Delegiertenversammlungen

Kritik am Fussballstadion bringt das Projekt ins Wanken

Neues Hardturm-Stadion: Die Grünen der Stadt Zürich beschliessen Stimmfreigabe. key

Neues Hardturm-Stadion: Die Grünen der Stadt Zürich beschliessen Stimmfreigabe. key

Delegiertenversammlungen Die FDP sagt klar Nein zum Stadion. Die Grünen sind unentschieden. Nur die CVP spricht sich für die Arena aus. Bereits in der vergangenen Woche hatte die SP dem Stadionprojekt zugestimmt.

Im Stadtzürcher Parlament fiel der Entscheid noch klar aus – den Objektkredit hiessen die Gemeinderäte mit 101 zu 15 Stimmen gut. Damals herrschte bei den Parteien aber Fraktionszwang: In der breiteren Parteibasis ist der Stadionbau und dessen Finanzierung durch die Stadt umstrittener.

Bei der Delegiertenversammlung der FDP zeichnete sich rasch ein Nein ab. Es meldeten sich nur Gegner der Vorlage zu Wort. Erst als Parteipräsident Michael Baumer fragte, ob es noch eine Wortmeldung gebe, meldete sich ein Delegierter mit den Worten: «Ich bin Pro.» Wenn die Stadt Opernhaus und Theater finanziere, erscheine es ziemlich elitär, beim Fussball abseitszustehen, begründete er seine Haltung.

Urs Egger, der als FDP-Gemeinderat und Präsident des Stadtzürcher Fussballverbands die Pro-Haltung der Fraktion vertrat, betonte, dass das Stadion nicht nur für die zwei Proficlubs FCZ und GC gebaut werde. Die Profis seien Vorbilder. «Wir haben 54 städtische Amateurclubs mit unzähligen Juniorinnen und Junioren.» Doch mit diesen Argumenten hatten die Stadionbefürworter keine Chance.

FDP-Vorstand dagegen

Anders als die Fraktion hatte schon der FDP-Vorstand sich für ein Nein ausgesprochen (mit 15 zu 7 Stimmen). Die Freisinnigen kritisierten insbesondere den Umstand, dass die Stadt für den Bau und den Betrieb des Stadions aufkommen müsse.

Patrick Stähler, Vorstandsmitglied der FDP Kreis 7 und 8 sagte: «Die beiden Fussballclubs werfen 400 000 Franken für die Abstimmungskampagne auf, beteiligen sich aber nicht am Stadion.»

Andere Votanten machten darauf aufmerksam, dass die Steuereinnahmen zurückgingen. «Wir können uns ein Stadion schlicht nicht leisten», sagte eine Freisinnige. Nur weil zwei Fussballclubs mehr Stimmung und mehr Einnahmen wollten, müsste nun der Steuerzahler alles finanzieren, sagte ein weiterer Votant.

Die Delegierten der FDP fassten danach klar die Nein-Parole. Sie empfehlen den Objektkredit für das neue Fussballstadion mit 50 Nein- zu 23 Ja-Stimmen klar ab.

Grüne Stimmfreigabe

Auch die Grünen hatten den Objektkredit gestern Abend in einer ersten Abstimmung abgelehnt. Dies aber knapp mit 66 zu 63 Stimmen. Die Partei hiess deshalb den Antrag von Luca Maggi, dem Präsidenten der jungen Grünen, mit 109 zu 33 Stimmen bei einer Stimmfreigabe zu belassen.

«Fussballfans sind die grösste Jugendkultur», sagte Maggi. «Wenn wir ein Stadion bauen, dann für die Fans. Ich beantrage Stimmfreigabe, denn die Sachkompetenz hier drin reicht nicht aus für einen Entscheid.» Der Grüne Gemeinderat Markus Kunz hatte zuvor ausgeführt: «Wir brauchen in dieser Stadt Wohnungen, Kinderbetreuungsplätze und ganz viel anderes. Aber ganz sicher kein zweites Fussballstadion.» Gemeinderatspräsident Martin Abele versuchte demgegenüber Begeisterung zu entfachen: «Stimmen wir mit Tausenden Fans Ja und seien wir keine Spielverderber.»

Eine Mehrheit für das Stadion fand sich gestern nur bei der Versammlung der Stadtzürcher CVP.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die SP dem Stadionprojekt zugestimmt. An deren Versammlung wurde zwar ebenfalls wie bei der FDP Kritik an der Finanzierung laut. Doch die mit dem Stadion verknüpfte kommunale Wohnsiedlung mit 154 bezahlbaren Wohnungen für kinderreiche Familien war bei der SP unbestritten.

Die Stimmberechtigten in der Stadt Zürich werden am 22. September über die Objektkredite für das reine Fussballstadion befinden (216 Mio. Franken plus 103 Mio. für die mit dem Stadion verbundene Wohnsiedlung). Werden sie gutgeheissen, fahren gemäss Zeitplan die Bagger 2015 auf. Die FCZ- und GC-Spieler laufen erstmals im Sommer 2017 in die Arena auf dem Hardturmareal ein.

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