Single-Konzerte
«Konzertliebe»: Männer sind Mangelware und Frauen kommen auf die Warteliste

Mit Musik läuft die Partnersuche unverkrampfter ab. Doch während Frauen auf Tickets fliegen, sind Männer zurückhaltender. Solange das Kontingent an Männern nicht ausgeschöpft ist, kommen die interessierten Damen auf die Warteliste.

Michael Rüegg
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Will musikliebende Singles auf «charmante Art» zusammenbringen: Eva Pauline Bossow. J. Allemann

Will musikliebende Singles auf «charmante Art» zusammenbringen: Eva Pauline Bossow. J. Allemann

Wenn am 27. Juli in der Zürcher PflanzBar das Duo Noir auf Saxofon, Klarinette und Gitarre zu Jazzklängen ansetzt, wird das Publikum nicht bloss auf die Musiker starren. Die rund 60 Damen und Herren, die sich Tickets fürs Konzert gekauft haben, sind alle in Flirtlaune.

Klassik und Jazz ziehen Singles an

«Konzertliebe» heisst die Veranstaltungsreihe, die Singles an klassische und Jazz-Konzerte lockt. Gründerin ist Eva Pauline Bossow. Vor dreieinhalb Jahren stolperte sie in ihrer damaligen Rolle als Medienverantwortliche des Berner Sinfonieorchesters über die Studie eines Berliner Musikwissenschafters. Dieser hatte sich nicht mit der Musik, sondern dem Publikum befasst und Konzertbesucher analysiert. Aus den Untersuchungen war hervorgegangen, dass der Anteil Singles bei Klassik- und Jazzkonzerten im Vergleich zu anderen Musikrichtungen weit höher ist.

«Die müsste man doch einfach auf eine charmante Art zusammenbringen», dachte sich Bossow damals – und überzeugte ihren Vorgesetzten davon, Singles gezielt zu Konzerten einzuladen. Was als Experiment begann, hat heute System.

Der Clou besteht darin, dass bei öffentlichen Konzerten Männlein und Weiblein diskret nebeneinander platziert werden. Andere Konzertbesucher merken davon nichts. In der Pause ziehen sich die Singles in eine Lounge zurück und können entspannt zu Speis und Trank das Feld abchecken. Seit etwa einem halben Jahr organisiert Bossow Konzertliebe-Veranstaltungen in Bern und Zürich – im Rahmen von öffentlichen Konzerten, aber auch bei eigenen Events.

Haben denn die Konzertliebe-Gäste mehr Niveau als andere Singles? «Das kann man so nicht sagen», findet Bossow, «aber die Musik ist sicher ein Filter. Wer Konzerte nicht mag, kommt nicht zu uns.»

Mit einem hatte Bossow allerdings nicht gerechnet: Es melden sich mehr Frauen als Männer an. «Bei vielen Konzerten sind die Karten für Frauen schneller ausverkauft als diejenigen für Männer», sagt die Gründerin von Konzertliebe. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist für sie eine Grundvoraussetzung für einen gelungenen Abend. Deshalb kommen die interessierten Damen auf die Warteliste, solange das Kontingent für Männer noch nicht ausgeschöpft ist.

Es gibt Paare und Grüppchen

Dass ihre Bemühungen fruchten, merkt Bossow immer wieder. Zum Beispiel, wenn sich zwei Leute von ihrem Newsletter abmelden, mit der Bemerkung, sie seien sich an einem Konzert begegnet und wären jetzt ein Paar. Mit anderen Worten: Jedes Mal, wenn Bossow ihr Ziel erreicht, verliert sie zwei Kunden. Doch aus den Konzertliebe-Veranstaltungen gehen nicht nur Paare hervor: «Wir haben mittlerweile sogar Anmeldungen von Grüppchen, die sich alle an unseren Konzerten kennen gelernt haben.»

Nun prüft die Unternehmerin, ob sie auch andere Musikstile ins Programm aufnehmen will. «Zudem liegt eine Anfrage aus der Romandie vor, das wird spannend», so Bossow.

Für das Konzert am 27. Juli sind noch Plätze für Männer frei. Anmeldung bis zum 20. Juli auf www.konzertliebe.ch.