Das Krematorium Nordheim, idyllisch gelegen unweit des Bucheggplatzes in Zürich, ist das grösste der Schweiz und eines von dreien im Kanton Zürich. Winterthur und Rüti verfügen über je zwei Verbrennungsöfen, im Nordheim gibt es sechs. Rund 6'500 Personen wurden letztes Jahr in ihnen kremiert, erklärt Betriebsleiter Cyrill Zimmermann auf einem Rundgang.
Dieser führt auch an der neuen Urnenabfüllanlage vorbei. Sie dient wie die bestehende Einrichtung dazu, die ausgebrannten Knochen zu zerkleinern. «Sie zerfallen ganz leicht», sagt Zimmermann. Der Clou am neuen Gerät, das erst zu Testzwecken aufgebaut ist: Es kann die in der Asche enthaltenen Kleinstpartikel von Wertstoffen abscheiden. Dies geschieht mechanisch mittels Sieb, Walze und Zentrifuge.

«Nicht ganz einfach»

Es geht vor allem um die Rückgewinnung von Metallen, die aus medizinischen Gründen in den Körper gelangt waren – Titan zum Beispiel, aber auch viele andere. Der am häufigsten vorkommende Stoff dürfte Gold aus Zahnreparaturen sein. Es gibt Schätzungen, wonach pro Verstorbenem zwei Gramm davon anfallen.
«Es macht keinen Sinn, diese Stoffe in den Boden einzubringen», sagt Zimmermann. Und der Erlös, der in die Stadtkasse fliessen wird, werde einen Beitrag an die nicht geringen Betriebskosten der Öfen leisten. Allerdings, so betont er, werde man jedes Mal die Angehörigen zuerst fragen, ob das für sie auch in Ordnung gehe. «Das wird wohl nicht ganz einfach sein», fügt er an.

Hilfreich dürfte sein, dass man über einiges Know-how verfügt, was den einfühlsamen Umgang mit Trauernden angeht. Denn vieles gibt es zu regeln, auf vieles gilt es Rücksicht zu nehmen.
40 bis 140 Verstorbene befinden sich jeweils im Gebäudekomplex des Krematoriums. Sie sind untergebracht in unterschiedlich klimatisierten Räumen. Je weiter fortgeschritten die todesbedingten Veränderungen des Körpers sind, desto kühler ist der Raum. 32 Zimmer stehen zur Verfügung, in denen die Angehörigen Abschied nehmen können.
Am aufgebahrten Sarg wird dafür jeweils der Deckel abgenommen – ausser jemand möchte das nicht; es muss besprochen werden. Es gelten Öffnungszeiten – ist jemand dann nicht abkömmlich, kann einem Verwandten ein Schlüssel für einen früheren oder späteren Besuch mitgegeben werden; es muss besprochen werden.

Bei aller Erfahrung

Zimmermann bringt die Voraussetzungen für solche Gespräche mit. Er ist Bestatter, so wie die anderen Angestellten auch. Die Ausbildung läuft berufsbegleitend und dauert zwei Jahre. Er selbst hat eine Druckerlehre gemacht, war dann als Sozialpädagoge tätig und hat eine Wohngruppe für Demenzpatienten aufgebaut. Dort hat er auch Sterbende begleitet und ist so erstmals professionell mit dem Tod in Berührung gekommen.

Bei aller Erfahrung aber, die sich mit den Jahren einstellt: Der Umgang mit dem Tod kann auch belastend sein. So sei er froh, sagt Zimmermann, dass sie unter den Angestellten alle zwei Wochen die Chargen wechselten. Aufbahrungen vorzubereiten ist dann eine Abwechslung zur Arbeit bei den Öfen, ebenso bei einer Abdankung zum Rechten zu sehen. Dabei könne es vorkommen, dass er während der Zeremonie die CD mit der Lieblingsmusik des Verstorbenen einlege, sagt Zimmermann. Oder er schliesse einen Projektor an für eine Powerpoint-Präsentation, welche die Stationen im Leben des Verstorbenen festhält. Es geschieht so, wie es besprochen worden ist.