie viele Stunden pro Woche und Schulstufe zustehen, sei vor allem in der Mittelstufe überladen. Der Verein fordert eine Überarbeitung des Lehrplans und will verhindern, dass der Bildungsrat den Lehrplan «nur noch über die Bühne bringen will», wie Amstutz sagt.

Halbklassen beibehalten

BDP und CVP sprechen sich hingegen bedingungslos für den neuen Lehrplan aus. Bei der Lektionentafel empfiehlt die CVP, die Forderungen der Lehrpersonen-Verbände zu berücksichtigen.

Die Verbände stellen sich ebenfalls hinter den Vorschlag des Bildungsrats, allerdings mit einem «Ja mit Vorbehalten». Dieser Meinung sind auch die Grünen, SP, EVP, GLP und FDP. Der Verband der Schulpräsidien (VZS), der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) und der Verein der Sekundarlehrkräfte (SekZH) schlagen alternative Lektionentafeln vor. Sie verlangen in der Unterstufe mehr und in der Mittel- und Oberstufe weniger Lektionen.

Die beiden Lehrerverbände wollen zudem am Halbklassenunterricht im heutigen Ausmass festhalten. Dieser wird laut Vorschlag in der Mittelstufe reduziert. Auch sind die Lehrerverbände der Ansicht, dass eine Fremdsprache in der Primarstufe reiche – und dass der Lehrplan nicht kostenneutral umgesetzt werden könne. Die Kostenneutralität hatte Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) als Bedingung vorausgesetzt.

Der ZLV will weiter die Anzahl Handarbeitslektionen gesetzlich festgeschrieben haben. Eine Massnahme, welche die Parteien für nicht nötig halten. Die Grünen bezeichnen die aktuelle gesetzliche Verankerung der wöchentlichen Unterrichtszeit in Handarbeit als «systemwidrig» und begrüssen die Streichung des Artikels im Volksschulgesetz.

Die SP legt das Augenmerk auf die Ressourcen, die vorhanden sein müssen für Lehrmittel, das neue Fach Medien und Informatik und die Aus- und Weiterbildung der Lehrer. Da der Lehrplan nicht kostenneutral umgesetzt werden könne, müsse der Kanton bereit sein, in die Bildung zu investieren, schreibt die SP.

Einführung verschieben

Die FDP fordert die Erhöhung der Lektionenzahl zugunsten der sogenannten Mint-Fächer, wo «zukunftsweisende Themen» im Fokus stehen. Dies sei durch die Reduktion der Halbklassenlektionen in der Unterstufe kostenneutral möglich. Die GLP will die Einführung des Lehrplans um ein Jahr verschieben, damit dann die nötigen Ressourcen zur Verfügung stehen. Die aktuellen Pläne seien zu ambitioniert.

Bis Ende Jahr wird der Bildungsrat die Stellungnahmen sichten und entscheiden, ob er auf die Vorschläge eingehen will oder nicht. Ab Sommer 2018 soll der Lehrplan stufenweise eingeführt werden.