Kraftstoff-Produktion beginnt doch noch

Vor sechs Jahren gab es erste Pläne, nun nimmt die Axpo einen zweiten Anlauf: Sie will in Glattfelden Wasserstoff für Fahrzeuge herstellen.

Manuel Navarro
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Im Kraftwerk Eglisau-Glattfelden soll künftig nicht nur Strom, sondern auch Wasserstoff hergestellt werden, um ihn als Treibstoff verwenden zu können.

Im Kraftwerk Eglisau-Glattfelden soll künftig nicht nur Strom, sondern auch Wasserstoff hergestellt werden, um ihn als Treibstoff verwenden zu können.

Bild: zvg

Ab Herbst 2022 soll es so weit sein. Dann will der Energiedienstleister Axpo das Kraftwerk Eglisau-Glattfelden so weit aufgerüstet haben, dass es nicht nur Strom erzeugen, sondern neu auch Wasserstoff herstellen kann. Vorerst ist eine 2,5-Megawatt-Anlage geplant. Jährlich sollen damit rund 350 Tonnen Wasserstoff produziert werden. Gemäss der Axpo können damit 1,5 Millionen Liter Diesel im Strassenverkehr eingespart werden oder umgerechnet rund 40 bis 50 Lastwagen betrieben werden. Sollte die Nachfrage nach Wasserstoff wie von der Axpo erwartet in den nächsten Jahren steigen, wird die Anlage auf 5 Megawatt erweitert.

Auch beim Vertrieb des Kraftstoffs setzt die Axpo auf das Unterland. Verantwortlich für die Lieferung an die Tankstellen wird die Hydrospider AG mit Sitz in Opfikon sein. An der Firma ist mit 45 Prozent der Energiekonzern Alpiq beteiligt.

Völlig neu sind die Pläne nicht

Die Idee, im Kraftwerk am Rhein Wasserstoff zu produzieren, hatte die Axpo bereits 2015. Geplant war damals, ab 2017 mit der Produktion starten zu können. Da die Nachfrage nach Wasserstoff aber nicht wie erwartet zugenommen hatte, hatte die Axpo die Pläne auf Eis gelegt. «Seither hat der Kampf gegen den Klimawandel deutlich an Bedeutung gewonnen», erklärt Guy Bühler, der Leiter Hydrogen bei Axpo. «Zudem hat sich Wasserstoff als geeigneter Energieträger für die Dekarbonisierung von Mobilität und Industrie bestätigt.»

Die Axpo entschied sich dabei 2021 für das Kraftwerk Eglisau-Glattfelden aus denselben Gründen wie schon 2015. Erstens handelt es sich um ein sogenanntes Laufwasserkraftwerk. Damit ist gemeint, dass ein Flusskraftwerk wie jenes in Glattfelden das ganze Jahr über CO2-freien Strom produzieren kann. Dieser kann in Phasen, in denen der Strombedarf tief ist, in Wasserstoff umgewandelt werden. Zweitens verfügt das Kraftwerk über die benötigte Fläche, die für die Wasserstoffproduktion benötigt wird. Und drittens ist der Standort verkehrstechnisch günstig gelegen. Die Strassen sind für Lastwagen ausgelegt.

Technologie hat sich weiterentwickelt

Verändert hat sich gegenüber 2015 das angestrebte Produktionsvolumen. Damals wollte die Axpo noch 200 Tonnen jährlich produzieren, nun sind es 75Prozent mehr. «Das Projekt wurde nicht vergrössert», sagt Mediensprecher Tobias Kistner. «Aber Elektrolyseure sind nun grösser als zum damaligen Zeitpunkt.» Elektrolyseur – das ist der Fachbegriff für die Anlage, die Wasserstoff herstellt. Er spaltet mit Hilfe von Strom Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff auf. Der gasförmige Wasserstoff wird anschliessend verdichtet und kann dann in Druckflaschen gepresst werden. Diese werden schliesslich an die Wasserstofftankstellen geliefert.

Der Elektrolyseur allein tut es indes nicht. Daneben müssen im Kraftwerk auch eine Wasseraufbereitungsanlage und eine Verdichtungsanlage gebaut und angeschlossen werden. Die Vorbereitungen zum Bewilligungsverfahren für das Projekt sind in diesen Tagen angelaufen.

Bevölkerung wurde vorab informiert

Die Glattfelder Bevölkerung hatte schon vor der breiten Öffentlichkeit Kenntnis von dem Projekt. Die Axpo hat im Vorfeld mit der IG Zweidlen das Gespräch gesucht. Zudem wurden Anwohner im Rahmen eines virtuellen Informationsanlasses am vergangenen Donnerstag informiert. «Ein enger und offener Austausch mit der Gemeinde und der Bevölkerung ist uns sehr wichtig», betont die Axpo.

Mit ein Grund dafür dürfte auch sein, dass Wasserstoff zwar grundsätzlich als sehr sicher gilt. Ganz risikofrei ist er allerdings nicht. Vermischt er sich mit Sauerstoff, ist er entzündlich. Der Energiedienstleister betont, die Sicherheit rund um die Wasserstoffanlage geniesse oberste Priorität. Produktion, Lagerung und Transport des Gases seien zudem seit langem bekannt und bewährt.

Zudem verfügt Wasserstoff auch über viele gute Sicherheitseigenschaften: Er ist geruchlos, geschmacksneutral, leicht flüchtig und nicht giftig. Wasserstoffbehälter gelten generell als ­sicherer als Heizöl- und ­Benzintanks.