Insgesamt seien im vergangenen Jahr 537 Rückforderungsentscheide gefällt worden, sagte die Direktorin der Sozialen Dienste, Mirjam Schlup Villaverde, am Donnerstag bei der Präsentation der Sozialhilfestatistik. Viele der Missbrauchsfälle stammten jedoch aus früheren Jahren.

82 Untersuchungen konnten im Berichtsjahr abgeschlossen werden. Dabei erhärtete sich in rund der Hälfte der Fälle der Verdacht auf Missbrauch. Häufig ging es dabei um nicht deklarierte Einkommen, Nebeneinkünfte oder Fahrzeugbesitz.

In 72 Fällen erteilte die Sozialbehörde neue Ermittlungsaufträge. Bei über 60 Prozent ging es um Ausländerinnen und Ausländer.

Zur Bekämpfung von Sozialhilfemissbrauch hat die Stadt Zürich vor fünf Jahren zwei Spezialdienste geschaffen: ein Team mit Juristen für vertiefte Abklärungen und ein Inspektorat, das bei Verdachtsfällen Observationen vornimmt.

Diese Massnahmen hätten sich bewährt, stellte Stadtrat Martin Waser (SP) fest. Die Betrugsanzeigen hätten sich zwischen 2009 und 2011 vervierfacht. Bei allen 156 Anzeigen im vergangenen Jahr sei das Sozialdepartement massgeblich an der Aufdeckung der Missbräuche und an der Beschaffung von Beweisen beteiligt gewesen.

Missbräuche mit Augenmass bekämpfen

Missbräuche würden heute konsequent, aber mit Augenmass bekämpft, versicherte der Vorsteher des Sozialdepartementes. «Wir stellen Sozialhilfebezüger nicht unter Generalverdacht und schicken unsere Inspektoren nur auf die Piste, wenn ein begründeter Verdacht besteht».

Laut Waser hat die Missbrauchsbekämpfung auch präventive Wirkung. «Wer kriminelle Energie entwickeln will, tut dies heute auf andere Weise.» Einige der spektakulären Missbrauchsfälle, die von den Medien aufgegriffen wurden, vermittelten ein falsches Bild. Gemessen an der gesamten aufgewendeten Sozialhilfesumme betrage die Missbrauchsquote lediglich 3 Prozent.

Fallzahlen praktisch unverändert

18'354 Personen haben im Laufe des vergangenen Jahres in der Stadt Zürich mindestens vorübergehend Sozialhilfe bezogen. Das waren in etwa gleich viele wie im Jahre 2010, wie Schlup ausführte. Die von der Stadt ausbezahlte Sozialhilfe stieg leicht von 271 auf 279 Millionen Franken an.

Die Zahl der Sozialhilfefälle, die häufig mehr als eine Person umfassen, stieg um 0,9 Prozent auf 12'758. Die Sozialhilfequote sank dagegen aufgrund des Bevölkerungswachstums von 5 auf 4,9 Prozent. Nicht ganz jede 20. Person war damit auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Neu nahmen die Sozialen Dienste im Verlaufe des Jahres 4239 Sozialhilfefälle auf. Praktisch gleich viele konnten abgelöst werden. Ende Dezember wurden 8240 Fälle registriert, gegenüber 8223 im Vorjahr.

Die meisten Sozialhilfeabhängigen kommen nach einer gewissen Zeit wieder auf eigene Beine. Das ist laut Schlup bei fast der Hälfte der Unterstützten nach einem halben Jahr der Fall.

Die Sonderfall- und Einsprachkommission musste sich 2011 mit 440 Rekursen befassen. Davon wurden laut Koni Loepfe, 2. Vizepräsident der Sozialbehörde, deren 115 ganz oder teilweise gutgeheissen.

Immer wieder befassen müsse sich die Sozialbehörde mit der Unterstützung von Aus- und Weiterbildung. Häufig seien aber auch Einsprachen wegen der Rückerstattung von Sozialhilfegeldern.