Bestechungs-Skandal
Kommandant Blumer wusste seit Mai von Ermittlungen gegen «Sex»-Polizisten

Der Zürcher Polizeikommandant Daniel Blumer und Milieu-Anwalt Valentin Landmann relativieren die Korruptionsvorwürfe gegen drei Stadtpolizisten mit viel Einfühlungsvermögen. Anscheinend kann man sich der «Faszination des Milieu» kaum entziehen.

Remo Hess
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Der Polizeikommandant der Stadt Zürich Daniel Blumer (rechts) mit Hells Angels-Anwalt Valentin Landmann, der einen der verhafteten Polizisten vertritt, im «TalkTäglich» bei Markus Gilli.

Der Polizeikommandant der Stadt Zürich Daniel Blumer (rechts) mit Hells Angels-Anwalt Valentin Landmann, der einen der verhafteten Polizisten vertritt, im «TalkTäglich» bei Markus Gilli.

Der Stadtzürcher Polizei-Chef Daniel Blumer wusste bereits seit Mai, noch vor dem eigentlichen Antritt seiner Stelle im Juni, von den Ermittlungen gegen die Beamten der Fachgruppe Milieu. Sein Vorgänger Philipp Hotzenköcherle habe ihn im Rahmen einer allgemeinen Einführung über die Ermittlungen informiert, wie er gegenüber dem Tagesanzeiger sagte.

Dem Skandal rund um die Bestechungsvorwürfe gegenüber dreier Milieupolizisten kann Blumer sogar Positives abgewinnen: «Es zeigt, dass das interne Controlling funktioniert», so Blumer im «TalkTäglich» auf TeleZüri. Und weiter: «Man muss die Angelegenheit mit Augenmass betrachten.»

Auch Hells Angels-Anwalt und Milieukenner Valentin Landmann (der übrigens auch einen der angeklagten Polizisten vertritt) relativiert und sagt: «Man kann nicht immer gleich draufhauen».

Welche Faszination genau?

Allgemein wurde in der Sendung oft von der «Faszination des Milieus» gesprochen. Was damit genau gemeint ist, blieb dem Zuschauer jedoch weitgehend verborgen.

Woher rührt diese Faszination? Kommt sie von der «gewissen Nähe», welche laut Valentin Landmann für die «Polizeiarbeit Voraussetzung» sei? Wie kann es möglich sein, dass diese Nähe die Stadtpolizisten unter die Bettdecke der Prostituierten führte?

Viel wurde von «Unabhängigkeit» und «Grenzen» gesprochen. Die Grenzen der Ernsthaftigkeit sprengte hingegen die Aussage von Landmann, wonach es auch möglich sei, dass sich ein Ermittler in eine Dirne verliebt. Moderator Markus Gilli schüttelte sich vor Lachen und meinte: «Also jetzt kommen mir dann wirklich gleich die Tränen.»

Immerhin ergänzte Landmann später: «Die Beamten hätten korrekterweise einfach irgendwo anders ins Puff gehen sollen.»

Liegt das Problem etwa bei den Männern?

So ist es also diese ominöse «Faszination des Milieu», welche in der Interpretation von Polizeikommandant Blumer – sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten – zu einem «menschlichem Versagen» führt. Er geht denn auch von Einzelfällen aus und betont: «Das System Stadtpolizei funktioniert».

Wie man dieser Faszination entfliehen kann, brachte ein Anrufer überraschen einleuchtend auf den Punkt. Der Mann, der sich selbst als «Freier im Kreis 4» outete, schlug vor, man möge doch mehr Frauen einstellen. Diese seien den Verlockungen von gratis Sex sicherlich weniger ergeben als ihre männlichen Kollegen. Die dreier Runde amüsierte sich ob diesem Vorschlag und Moderator Gilli kommentierte: «Ja manchmal sind die einfachsten Lösungen die besten.» Wo er recht hat, hat er recht.