Kommentar
Korrekturen sind nötig

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Die Kinder der Zürcher Volksschule werden weiterhin Französisch und Englisch auf der Primarstufe lernen. Das Stimmvolk lehnte die Initiative der Lehrerverbände für nur eine Fremdsprache auf dieser Stufe ab. (Symbolbild)

Die Kinder der Zürcher Volksschule werden weiterhin Französisch und Englisch auf der Primarstufe lernen. Das Stimmvolk lehnte die Initiative der Lehrerverbände für nur eine Fremdsprache auf dieser Stufe ab. (Symbolbild)

Keystone/GAETAN BALLY

Der zwischen den Kantonen ausgehandelte Sprachenkompromiss hat seine härteste Prüfung bestanden: An den Zürcher Primarschulen werden weiterhin zwei Fremdsprachen unterrichtet, Englisch und Französisch. Die aus der Lehrerschaft lancierte Volksinitiative für nur noch eine Fremdsprache an der Primarschule wurde gestern klar verworfen.

Der Zürcher Entscheid wurde mit Spannung erwartet: vom Thurgau, wo es Bestrebungen gibt, Frühfranzösisch abzuschaffen, bis ins Welschland, wo das Schreckgespenst einer Abfuhr der Deutschschweiz fürs Französische herumgeistert. Signalwirkung hat er auch für die Angleichung der Schulsysteme in den verschiedenen Kantonen: Hätte Zürich sich davon verabschiedet, wäre dieses Ziel unerreichbar geworden.

Doch fürs Zürcher Stimmvolk zählten vor allem zwei Punkte: Die Regierung hatte gedroht, bei einem Ja zur Fremdspracheninitiative Frühenglisch zu streichen. Das wollte kaum jemand. Dafür wollte die Mehrheit, dass nach Jahren intensiver Reformen Ruhe einkehrt im Schulsystem.

Dennoch: Die Lehrer, die die Fremdspracheninitiative lanciert hatten, sind ernst zu nehmen. Fremdsprachenunterricht braucht mehr Ressourcen. Ein erster Schritt wird mit dem Lehrplan 21 ab nächstem Jahr gemacht. Weitere Korrekturen müssen folgen, damit Aufwand und Ertrag beim Fremdsprachenunterricht an der Primarschule in einem guten Verhältnis stehen. Und was Französisch betrifft, gilt es, den viel beschworenen nationalen Zusammenhalt auch zu leben. Dafür braucht es zumindest öfter mal eine Schulreise in die Welschschweiz.