Bildung

«Kombi-Ausbildung» für künftiges Kindergarten- und Unterstufenlehrpersonal

Unterstufe (Symbolbild)

Unterstufe (Symbolbild)

An der Zürcher Volksschule soll es künftig definitiv möglich sein, mit einem kombinierten Diplom sowohl Kindergärtner wie auch Primarschüler der ersten drei Klassen zu unterrichten.

Dies hat der Zürcher Kantonsrat am Montag bei der Beratung des Gesetzes über die Pädagogische Hochschule beschlossen.

Gegen den Willen der Grünen soll jedoch das reine Kindergarten-Diplom nicht abgeschafft werden. Die Zulassungsbedingungen für die Ausbildung werden aber auch nicht verschärft, wie dies die SP beantragt hatte.

Gegen die «Kombi-Ausbildung» stellte sich die SVP, die der Ansicht ist, damit werde der Volksentscheid gegen die Volksschul-Grundstufe in Frage gestellt. Den Lehrkräften könne ja freigestellt werden, einzeln für beide Stufen ein Diplom zu erlangen.

Die SVP behalte sich vor, in der Schlussabstimmung die ganze Gesetzesvorlage abzulehnen, kündigte ihr Sprecher Rochus Butscher (Dietikon) an.

Versuchsbetrieb seit 2009

Für den Studiengang Kindergarten/Grundstufe an der Pädagogischen Hochschule Zürich läuft bereits seit 2009 ein Versuchsbetrieb, der nun definitiv werden soll. Laut Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) ist das Interesse dafür gross. Man habe auch gute Erfahrungen gemacht.

Die Mehrheit des Kantonsrates begrüsst es, dass es Lehrpersonen mit Doppeldiplom gibt, die flexibel einsetzbar sind, je nach Schülerzahlen im Kindergarten oder in den 1. bis 3. Primarklassen. Es sei aber auch sinnvoll, den Beruf der Kindergartenlehrerin «vom Sackgassen-Image zu befreien», sagte SP-Sprecherin Karin Maeder (Rüti).

Nach Ansicht von Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen) wird die Flexibilität für Schulgemeinden durch ausgebildete Lehrkräfte für Kindergarten und Unterstufe nicht erhöht, weil diese dann nicht an der Mittelstufe einsetzbar wären. Kindergärten seien auch oft örtlich von den Primarschulhäusern getrennt.

Die Grünen plädierten dafür, die heutige reine Kindergärtnerinnen-Ausbildung ganz abzuschaffen und damit die pädagogische Qualität der Kindergärten zu erhöhen, wie Res Marti (Zürich) sagte. Die Lehrkräfte für Kindergärten und die ersten Primarschulklassen seien «die wichtigsten im Bildungssystem».

Weil dies so sei, müssten die Anforderungen an Kindergarten-Lehrpersonen denjenigen der Primarlehrerinnen und -lehrer gleichgestellt werden, fand die SP. Damit könne dem stark geänderten Alltag im Kindergarten Rechnung getragen werden, sagte Karin Maeder. Die «Gfätterlitante» von früher gebe es heute nicht mehr.

Es werde im Kindergarten von heute nicht bloss mit den Kindern gespielt, sondern anspruchsvolle pädagogische Arbeit geleistet, fügte Res Marti an.

Höhere Zulassungskriterien «absurd»

Gegen höhere Zulassungsvoraussetzungen für die Ausbildung zur Kindergärtnerin sprach sich GLP-Sprecher Andreas Erdin aus. Es sollten nicht Personen abgewiesen werden, die für den Beruf geeignet wären. «Die Zulassungskriterien erhöhen zu wollen ist absurd», sagte auch CVP-Vertreterin Corinne Thomet.

Auch nach Ansicht von Bildungsdirektorin Regine Aeppli wäre es falsch, angesichts des «nicht unerheblichen Mangels an Kindergarten-Lehrpersonen» die Voraussetzungen zu verschärfen. Die Schlussabstimmung zum revidierten Gesetz über die Pädagogische Hochschule findet in vier Wochen statt.

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