Zürich
Konflikte häufen sich: Biber und Hirsche kommen bis zur Stadtgrenze

«Noch in den 1990er-Jahren gab es im Kanton Zürich praktisch keine Biber mehr», erinnert sich Jürg Zinggeler von der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Das hat sich grundlegend geändert.

Matthias Scharrer
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Nicht nur im Wildpark Langenberg: Rothirsche sind im Zürcher Oberland, aber auch in der Albis-Region vermehrt anzutreffen. keystone

Nicht nur im Wildpark Langenberg: Rothirsche sind im Zürcher Oberland, aber auch in der Albis-Region vermehrt anzutreffen. keystone

Limmattaler Zeitung

Beim letzten Biber-Monitoring vor drei Jahren wurden bereits rund 150 Biber in 49 Zürcher Revieren festgestellt. Die Zahlen der neusten Erhebung aus dem laufenden Jahr liegen zwar noch nicht vor, doch Zinggeler geht tendenziell von einer weiteren leichten Zunahme aus.

Hauptsache Wasser und genügend Nahrung

«Den Bibern passt unser Lebensraum», erklärt der Fachmann. «Sie sind nicht so anspruchsvoll.» Hauptsache: Wasser und genügend Nahrung in der Nähe. Bisweilen genügten den Bibern Drainage-Leitungen zur Entwässerung von Wiesen und Feldern, aber auch Kanalisationsleitungen als Wohnung.

Am häufigsten seien die fleissigen Nager im Zürcher Weinland anzutreffen. Dort – genauer: beim Zusammenfluss von Thur und Rhein – begann in den 1970er-Jahren ihre erfolgreiche Wiederansiedelung im Kanton Zürich. Ähnliche Versuche im Sihltal scheiterten.

Vereinzelt drangen Biber inzwischen bis ins Neeracher Ried, ins Glatttal und an den Greifensee vor. Selbst auf dem Zürichberg, an der Grenze zur Stadt Zürich bei Pfaffhausen, wurden unlängst Vertreter ihrer Art gesichtet. «Man wundert sich, wie weit sie wandern», sagt Zinggeler.

Dahinter stecke eine Art biologischer Zwang: «Zwei Jahre nach ihrer Geburt müssen die Jungtiere ausziehen.» Dann machen sie sich auf die Suche nach neuen Lebensräumen. Das schafft mitunter auch Probleme.

Peter Bänteli, Förster im Forstrevier Andelfingen, berichtet in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift «Zürcher Wald» davon: «Seit ein paar Jahren wird ein sehr ertragreicher Auenwald durch Stauungen von Biberdämmen stark vernässt. Dadurch fangen die Eschen eines 70-jährigen Bestandes an abzusterben.» Aufgrund der Stauungen werden laut Bänteli auch Drainagen überflutet.

«In den letzten Jahren haben sich solche Fälle gehäuft», weiss Zinggeler. Die Schäden hielten sich aber in Grenzen: Pro Jahr gehe es um wenige Tausend Franken, die Bund und Kanton betroffenen Landwirten und Waldbesitzern vergüten müssen. Zum Vergleich: Die Schäden, die Wildschweine im Kanton Zürich anrichten, belaufen sich auf jährlich bis zu 200000 Franken.

Zudem bringen die Wildtiere auch Nutzen: «Die Biber stellen einmalige Biotope her. Das dient der Artenvielfalt», sagt Zinggeler. Es ist das alte Lied: Was will der Mensch? «In der Stadt findet man den Vormarsch der Biber wahrscheinlich super. Die Bauern auf dem Land sehen es wohl tendenziell anders», vermutet Zinggeler.

Der Schlieremer Hirsch

Neben den Bibern seien auch die Rothirsche auf dem Vormarsch. Sie drängen vor allem aus dem Kanton St.Gallen, wo ihre Population stark gewachsen ist, ins Züribiet. Ihre Reviere liegen denn auch primär im Zürcher Oberland. Doch auch aus dem Kanton Zug führt eine Wanderroute Rothirsche gen Zürich. «Via Albis sind einzelne Hirsche bis vor die Tore der Stadt Zürich gekommen», sagt Zinggeler.

Er erinnert daran, dass vor zwei bis drei Jahren in Schlieren ein Hirsch gesichtet wurde, der von einem Auto angefahren worden war. «Der Wildhüter erlöste ihn dann.» In den letzten Jahren sei die Zahl der Rothirsche im Kanton Zürich leicht angestiegen. Zinggeler schätzt den aktuellen Bestand auf 50 bis 80 Tiere. Obwohl sie eigentlich unter Schutz stehen, dürfen sie von August bis Ende Januar gejagt werden. Pro Jahr würden kantonsweit jedoch nie mehr als zehn bis zwölf Rothirsche erlegt.