Zürich
Krawall-Zuschauer wegen Landfriedensbruchs verurteilt

Am Freitag ist ein erster mutmasslicher Teilnehmer der Zürcher Krawalle vom letzten Herbst vor Gericht gestanden. Das Bezirksgericht verurteilte den 21-Jährigen wegen Landfriedensbruchs zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 80 Franken.

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Wüste Bilder nach den Krawallen im September in Zürich (Archiv)

Wüste Bilder nach den Krawallen im September in Zürich (Archiv)

Keystone

Seine Beteuerungen, er sei nur Zuschauer gewesen und nach Mitternacht ungewollt zwischen die Fronten geraten, nützten dem Zürcher Elektriker nichts. Er sei zwei Stunden lang in unmittelbarer Nähe der Demonstranten geblieben, fand das Gericht. Schon alleine diese Anwesenheit habe die Polizeiarbeit behindert.

Festgenommen wurde der junge Mann, als er mit verschiedenen Leuten über die Ausschreitungen diskutierte. Zuvor hatte er sich gemäss eigenen Aussagen eine halbe Stunde lang hinter einem Haus versteckt. 17 Tage lang sass der Mann in Untersuchungshaft.

Sachbeschädigung nicht bewiesen

Die zuständige Staatsanwältin führte vor dem Zürcher Bezirksgericht aus, dass der Beschuldigte ein Teil der gewalttätigen Menschenmenge gewesen sei. Aufgrund von zwei Vorstrafen unter anderem wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Gewalt und Drohung gegen Beamte verlangte sie eine unbedingte Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu 80 Franken.

Die Beweislage für diese Bestrafung war jedoch zu dünn: Es lagen lediglich zwei Fotos des Angeklagten vor, wobei er auf beiden in passiver Haltung abgebildet war. Steinwürfe und Sachbeschädigungen konnten ihm nicht nachgewiesen werden.

Das Gericht stufte das Verschulden des Mannes deshalb als eher leicht ein und reduzierte die von der Staatsanwaltschaft verlangte Strafe. Trotzdem wird es für den jungen Mann teuer: Er muss nun auch die beiden einst bedingten Vorstrafen von rund 5000 Franken bezahlen. (sda)